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US-Regierung bereitet Verteilung von Corona-Impfstoff vor Präsidentschaftswahl vor

Frankie TAGGART
·Lesedauer: 3 Min.
CDC-Chef Robert Redfield

US-Regierung bereitet Verteilung von Corona-Impfstoff vor Präsidentschaftswahl vor

CDC-Chef Robert Redfield

Die US-Regierung hat die Bundesstaaten aufgefordert, die Verteilung eines möglichen Corona-Impfstoffes noch vor der Präsidentschaftswahl vorzubereiten. Der Chef der Gesundheitsbehörde CDC, Robert Redfield, rief die Gouverneure in einem am Mittwoch bekanntgewordenen Schreiben auf, die Zulassung zum Aufbau von Impfstoff-Verteilzentren bis zum 1. November sicherzustellen.

Bis zu diesem Datum müssten die Zentren "vollständig einsatzfähig" sein, heißt es in dem Schreiben von Ende August. Dazu müssten womöglich Vorgaben für Geschäfts- und Baugenehmigungen für das Unternehmen McKesson, das einen künftigen Impfstoff im Land verteilen soll, gelockert werden. Die Präsidentschaftswahl, bei der US-Präsident Donald Trump auch wegen der Corona-Krise um seiner Wiederwahl fürchten muss, findet am 3. November statt.

Die normalen Fristen zur Genehmigung des Aufbaus solcher Impfstoff-Verteilzentren "stellen eine bedeutende Hürde für den Erfolg dieses dringenden Gesundheitsprogramms dar", schrieb Redfield. Die CDC fordere daher "dringend" die Unterstützung der Staaten bei der beschleunigten Zulassung.

Der Brief zeigt den Willen der Regierung von Trump, noch vor der Wahl einen Impfstoff zu genehmigen und mit der Ausgabe erster Dosen zu beginnen. Trump hat wiederholt die Hoffnung geäußert, dass ein Impfstoff zur Eindämmung der Pandemie bald zur Verfügung stehen könnte. 

In dem CDC-Schreiben an die Bundesstaaten heißt es, ein Impfstoff könne entweder mit einer normalen Zulassung oder einer Notfall-Verordnung genehmigt werden. Die US-Regierung werde den Impfstoff kaufen und kostenlos an die Verteilzentren ausgeben. Die ersten Impfstoff-Dosen sollten an Arbeiter in besonders wichtigen Berufen, Mitarbeiter der Sicherheitsbehörden, Senioren sowie Angehörige von besonders für das Virus anfälligen Bevölkerungsgruppen ausgegeben werden, berichtete die "New York Times".

Das Drängen der CDC auf den raschen Aufbau von Verteilzentren stieß auf Kritik. "Das bedeutet, dass bundesweite Massenimpfungen in 59 Tagen starten könnten. Ist es wahrscheinlich, dass irgendein Covid-19-Impfstoff in 59 Tagen die Sicherheits- und Wirksamkeitstests der Phase 3 abgeschlossen und eine vollständige Überprüfung durch die Wissenschaft und die Arzneimittelbehörde FDA durchlaufen haben wird?", schrieb die prominente Wissenschaftsjournalistin Laurie Garrett im Kurzmitteilungsdienst Twitter. 

Bisher seien noch nicht einmal alle Teilnehmer für Phase-3-Tests in den USA rekrutiert worden, schrieb Garrett. Das Drängen auf einen Abschluss des Zulassungsprozesses innerhalb von 59 Tagen sei gefährlich.

Experten warnen davor, einen Impfstoff ohne ausreichende wissenschaftliche Grundlage auf den Markt zu bringen. Zuletzt sorgte der Chef der US-Arzneimittelbehörde FDA, Stephen Hahn, mit der Aussage für Aufsehen, ein Impfstoff in den Vereinigten Staaten könne noch vor abschließenden Tests zugelassen werden.

Bereits zuvor hatte es Kritik an der FDA gegeben, nachdem sie im Eilverfahren die Behandlung von Covid-19 mit dem von Präsident Trump hochgelobten Malariamedikament Hydroxychloroquin zugelassen hatte - zwei Monate später musste die FDA die Genehmigung wegen schwerer Nebenwirkungen wieder zurücknehmen.

Mehrere westliche Unternehmen befinden sich bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs inzwischen in der dritten Phase, darunter der britisch-schwedische Pharmakonzern AstraZeneca und eine Allianz des US-Konzerns Pfizer mit der deutschen Firma BioNTech. Normalerweise vergehen zwischen der dritten Testphase und der Zulassung eines Impfstoffes Monate.

In Russland war ein Corona-Impfstoff bereits im August zugelassen worden - noch vor Abschluss der finalen Testphase. Westliche Wissenschaftler übten allerdings Kritik an der Entscheidung.

Trump ist für seinen Umgang mit der Corona-Pandemie scharf kritisiert worden. Der Republikaner liegt auch deswegen in Umfragen zur Präsidentschaftswahl hinter seinem Herausforderer Joe Biden von den oppositionellen Demokraten. 

Die USA sind gemessen an den absoluten Zahlen das am schwersten von der Corona-Krise betroffene Land der Welt. Seit Beginn der Pandemie wurden in den USA bereits mehr als sechs Millionen Infektionsfälle bestätigt, rund 185.000 Menschen starben an den Folgen einer Infektion.

gt/cp