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US-Regulierer kritisieren mangelnden Fortschritt bei der Deutschen Bank

Die Fed in New York verweist auf anhaltende Schwächen bei der Geldwäschebekämpfung sowie im Risikomanagement. Das wird bei der Hauptversammlung der Bank neue Fragen aufwerfen.

Die Bank erhielt erneut einen Rüffel von US-Aufsehern, heißt es in Finanzkreisen. Foto: dpa

Die angeschlagenen Beziehungen zu den Regulierungsbehörden zu verbessern, hat für Christiana Riley oberste Priorität. Ein Drittel ihrer Zeit ist dafür reserviert, erklärte die Amerikachefin der Deutschen Bank im Dezember im Interview mit dem Handelsblatt. „Wenn das nicht erfolgreich ist, dann ist die Energie für andere Dinge auch verschwendet“, stellte sie klar.
Bislang jedoch hat sich offenbar wenig bewegt. Die Bank erhielt erneut einen Rüffel von US-Aufsehern, heißt es in Finanzkreisen. So bemängelt die regionale Notenbank in New York weiterhin große Defizite, unter anderem bei der Geldwäschebekämpfung und im Risikomanagement. Der entsprechender Bericht ist Ende März an CEO Christian Sewing, Riley und Edward Kangas zugestellt worden, der das Kontrollgremium der Bank in den USA leitet und bezieht sich auf den Zeitraum von 2019 und Anfang 2020. In der Führungsetage der Bank werde diese Warnung der US-Behörde sehr ernst genommen, heißt es in Finanzkreisen. Sie bestätigten damit einen Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ).Weder die Bank noch die Fed wollten sich dazu äußern.

Die US-Notenbank führt neben den Stresstest eine weitere wichtige Prüfung durch, um die Stabilität der Banken zu bewerten. Er wird CAMELS genannt. Das steht für Capital Adequacy (also eine ausreichende Kapitalausstattung), Asset Quality, Management, Earnings (Gewinne) und Sensitivity to market risk (also Anfälligkeit für Marktrisiken). Dafür vergibt sie eine Note zwischen „1“ für sehr gute Banken und „5“ für sehr schlechte Institute. 2018 wurde bekannt, dass die Deutsche Bank von Note „3“ auf „4“ abgerutscht und damit automatisch auch auf der Liste der Problembanken der Einlagensicherung FDIC gelandet war. Dort werden Banken mit den zwei schlechtesten Bewertungen festgehalten.

Defizite im Kampf gegen Geldwäsche und Sanktionsverstöße

Seit dem hat sich offenbar nichts getan. Im neusten Test der Fed hat die Deutsche Bank erneut die Note „4“ erhalten. Die Regulierer kritisierten demnach vor allem Defizite, wenn es um den Kampf gegen Geldwäsche und Sanktionsverstöße geht. Zudem sorgt sich die Fed offenbar um das Liquiditäts- und das Risikomanagement der Bank, unter anderem wenn es um die Bewertung von Krediten für Gewerbeimmobilien geht. Die Deutsche Bank ist hier das führende Institut in New York und hat im wesentlichen dabei geholfen, das neue Viertel Hudson Yards in Manhattan zu finanzieren, das als Mischung aus Büros, Einzelhandel und moderne Wohnflächen konzipiert war. Im Zuge der Coronakrise werden Gewerbeimmobilien vor großen Veränderungen stehen, wie die Folgen jedoch genau aussehen werden, ist bislang nur schwer abzusehen.

Der kritische Bericht der US-Aufsicht zeigt, wie fragil die von der Bank reklamierten Verbesserungen bei den Kontrollsystemen sind. Einerseits hatte die Bank im vergangenen Jahr erstmals beide Teile des Stresstests der US-Notenbank Federal Reserve bestanden. Doch die schlechte Note im aktuellen Bericht zeigt, dass dies der Bank allenfalls knapp gelungen ist. Schon im vergangenen Sommer, als das Ergebnis bekannt wurde, gab es Stimmen, die davor warnten, das bedeute nicht zwangsläufig, dass das Institut dieses Ergebnis ohne Weiteres wiederholen werde.

Sewing will engen Austausch mit Regulatoren

Auch Vorstandschef Sewing hatte in seiner Rede zur Hauptversammlung angedeutet, dass die Bank sich auf diesem Gebiet weiter verbessern muss. „Sind wir bei den Kontrollen bereits am Ziel? Die Antwort lautet nein“, steht in seiner vorab veröffentlichten Rede für die Hauptversammlung. „Wir müssen uns hier weiter verbessern, müssen weiter in unsere Prozesse investieren – und das im engen Austausch mit unseren Regulatoren“, sagte er. Das sei mindestens ebenso wichtig, wie die Umsetzung des Rests der Strategie. Weitere Investitionen in Technologie und Kontrollen zählen folgerichtig zu den fünf Top-Prioritäten des Instituts.

Dem Geschäftsbericht zufolge hat die Deutsche Bank auch noch eine weitere Baustelle in den USA, um die sich US-Chefin Riley kümmern muss: Im Dezember 2018 hatten FED und FDIC eine Schwachstelle im Abwicklungsplan des Instituts für das US-Geschäft (US Resolution Plan) entdeckt und bemängelt. Darin ging es um bestimmte Governance-Fragen. Die Bank muss bis 1. Juli 2020 dem Federal Reserve Board und der FDIC erläutern, wie sie den Mangel behoben hat und den aktuellen Stand über die Verbesserung der Abwicklungsfähigkeiten liefern.
Auch in ihrem Bericht zum ersten Quartal hatte die Bank bei den Kosten betont, sie werde ihren „Fokus auf die Einhaltung aufsichtsrechtlicher Vorschriften, die Verbesserung des Know-your-Client (KYC)- und Kundenannahmeprozesses sowie auf Systemstabilität, Kontrollen und Verhaltensweisen beibehalten“. Unter KYC-Prozessen versteht man genau die Kontrollen, mit denen Geldwäsche bekämpft werden soll. Die Hauptversammlung der Deutschen Bank wird am 20. Mai online stattfinden.