Deutsche Märkte geschlossen

US-Börsen schließen mit Kursgewinnen – Chipwerte gefragt

Die Verbraucherstimmung in den USA nährt die Hoffnung der Anleger auf eine Konjunkturerholung. Der S & P verzeichnet den größten Quartalsgewinn seit 1998.

In der berühmten Straße befindet sich der Sitz der New York Stock Exchange. Foto: dpa

Beflügelt von guten Konjunkturdaten haben die US-Börsen am Dienstag mit Kursgewinnen geschlossen. Die Verbraucherstimmung in den USA hellte sich unerwartet deutlich auf und nährte damit Hoffnung auf eine einsetzende Konjunkturerholung. Das entsprechende Barometer kletterte im Juni auf 98,1 Punkte, nach 85,9 Zählern im Vormonat. Die Verbraucher schätzten ihre Lage besser ein als im Vormonat und blickten auch optimistischer nach vorne.

Der US-Standardwerteindex Dow Jones ging 0,9 Prozent höher auf 25.812 Punkten aus dem Handel. Der technologielastige Nasdaq rückte 1,9 Prozent auf 10.058 Punkte vor. Der breit gefasste S & P 500 legte 1,5 Prozent auf 3100 Punkte zu.

Im Quartalsvergleich stieg der S & P um mehr als 19 Prozent. Das ist der größte Quartalsgewinn seit 1998. Der Dow verbesserte sich in dem Dreimonatszeitraum um rund 18 Prozent und der Nasdaq um rund 30 Prozent.

Nach Ansicht eines führenden Währungshüters haben die USA den Tiefpunkt der Coronakrise wohl hinter sich. Der Chef des US-Notenbankbezirks New York, John Williams, verwies bei einer Online-Veranstaltung darauf, dass die Verbraucherausgaben wieder zulegten und auch die zwischenzeitlich kräftig angestiegene Arbeitslosenquote zu sinken begonnen habe. Dennoch werde es wohl noch Jahre dauern, bis sich die US-Wirtschaft vollkommen von dem Schock erholt habe.

Blick auf die Einzelwerte

Bei den Aktienwerten standen Micron und Xilinx im Rampenlicht, nachdem beide Chip-Hersteller ihre Geschäftsziele hochgeschraubt hatten. Micron werde voraussichtlich weiter vom Trend zu Homeoffice und Online-Unterricht profitieren, prognostizierte Analyst Abhinav Davuluri vom Research-Haus Morningstar.

Xilinx sei ein Nutznießer des Aufbaus von Mobilfunknetzen nach dem neuen 5G-Standard, schrieb Analyst Mark Lipacis von der Investmentbank Jefferies. Micron-Titel stiegen um 4,8 Prozent und Xilinx-Papiere um 6,9 Prozent. In ihrem Windschatten gewannen Konkurrenten wie AMD, Intel oder NVidia bis zu 4,6 Prozent.

Bei Boeing machten Investoren dagegen Kasse und drückten die Papiere des Flugzeugbauers 5,7 Prozent ins Minus. Zum Wochenauftakt hatte ihnen die Aufnahme von Testflügen für eine Wiederzulassung der 737 Max für den Flugbetrieb einen der größten Tagesgewinne der Firmengeschichte beschert.

Maschinen dieses Typs waren nach zwei Abstürzen im März 2019 aus dem Verkehr gezogen worden. "Die Streichung von Flugzeugbestellungen und die Forderung nach Schadenersatz durch Norwegian Air zeigen unseres Erachtens jedoch, dass Boeing noch weitere Herausforderungen zu bewältigen hat", schrieb Analyst Matthias Volkert.

Ein Medienbericht über Gespräche zur Übernahme des Essenslieferanten Postmates gab Uber Auftrieb. Die Aktien des Fahrdienst-Vermittlers stiegen um knapp fünf Prozent.

Die Anteilsscheine von Tesla erreichten ein Rekordhoch und gewannen unter den Favoriten im Nasdaq 100 fast sieben Prozent. Der Elektroautohersteller habe wie Volkswagen und PSA Potenzial, ergebnisseitig positiv zu überraschen, schrieb Analyst Patrick Hummel von der Schweizer Großbank UBS. Die technologische Marktführerschaft sei weiter unbestritten.

Der Euro notierte zuletzt bei 1,1233 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs auf 1,1198 (Montag: 1,1284) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,8930 (0,8862) Euro. Am US-Rentenmarkt sanken richtungsweisende zehnjährige Staatsanleihen angesichts der Gewinne an der Wall Street um 9/32 Punkte auf 99 23/32 Punkte und rentierten mit 0,653 Prozent.