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US-Notenbank pumpt Billionen in die Finanzmärkte

Der Schritt sei nötig, um Liquidität im Markt für Staatsanleihen zu sichern. Doch die Aktienmärkte hat das nicht beruhigt. Der Fokus liegt weiter auf der Politik.

Die US-Notenbank Federal Reserve hat am Donnerstag erneut außerplanmäßig eingegriffen, um die Märkte zu stabilisieren. Die Fed werde Billionen von Dollar in den Markt für US-Staatsanleihen pumpen, teilte der regionale Ableger in New York mit, der im Zentralbankensystem Marktaktivitäten ausführt.

So wird die Fed unter anderem ihr Engagement im Repo-Markt erneut deutlich ausweiten und am Donnerstag und Freitag Kredite mit dreimonatiger Laufzeit im Wert von jeweils bis zu 500 Milliarden Dollar anbieten. Am Freitag wird es zusätzlich Kredite mit einmonatiger Laufzeit geben, ebenfalls in einem Wert von bis zu 500 Milliarden Dollar. Beide Operationen sollen dann bis Ende des Monats einmal wöchentlich stattfinden, zusätzlich zu den bestehenden Maßnahmen.

Es ist bereits der dritte Eingriff in den Repo-Markt in den vergangenen vier Handelstagen. Die Notenbank verwies auf „extrem ungewöhnliche Störungen“ im Zusammenhang mit dem Coronavirus, die es nötig machten, Liquidität bereitzustellen, so die Fed. Auf dem Repo-Markt verkaufen Banken und andere Marktteilnehmer Staatspapiere über Nacht und kaufen sie am nächsten Tag zurück. Damit besorgen sie sich Kurzfristkredite, deren Zins über einen entsprechend höheren Rückkaufpreis abgegolten wird.

Zudem soll das Programm zum Aufkauf von Staatsanleihen leicht verändert werden. Die Fed kauft seit Ende 2019 Staatsanleihen im Wert von 60 Milliarden Dollar im Monat, um die Reserven im US-Bankensystem zu erhöhen, und will künftig eine Reihe von Anleihen mit längerer Laufzeit kaufen, um Liquiditätsengpässen vorzubeugen.

Fed-Chef Jerome Powell hatte bereits vor Wochen klar gemacht, dass die Fed bereit sei, einzugreifen, um ein reibungsloses Geschehen auf den Märkten sicherzustellen. Anfang März hatte sie bereits in einer außerordentlichen Sitzung die Zinsen um 0,5 Prozentpunkte gesenkt. Der Effekt war damals schnell verpufft, ähnlich wie die Ankündigung am Donnerstag, die den Aktienmärkten nur ein paar Minuten lang auftrieb gab.

„Es ist gut, dass die Fed das System mit großen Mengen an Liquidität versorgt“, sagt Kathryn Judge, Juraprofessorin an der New Yorker Columbia University. Das würde natürlich nicht das Virus eindämmen, doch liege genau im Kompetenzbereich der Notenbank. Wie wirksam solche Maßnahmen letztendlich sein würden, sei ohnehin schwer zu beziffern, weil die Märkte derzeit von vielen verschiedenen Faktoren beeinflusst würden.
Der Markt für US-Staatsanleihen ist der größte Anleihemarkt der Welt und gilt als Fundament für andere Finanzmärkte. In den vergangenen Tagen haben sich die Handelsbedingungen jedoch zunehmend verschlechtert, wie Banken und Investoren berichteten, was auch Aktienmärkte verunsichert hat.

„Wenn der Markt für US-Staatsanleihen im großen Stil mit Illiquidität kämpfen muss, dann wird es auch für andere Märkte schwierig, effektive Preise zu finden, was zu Liquidationen führen kann“, geben Analysten der Bank of America zu bedenken.
Die Panikverkäufe an den Märkten gingen unterdessen in den USA und in Europa weiter. Der Dow Jones und der breiter gefasste S & P 500 schlossen knapp zehn Prozent im Minus. Der Dax verlor zwölf Prozent. Es war der schlechteste Tag für Aktien seit dem Schwarzen Montag 1987. Auch die Europäische Zentralbank hatte zuvor noch versucht, die Märkte mit ihrem eigenen Maßnahmenpaket zu beruhigen.
Anleger pochen weiter auf die US-Regierung, umfassende Hilfspakete bereitzustellen und die medizinische Versorgung zu verbessern. Die Ankündigungen von US-Präsident Trump vom Mittwochabend hätten die Lage eigentlich beruhigen sollen, haben ihr Ziel jedoch ebenfalls verfehlt.