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Bayer erwirkt Strafminderung - aber keinen Freispruch in Glyphosat-Fall in USA

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Bayer-Logo am Hauptsitz in Leverkusen
Bayer-Logo am Hauptsitz in Leverkusen

In den Rechtsstreitigkeiten rund um die Bayer-Tochter Monsanto in den USA bleibt es unruhig: Bayer prüft eine Revision, nachdem ein Berufungsgericht in Kalifornien den Zusammenhang zwischen dem glyphosathaltigen Unkrautvernichter Roundup und der Krebserkrankung eines Klägers am Montag bestätigte. Zumindest einen Teilerfolg konnte der Leverkusener Agrar- und Chemiekonzern in dem Verfahren aber verbuchen: Die ursprünglich verhängte Strafe wurde deutlich gesenkt.

Das Berufungsgericht entschied am Montag, dass Monsanto dem an Krebs erkrankten Ex-Hausmeister Dewayne Johnson nur noch umgerechnet 17,8 Millionen Euro Schadenersatz zahlen muss. Ein Geschworenengericht in San Francisco hatte die Bayer-Tochter 2018 zunächst zur Zahlung von 289 Millionen Dollar (251 Millionen Euro) verurteilt, eine Richterin reduzierte den Betrag später auf 78,5 Millionen Dollar. Bayer beantragte im April 2019 vor dem Berufungsgericht die Aufhebung des Jury-Urteils.

Das Gericht hielt die Verurteilung nun aber aufrecht und bestätigte damit die Einschätzung der Jury, wonach Roundup "erheblich" für die Krebserkrankung des Klägers mitverantwortlich sei. Bayer vertritt nach dem Urteil weiterhin die Auffassung, "dass sowohl das Jury-Urteil als auch die Schadenersatzzahlungen nicht mit den im Verfahren vorgebrachten Beweisen und der Rechtslage vereinbar sind".

Die Reduzierung des Schadenersatzes sei zwar "ein Schritt in die richtige Richtung", doch Bayer stehe "weiterhin fest hinter der Sicherheit und dem Nutzen von Roundup", erklärte der Konzern weiter. Monsanto werde seine rechtlichen Optionen prüfen, einschließlich einer Revision zum Obersten Gericht von Kalifornien.

Bayer sieht sich seit der Mega-Übernahme des US-Agrarkonzerns Monsanto im Jahr 2018 in den USA großem Druck ausgesetzt: Monsantos Unkrautvernichter Roundup steht im Zentrum mehrerer Gerichtsverfahren, zahlreiche Kläger machen das glyphosathaltige Mittel für ihre Krebserkrankungen verantwortlich. Drei Mal wurde Monsanto in den USA bislang wegen vermeintlicher Gesundheitsschädigung durch Roundup verurteilt. Seither gelingt es Bayer nicht, die Urteile annullieren zu lassen.

Parallel strebt der Konzern die Beilegung von US-Sammelklagen wegen Roundup an und handelte im Juni einen Vergleich aus. Nach Angaben von Bayer werden mit der Einigung rund drei Viertel der aktuellen Roundup-Verfahren mit insgesamt etwa 125.000 eingereichten und noch nicht eingereichten Klagen "zum Abschluss" gebracht. Demnach sieht der Vergleich zur Beendigung der laufenden sowie möglicher künftiger Fälle Zahlungen von insgesamt bis zu 10,9 Milliarden Dollar vor.

Allerdings steht der Vergleich auf der Kippe. Ein Bundesrichter in Kalifornien erklärte vor rund zwei Wochen, er sei "skeptisch" hinsichtlich der "Angemessenheit und Fairness" der Vereinbarung.