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US-Börsen drehen vor Handelsschluss ins Plus

An der Wall Street geht ein sprunghafter Handelstag zu Ende. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte notierte im Handelsverlauf bis zu 2,7 Prozent im Minus, doch in der letzten Stunde vor Handelsschluss setzte an den US-Börsen eine Aufholjagd ein. Der Index schloss letztlich mit einem Plus von 1,1 Prozent auf 23.137 Zähler.

Der S & P 500 legte um 0,86 Prozent auf 2.488 Punkte zu, das war für den Index die stärkste Umkehrung innerhalb eines Handelstags seit acht Jahren. Der Nasdaq-Composite stieg 0,38 Prozent auf 6.579 Zähler. Nach den deutlichen Kursabschlägen vor Weihnachten dürfte es nun zu einer Bodenbildung kommen, sagte ein Anleger.

Bei den Einzelwerten lagen unter anderem die Aktien von Amazon im Fokus der Anleger. Die Anteilscheine des Onlinehändlers fielen zeitweise mehr als fünf Prozent. Aus dem Handel gingen sie dann aber mit einem moderaten Verlust von 0,6 Prozent. Zuvor war bekannt geworden, dass Indien – einer der weltweit am stärksten wachsenden Onlinemärkte – seine Gesetzgebung für ausländische Internethändler wie Amazon verschärft hat.

Die Papiere von Visa gewannen 1,4 Prozent. Der Kreditkartenanbieter will den britischen Finanzdienstleister Earthport übernehmen und bietet 30 Pence je Earthport-Aktie. Diese schloss in London mit einem Kursplus von fast 280 Prozent.

Die Aktie der Warenhauskette J.C. Penney ging mit einem Abschlag von 7,5 Prozent auf 0,97 Dollar weiter auf Talfahrt. Am Mittwoch war das Papier erstmals in der 40-jährigen Börsengeschichte des Unternehmens unter die Marke von einem Dollar gefallen. Die Kaufhauskette musste zuletzt hohe Rabatte gewähren, um sich gegen die Onlinekonkurrenz wie Amazon zu behaupten.


Noch am Mittwoch hatte der Dow-Jones-Index der Standardwerte einen neuen Rekord aufgestellt. Insgesamt legte der Leitindex bei seinem gestrigen Anstieg um fast 1.086 Zähler zu, so viele Punkte wie noch nie. Für alle drei Marktbarometer war es gestern der größte prozentuale Tagesgewinn seit dem 23. März 2009.

Trotzdem droht den US-Börsen der schwärzeste Dezember seit 1931. Vor allem die Furcht vor einer Wirtschaftskrise infolge des Handelsstreits mit China drückt auf die Stimmung. Zudem sorgte die Arbeitspause in einigen Behörden wegen des Streits über die von US-Präsident Donald Trump angestrebte Grenzmauer zu Mexiko für Verunsicherung.

Während des sogenannten Shutdowns in den USA will das Handelsministerium keine Konjunkturdaten veröffentlichen, wie das „Wall Street Journal“ berichtete. Betroffen sind etwa Daten zum Bruttoinlandsprodukt, zur Inflation und zum Handel. Das Arbeitsministerium will dem Zeitungsbericht zufolge dagegen Daten zur Beschäftigung veröffentlichen.

Derzeit gibt es eine große Verbindung zwischen den Kursen am US-Aktienmarkt und den Ölpreisen. Offenbar reagieren beide Kurse auf die Sorgen wegen einer Konjunkturabkühlung. So sind die Preise für die Nordseesorte Brent und die US-Sorte WTI parallel zu der gestrigen Hausse am Aktienmarkt ebenso deutlich gestiegen. Doch am heutigen Donnerstag kostete ein Barrel (159 Liter) Brent 53,61 Dollar und damit 86 Cent weniger als am Vortag. Der Preis für ein Barrel der US-Sorte WTI fiel um 70 Cent auf 45,52 Dollar.


Die US-Profianleger rüsten sich unterdessen für schwächere Börsenzeiten. Das Put/Call-Verhältnis der Chicagoer Terminbörse CBOE ist in die Höhe geschossen, die institutionellen Investoren sichern sich gegen fallende Kurse ab. Gleichzeitig reduzierten die US-Fondsmanager ihre Investitionsquote auf 31 Prozent (minus 14 Prozentpunkte).

Das Bulle/Bär-Verhältnis der US-Privatanleger zeigt mit minus 22 Prozent eine absolute Dominanz der Bären an. Der anhand von technischen Marktdaten berechnete „Angst-und-Gier-Index“ der US-Aktienmärkte ist auf einen Wert von fünf gefallen – und zeigt extreme Angst auf dem Börsenparkett an. „Ich kann mich nicht erinnern, jemals zuvor einen so niedrigen Wert gesehen zu haben“, sagt Stephan Heibel, Inhaber des Analysehauses Animusx. Solche extrem niedrigen Werte gelten eher als Kontraindikator, sodass es bald zu einer Gegenbewegung kommen sollte.

Kurz vor dem Jahresabschluss machten Europas Aktienanleger am Donnerstag ebenfalls Kasse. Der Dax sackte um 2,4 Prozent auf 10.381 Punkte ab und schloss damit so niedrig wie zuletzt im November 2016. Der Euro Stoxx 50 verlor 1,2 Prozent. „Die starken Schwankungen an der Wall Street verunsichern die Anleger in diesem ohnehin schon sehr nervösen Marktumfeld“, sagte ein Händler.

Der Dax wird das laufende Jahr 2018 zum ersten Mal seit sieben Jahren mit Verlusten beenden: Fast 20 Prozent liegt der deutsche Leitindex unter dem Stand von Ende 2017. Der Dow Jones kommt mit einem Minus von etwa neun Prozent etwas besser davon.

Mit Agenturmaterial