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US-Daten schwächen die Gemeinschaftswährung

Nach deutlichen Kursanstiegen hat der Euro am Nachmittag wieder nachgegeben. Als Ursache nannten Experten die Arbeitsmarktdaten aus den USA.

Deutlich besser als erwartet ausgefallene Arbeitsmarktdaten aus den USA haben der jüngsten Kursrally des Euro einen Dämpfer verpasst. Die Gemeinschaftswährung fiel am Freitag zwischenzeitlich wieder unter die am Vortag überwundene Marke von 1,13 Dollar und notierte zuletzt bei 1,1311 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs auf 1,1330 (Donnerstag: 1,1250) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 0,8826 (0,8889) Euro.

Mit 1,1384 Dollar hatte der Euro im frühen Handel zeitweise den höchsten Stand seit März erreicht. Zunächst hatte die billionenschweren Finanzhilfen der Europäischen Zentralbank (EZB) dem Euro auf die Beine geholfen. Zusätzlicher Rückenwind komme vom geplanten Konjunkturpaket der Europäischen Kommission, sagt Zach Pandl, Co-Devisenchef der Bank Goldman Sachs. „Dies reduziert die Risiken für den wirtschaftlichen Ausblick der Euro-Zone.“

Für Commerzbank-Analyst Ulrich Leuchtmann ist das der Grund, warum der Euro trotz der überraschend hohen Aufstockung der EZB-Wertpapierkäufe auf 1,35 Billionen Euro weiter zugelegt und ein Drei-Monats-Hoch von 1,1383 Dollar erreicht hat. „Wenn eine expansive geldpolitische Maßnahme geeignet ist, einen realwirtschaftlichen Schock hinreichend abzufedern, bereitet sie prinzipiell den Boden dafür, dass in der Zukunft die Geldpolitik wieder 'normaler' ausgerichtet werden kann“, sagte Leuchtmann. Üblicherweise belastet eine Lockerung der Geldpolitik den Wechselkurs, weil die Zinsdifferenz zu anderen Währungen wächst oder mehr von der betroffenen Valuta in den Markt gedrückt wird.

Auch wenn es nach der jüngsten Rally zu Kursrücksetzern kommen könne, sei der aktuelle Kurs der Gemeinschaftswährung nicht zu hoch, fügte Leuchtmann hinzu. Außerdem habe die US-Notenbank Fed die Zinsen ebenfalls auf faktisch null Prozent gesenkt und die Geldschleusen bis zum Anschlag aufgedreht, so dass aus dieser Sicht auch nichts für eine anhaltende Dollar-Stärke spreche.

Gewinnmitnahmen drücken den Kurs

Schon am Freitagvormittag setzen Gewinnmitnahmen ein, die sich nach Bekanntgabe der US-Jobdaten beschleunigten. Die Entwicklung des Arbeitsmarkts in den USA im Mai überrascht extrem positiv. Trotz Corona-Krise und entgegen den Markterwartungen fiel die Arbeitslosigkeit in der größten Volkswirtschaft der Welt. Zudem bauten die Unternehmen wieder Beschäftigung auf, nachdem sie im Vormonat massiv Stellen gestrichen hatten.

„Die Nachrichten sind erneut historisch bemerkenswert - weil völlig unerwartet“, schrieb Analyst Bernd Krampen von der Landesbank NordLB. Erst im Juni habe man damit gerechnet. Die am Mittwoch von dem Arbeitsmarktdienstleister ADP veröffentlichten Daten zur Beschäftigungsentwicklung in der Privatwirtschaft hätten zwar schon auf eine positive Überraschung hingedeutet - doch nicht in diesem Umfang. Vermutlich spielten Erhebungsprobleme auch eine gewisse Rolle, die aber noch schwer quantifizierbar seien.

Die neuen Arbeitsmarktdaten zeigten, dass Wiedereinstellungen früher und stärker angefangen haben als die Zahl der wöchentlichen Erstanträge zuletzt suggerierte, kommentierte der Experte Michael Pearce vom britischen Analysehaus Capital Economics. „Die schneller als erwartete Wende am Arbeitsmarkt wird Hoffnungen nähren, dass das Virus nicht die gleichen dauerhaften Wunden am Arbeitsmarkt hinterlässt wie normale typische Rezessionen.“

Am Vormittag waren die deutschen Auftragseingänge in der Industrie und die spanische Industrieproduktion zwar stärker als erwartet eingebrochen, hatten den Euro aber unter dem Strich kaum belastet.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,89448 (0,89685) britische Pfund, 123,77 (122,48) japanische Yen und 1,0866 (1,0786) Schweizer Franken fest. Die Feinunze Gold (31,1 Gramm) wurde am Nachmittag in London mit 1675 Dollar gehandelt. Das waren rund 39 Dollar weniger als am Vortag.