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USA und China buhlen um Verbündete in Asien

·Lesedauer: 4 Min.

Auf einer Asienreise wirbt US-Außenminister Pompeo um Unterstützung für Trumps Anti-China-Kurs. Peking lockt die Länder der Region unterdessen mit großzügigen Angeboten.

Inmitten eines schwelenden Konflikts mit China bekommt Indien militärische Unterstützung aus Amerika. Bei einem Besuch von US-Außenminister Mike Pompeo und Verteidigungsminister Mark Esper in Neu-Delhi unterzeichneten die beiden Staaten am Dienstag ein Abkommen, das die Schlagkraft von Indiens Raketensystemen erheblich erhöhen soll.

Die Vereinbarung sieht vor, dass die indische Armee auf hochpräzise Satellitendaten der Amerikaner in Echtzeit zugreifen kann. Die Regierung in Neu-Delhi erhofft sich dadurch einen Vorteil im Grenzstreit mit China, der in diesem Jahr mehrfach eskalierte.

Pompeo gab sich als hilfsbereiter Partner: Es gehe darum, gemeinsam mit Indien „den Bedrohungen für Sicherheit und Freiheit durch Chinas Kommunistische Partei“ zu begegnen, sagte er bei einem Treffen mit seinem indischen Amtskollegen.

Für den obersten US-Diplomaten ist Indien die erste Station auf einer Asien-Tour, die ihn auch nach Sri Lanka, auf die Malediven und nach Indonesien führen wird. Mit der Vier-Staaten-Tour will Pompeo um Verbündete im geopolitischen Wettstreit mit China buhlen.

Doch die Regierung in Peking will die Bemühungen der Amerikaner nicht wehrlos hinnehmen: Wie die Amerikaner versucht sie, die Staaten Süd- und Südostasiens enger an sich zu binden – mit einer Charmeoffensive und großzügigen Angeboten.

Bei den umworbenen Ländern zahlt sich das wachsende Interesse der Weltmächte schon jetzt aus. Indonesien bekam von den USA zuletzt 1000 Beatmungsmaschinen im Kampf gegen Covid-19 zur Verfügung gestellt, betonten die Amerikaner vor Pompeos für Donnerstag geplanter Ankunft in der Hauptstadt Jakarta. China versprach Indonesien unterdessen den Zugang zu Millionen von Impfdosen gegen das Coronavirus. Bereits im November will Präsident Joko Widodo Mitarbeiter der Gesundheitsdienste mit dem chinesischen Serum impfen lassen.

Gezerre um Einfluss in der Region nimmt zu

Auch in anderen Ländern der Region verstärken Amerika und China ihren Wettbewerb um lokale Partner. Vergangenen Monat brachte Pompeo eine Kooperationsvereinbarung mit den Anrainerstaaten des Flusses Mekong, zu denen unter anderem Kambodscha, Thailand und Vietnam gehören, auf den Weg. Für Entwicklungsprojekte wollen die USA dort mindestens 150 Millionen Dollar zusätzlich ausgeben, hieß es.

Die Antwort aus China ließ nicht lange auf sich warten. Auf einer Tour von Kambodscha über Laos nach Malaysia und Thailand versprach Chinas Außenminister Wang Yi Mitte Oktober ebenfalls neue Entwicklungshilfe – etwa 150 Millionen Dollar, die nach Kambodscha fließen sollen. Das Land, das seit Jahren von chinesischen Investitionen und Hilfsgeldern abhängig ist, konnte sich bei Wangs Besuch auch noch über den Abschluss eines Freihandelsabkommens mit China freuen – Kambodschas erster bilateraler Freihandelsvertrag überhaupt.

Das Gezerre um Einfluss in der Region südlich von China nahm im Juli zu, nachdem Pompeo China öffentlich für sein Verhalten im Südchinesischen Meer attackiert hatte. Viele Staaten in Südostasien befinden sich mit China im Streit um Gebietsansprüche in dem Gewässer, durch das eine der wichtigsten Handelsrouten der Welt führt. Pompeo nannte Chinas Vorgehen „völlig gesetzeswidrig“. Chinas Kommunistische Partei bezeichnete er als die „größte Bedrohung“.

Auch vor der Indonesienreise betonten amerikanische Regierungsvertreter die Gefahren, die ihrer Meinung nach von China für die Region ausgehen. Die US-Regierung unterstütze Länder wie Indonesien dabei, sich gegen China zur Wehr zu setzen, sagte der für Ostasien zuständige Beamte im US-Außenministerium, David R. Stilwell.

Doch obwohl mehrere Länder in der Region Konflikte mit China haben, gelingt es den Amerikanern nicht, mit ihrer Verteufelung Pekings zu überzeugen. „Man findet in Südostasien kein einziges Land, das sich hinter die Chinapolitik von Donald Trump stellen möchte“, kommentierte Aaron Connelly, Südostasien-Experte der Denkfabrik International Institute for Strategic Studies.

Wegen Chinas enormer wirtschaftlicher Bedeutung für die Region wagt es abgesehen von Indien keine Regierung in der Region, sich ernsthaft mit Peking anzulegen. Die Länder hoffen vielmehr auf noch intensivere Geschäfte mit der Volksrepublik – etwa durch die gigantische Freihandelszone RCEP, die in den kommenden Wochen unterschriftsreif sein soll.

Außen vor stehen dabei nicht nur die USA, sondern auch die Europäer. In Ländern wie Thailand und Kambodscha verknüpft die EU Handelsgespräche mit Menschenrechtsfragen – und konnte sich dabei zuletzt in den autoritär regierten Ländern nicht durchsetzen.

Zudem steht das Engagement in der Region bei den EU-Staaten insgesamt nicht weit oben auf der Agenda. Neue Indo-Pazifik-Leitlinien der Bundesregierung seien zwar ein erster Schritt in die richtige Richtung, sagt Manisha Reuter, Asien-Expertin des European Council on Foreign Relations. Es brauche aber wesentlich mehr Aufmerksamkeit gegenüber den asiatischen Partnern als bisher. „Der übermäßige Fokus auf China schadet den langfristigen europäischen Interessen.“