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Verabschiedet euch vom Taxi, wie ihr es kennt

·Lesedauer: 4 Min.
In China gehören autonome Taxi vielerorts schon zum Stadtbild
In China gehören autonome Taxi vielerorts schon zum Stadtbild

Was haben die Taxi-Genossenschaften in den letzten Jahren nicht alles unternommen, um die Digitalisierung ihrer Branche aufzuhalten. Neben medienwirksamen Streiks vor dem Brandenburger Tor in Berlin hat die Branche vor allem durch ihre Lobbyarbeit etliche Erfolge erzielt. Das im Sommer dieses Jahres neu in Kraft getretene Personenbeförderungsgesetz schließt zwar auch neue Mobilitätsdienste wie Moia oder den Berlkönig ein. Angebote wie die von Uber sind in Deutschland aber weiterhin nicht uneingeschränkt möglich. Der Gesetzgeber hat vor allem die Rückkehrpflicht beibehalten. Private Anbieter müssen also nach der Beförderung eines Kunden an ihren Betriebssitz zurückkehren. Ein Taxi-ähnlicher Fahrbetrieb ist damit praktisch unmöglich.

Der Sieg der Taxibranche wird allerdings nur von kurzer Dauer sein. Erstens befinden sich viele sogenannte Ridehailing-Angebote schon in Lauerstellung. In vielen Städten werden die Dienste bereits am Stadtrand eingesetzt, um dort die Lücken des öffentlichen Nahverkehrs kostenarm zu schließen. Die positiven Erfahrungen erhöhen den politischen Druck für künftige Projekte und neue Regeln.

Schlüsseltechnologie kurz vor Serienreife

Zweitens befindet sich mit autonomen Taxis eine Schlüsseltechnologie längst auf dem Vormarsch. Seit Jahren schon erprobt die Alphabet-Tochter Waymo in verschiedenen Städten der USA einen fahrerlosen Shuttle-Service und weitet diesen immer weiter aus. Mittlerweile haben die autonomen Fahrzeuge von Waymo über 20 Millionen Kilometer zurückgelegt und das Unternehmen ist so überzeugt von der Technologie, dass schon in den nächsten Monaten ein kommerzielles Angebot in New York an den Start gehen soll – der Taximetropole schlechthin.

Auch in Deutschland soll es ab 2022 den ersten autonom fahrenden Taxiservice geben. Das israelische Unternehmen Mobileye hat angekündigt, das Angebot in München zu starten. Dabei wird zunächst noch ein Sicherheitsfahrer mit an Bord sein, der im Notfall die Steuerung übernehmen kann. Laut Mobileye wird dieser aber nach wenigen Monaten wegfallen. Dazu ist jedoch die Erlaubnis der Behörden nötig, noch fehlt dafür die gesetzliche Grundlage. Die soll aber laut der neuen Bundesregierung schnell auf den Weg gebracht werden.

Waymo und Mobileye sind nicht die einzigen Unternehmen mit autonomer Fahrtechnologie nahe an der Serienreife. Die US-Startups Cruise, Argo, Pony, Aurora und auch Uber haben enorme Summen an Wagniskapital erhalten und wollen endlich Gewinne sehen. Insgesamt sind über 50 Milliarden US-Dollar in die Firmen geflossen. Grund für die Euphorie der Geldgeber sind die enormen Gewinnspannen, die autonome Taxidienste erwirtschaften könnten.

Autonome Taxis sind Gewinnmaschinen

Die Kosten für den Transportkilometer eines Taxi liegen bei ungefähr zwei Euro, in manchen Ländern ist es auch mehr. Der Einsatz eines autonomen Shuttles kostet die Unternehmen aber nur rund 50 Cent, um die Gewinnschwelle zu erreichen. Darin enthalten sind schon die Anschaffungs- und Betriebskosten sowie der Support durch die Fernüberwachung, die immer noch von Menschen durchgeführt wird. Autonome Shuttles können also problemlos die Transportkosten halbieren und dabei sehr viel Geld verdienen.

Wenn die Kosten für eine kurze Taxifahrt kaum mehr die des ÖPNV überschreiten, dürften die Kunden nicht auf sich warten lassen. Vor allem in Städten, in denen der Nahverkehr bisher nur schlecht ausgebaut war und Taxis die Transportlücke geschlossen haben, werden autonome Shuttle schnell Anklang finden. Dazu kommt, dass sie in der Lage sind, den ÖPNV in den Randgebieten komplett abzulösen oder gar nicht erst notwendig zu machen. Auch deshalb setzen Ridehailing-Anbieter wie Moia langfristig auf das autonome Fahren.

Für die traditionelle Taxibranche sind das schlechte Nachrichten. Sie wird den Preiskampf nicht standhalten können. Zwar werden die Verbände weiterhin versuchen, die Zulassung der autonomen Shuttles zu verhindern. Die Erfolgsaussichten sind angesichts der politischen Veränderungen in Deutschland aber fraglich. Auch können die Unternehmen nicht einfach selbst auf autonome Shuttles setzen. Um die Fahrzeuge sicher einsetzen zu können, wird ein riesiges Backend bestehend aus Hard- und Software benötigt. Die Kosten dafür kann ein kleiner Taxibetrieb kaum stemmen.

Wann die Veränderung kommt, ist dabei die andere Frage. Deutschland ist nicht gerade bekannt dafür, neue Technologien mit offenen Armen zu empfangen. Doch schon jetzt ist klar, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis man die autonomen Shuttles flächendeckend auch in hierzulande sehen wird. Ob das nun fünf Jahre oder zehn Jahre dauern wird, ist dabei nebensächlich. Die klassischen Taxis werden zunehmend verschwinden.

Don Dahlmann ist seit über 25 Jahren Journalist und seit über zehn Jahren in der Automobilbranche unterwegs. Jeden Montag lest Ihr hier seine Kolumne „Drehmoment“, die einen kritischen Blick auf die Mobility-Branche wirft.

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