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Leichte Erholung am Arbeitsmarkt in den USA

Die USA erwarten einen deutlichen Anstieg der Arbeitslosenquote.

Die Corona-Krise hat in den USA zu Massenarbeitslosigkeit geführt. Es ist die schwerste Krise am Arbeitsmarkt seit vielen Jahrzehnten. Doch nun gibt es Hoffnung. Präsident Trump spricht von einem Durchbruch.

Washington (dpa) - Nach dem dramatischen Einbruch der US-Wirtschaft wegen der Coronavirus-Pandemie gibt es erstmals wieder einen Hoffnungsschimmer.

Die Arbeitslosenquote ist von 14,7 Prozent im Vormonat auf 13,3 Prozent im Mai gesunken, wie die US-Regierung am Freitag mitteilte. Die Zahl der Beschäftigten außerhalb der Landwirtschaft stieg demnach um 2,5 Millionen an. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit kam überraschend: Die meisten Analysten hatten mit einem Anstieg auf etwa 20 Prozent gerechnet. Der New Yorker Leitindex Dow Jones stieg am Vormittag (Ortszeit) zeitweise um mehr als drei Prozent auf gut 27.000 Punkte.

«Die Zahlen sind unglaublich», sagte Präsident Donald Trump im Garten des Weißen Hauses vor Journalisten. «Das ist ein großer Schritt für unser Comeback», sagte er. Die Lage am Arbeitsmarkt habe sich deutlich verbessert, obwohl es in vielen Bundesstaaten immer noch strenge Corona-Auflagen gebe. Die Wirtschaft werde schon bald wie «eine Rakete» wachsen und wieder die «tollste» der Welt sein, versprach Trump, der sich im November um eine zweite Amtszeit bewirbt. Die Corona-Krise sei mehr «wie ein Hurrikan» gewesen- zerstörerisch, aber man könne sich rasch davon erholen, sagte Trump.

Die Arbeitslosenquote im Mai war aber immer noch auf dem höchsten Stand seit Jahrzehnten und die Pandemie ist längst nicht ausgestanden. Experten befürchten zudem, dass die Arbeitslosigkeit selbst Ende nächsten Jahres noch knapp unterhalb der Marke von 10 Prozent liegen könnte. Im Februar hatte die US-Arbeitslosenquote noch bei 3,5 Prozent gelegen, dem niedrigsten Stand seit Jahrzehnten.

Im Mai wurde zudem erneut eine große Zahl Angestellter schlicht als «abwesend» vom Arbeitsplatz aus anderen Gründen kategorisiert, also weder als beschäftigt noch als arbeitslos. Falls diese als arbeitslos gezählt würden, läge die Arbeitslosenquote über 16 Prozent, hieß es.

Der Arbeitsmarkt in den USA ist flexibler als zum Beispiel in Deutschland: Arbeitnehmer können viel schneller entlassen werden, es kommt aber auch viel schneller wieder zu Neueinstellungen. Starke Neueinstellungen vermeldeten im Mai vor allem die Bereiche Handel, Bildung, Dienstleistungen und der Gesundheitssektor.

Seit März hatten in den USA mehr als 42 Millionen Menschen mindestens zeitweise ihren Job verloren - so viele wie nie zuvor in solch kurzer Zeit. Infolge der graduellen Lockerung der Ausgangsbeschränkungen in den meisten Bundesstaaten waren die Zahlen der wöchentlichen Neuanträge auf Arbeitslosenhilfe zuletzt zurückgegangen. Viele Geschäfte, Fabriken und Restaurants dürfen in den USA inzwischen wieder unter Auflagen öffnen.

Die neuen Arbeitsmarktdaten zeigten, dass «Wiedereinstellungen früher und stärker angefangen haben» als die Zahl der Erstanträge zuletzt suggerierte, schrieb Analyst Michael Pearce von der Beratung Capital Economics. «Die schneller als erwartete Wende am Arbeitsmarkt wird Hoffnungen nähren, dass das Virus nicht die gleichen dauerhaften Wunden am Arbeitsmarkt hinterlässt wie normale typische Rezessionen», schrieb er.

Besonders betroffen von den jüngsten Entlassungen waren Angehörige von Minderheiten wie Latinos und Afroamerikaner, was die jüngsten Proteste nach dem Tod von George Floyd bei einem Polizeieinsatz zusätzlich angeheizt haben dürfte. Die Arbeitslosenquote für Schwarze lag im Mai nun bei 16,8 Prozent, jene für Weiße bei 12,4 Prozent.

Der US-Kongress hat bislang Corona-Konjunkturpakete in Höhe von rund 2,7 Billionen US-Dollar beschlossen, was gut zehn Prozent der jährlichen US-Wirtschaftsleistung entspricht. Auch die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) hat Programme aufgelegt, um einen Absturz von Wirtschaft und Finanzmärkten zu verhindern. Nach Einschätzung von Fed-Chef Jerome Powell hat die Corona-Pandemie die US-Wirtschaft in die schlimmste Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg gestürzt.

In den USA gibt es Daten der Universität Johns Hopkins zufolge bislang knapp 1,9 Millionen bekannte Corona-Infektionen und mehr als 108 000 Todesfälle. Das entspricht fast einem Drittel der weltweit bestätigten Infektionen und gut einem Viertel der Todesfälle.