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Vakzine gegen Varianten: Infizierung oder Immunisierung

·Lesedauer: 5 Min.

(Bloomberg) -- Wissenschaftler sehen in den nächsten drei bis sechs Monaten wenig Chance auf Licht am Ende des Covid-19-Tunnels. Statt dessen droht zunächst mehr vom selben: Lokale Ausbrüche werden Schulen schließen. Geimpfte Pflegeheimbewohner werden sich erneut vor Ansteckung fürchten müssen. Arbeitnehmer werden das Risiko für die Rückkehr ins Büro abwägen. Krankenhäuser werden erneut an ihre Grenzen stoßen.

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Experten sind sich einig: Fast jeder wird entweder infiziert oder geimpft sein, womöglich beides, bevor die Pandemie zuende geht. Einige werden sich mehr als einmal infizieren. Neue Wellen der Pandemie und neue Varianten sowie der Kampf um die Impfung werden nicht enden, bevor das Coronavirus uns allen seinen Stempel aufgedrückt hat.

Die derzeit überall auf der Welt ansteigenden Infektionszahlen werden bald zurückgehen, und das möglicherweise sehr deutlich, sagt Michael Osterholm, Direktor des Center for Infectious Disease Research and Policy an der University of Minnesota und Berater von US-Präsident Joe Biden. Doch als nächstes erwartet er einen neuen Anstieg der Zahlen im Herbst und Winter.

Mit Milliarden Ungeimpften auf der ganzen Welt dürften in den kommenden Monaten erneuute Ausbrüche in Klassenzimmern, im ÖPNV und am Arbeitsplatz folgen. Und selbst wenn die Impfraten steigen, wird es weiter Menschen geben, die anfällig für das Virus sind: Neugeborene, Menschen, die nicht geimpft werden können oder wollen und diejenigen, die sich trotz Impfung infizieren.

Die nächsten Monate werden hart. Eine wesentliche Gefahr besteht darin, dass impfstoffresistente Varianten entstehen. “Wir werden Berge und Täler sehen, zumindest in den nächsten paar Jahren, während weitere Impfstoffe entwickelt werden”, sagt Osterholm. “Wieviel Zeit dazwischen vergeht, wissen wir nicht. Alles was ich sagen kann ist, dass dieser Coronavirus ein Waldbrand ist, der nicht aufhören wird, bis er alles menschliche Holz gefunden hat, das er verbrennen kann.”

Vergleich mit anderen Pandemien

Die fünf gut dokumentierten Influenza-Pandemien der letzten 130 Jahre bieten eine Blaupause dafür, wie sich Covid entwickeln könnte, so Lone Simonsen, Epidemiologin von der Universität Roskilde in Dänemark. Der bisher längste globale Ausbruch dauerte fünf Jahre. Meistens gab es zwei bis vier Infektionswellen über durchschnittlich zwei oder drei Jahre. Covid entwickelt sich analog zu den schwereren Pandemien.

Das SARS-CoV-2 Virus könnte jedoch auch einen anderen Pfad einschlagen - immerhin ist es ein anderer, neuartigen und womöglich leichter übertragbarer Erreger. Mit mehr als 4,6 Millionen Todesopfern bislang ist es bereits mehr als doppelt so tödlich wie jeder Ausbruch seit der Spanischen Grippe 1918.

Trotz brutaler anfänglicher Wellen und relativ hoher Impfraten beklagen Länder wie die USA, Großbritannien, Russland und Israel inzwischen wieder Neuinfektionen nahe den Rekordniveaus. Impfungen mindern zwar die Zahlen schwerer Verläufe und Todesfälle, aber das Virus befällt junge Menschen und Ungeimpfte, was zu steigenden Raten schwerer Erkrankungen in diesen Gruppen führt.

Nationen, in denen wenig geimpft wurde – darunter Malaysia, Mexiko, Iran und Australien – erleben ihre bislang schlimmsten Ausbrüche, angeheizt durch die ansteckende Delta-Variante. Da sich das Virus in weiten Teilen der Welt immer noch unkontrolliert ausbreitet, könnte eine weitere neue Mutation entstehen.

Die Geschichte zeigt, dass der weit verbreitete Glaube, dass Viren mit der Zeit automatisch milder werden – um zu vermeiden, dass sie die Population ihrer Wirte vollständig auslöschen – falsch ist, meint Simonsen. “Pandemien können im Verlauf tatsächlich tödlicher werden, da sich das Virus an seinen neuen Wirt anpasst, sagt die Medizinerin.

Zu Beginn des Covid-Ausbruchs konnte man hoffen, dass eine Impfung langfristigen Schutz bieten würden. Inzwischen weiß man, dass Covid wohl wie eine Grippe werden wird, was regelmäßige Auffrischimpfungen erfordern könnte.

Einige Forscher sagen, das Virus sei kurz davor, vollständig resistent gegen die erste Generation von Impfstoffen zu werden. Eine noch unveröffentlichte Studie aus Japan legt nahe, dass bereits potenziell gefährliche Mutationen der Delta-Variante in den entsprechenden globalen Datenbanken erfasst werden. Experten wie Simonsen hoffen derweil, dass es nicht so weit kommt.

Außerdem könnten in den kommenden Monate neuartige Influenzaviren auftreten, oder ein anderes Coronavirus schafft den Sprung vom Tier zum Menschen.

Klar scheint, dass die Pandemie in sechs Monaten nicht vorbei sein wird. Experten sind sich einig, dass der aktuelle Ausbruch unter Kontrolle sein dürfte, sobald die meisten Menschen – vielleicht 90% bis 95% der Weltbevölkerung – ein gewisses Maß an Immunität haben, entweder durch eine Impfung oder einer überstandene Infektion. Der Schlüssel dazu sollen Impfungen sein.

“Ohne Impfung ist man leichte Beute, denn das Virus wird sich diesen Herbst und Winter weit verbreiten und fast jeden treffen”, sagt Simonsen.

Mehr als 5,66 Milliarden Impfdosen wurden bislang laut dem Bloomberg-Impfstoff-Tracker weltweit verabreicht. Aber die hohen Impfquoten in Europa, Nordamerika und China täuschen hinweg über das Scheitern anderswo: In den meisten Ländern Afrikas reicht der Impfstoff nicht einmal für 5% der Bevölkerung. In bevölkerungsreichsten Land der Welt Indien reicht er nur für etwa 26%.

Derzeit ist es unwahrscheinlich, dass die Welt das Virus vollständig ausrotten wird.

Herangehensweisen und Ergebnisse unterscheiden sich. Nationen wie Dänemark und Singapur, die es geschafft haben, Fallzahlen relativ niedrig zu halten, bewegen sich in Richtung weniger Einschränkungen. Andere, wie die USA und Großbritannien, öffnen wieder, obwohl sich die Infektionszahlen in der Nähe von Rekordhochs halten. China, Hongkong und Neuseeland versuchen, durch strenge Maßnahmen das Virus lokal zu beseitigen.

Wahrscheinlich bleiben die Folgen der Pandemie noch über Jahre sichtbar. Die nächsten Monaten dürfte weiter ganz in ihrem Zeichen stehen. “Wir müssen mit offenen Augen und sehr viel Demut an die Sache herangehen”, so Osterholm. “Wer denkt, dass wir es in den nächsten Tagen oder Monaten geschafft haben, irrt sich gewaltig.”

Überschrift des Artikels im Original:Pandemic’s Next Six Months Will Pit Vaccines Against Variants

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