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Deutscher Hidden Champion: Batteriespezialist Akasol wird von US-Autozulieferer übernommen

Koenen, Jens
·Lesedauer: 5 Min.

Akasol ist auf dem Weg, zum führenden Zulieferer für elektrische Nutzfahrzeuge zu werden. Der Verkauf an Borg-Warner zeigt, dass sich der Einstieg in den deutschen Batteriespezialisten lohnt.

Der hessische Batteriehersteller wird an ein US-Unternehmen verkauft. Foto: dpa
Der hessische Batteriehersteller wird an ein US-Unternehmen verkauft. Foto: dpa

Akasol-Konzernchef Sven Schulz kämpft seit Längerem dafür, in Deutschland die heimische Kompetenz in Sachen Elektromobilität stärker zu beachten und nicht immer nur auf Tesla zu schauen. Nun wird Akasol selbst amerikanisch. Der US-Zulieferkonzern Borg-Warner hat am Montag ein Übernahmeangebot für den Batteriespezialisten aus Darmstadt vorgelegt.

Für Schulz ist das kein Widerspruch. „Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Ein US-Unternehmen kauft uns für fast eine Milliarde Dollar. Das ist ein Ritterschlag“, sagte der 45-jährige Unternehmer dem Handelsblatt: „Und vielleicht auch eine Ohrfeige für die großen Zulieferer hierzulande, die uns nicht mit spitzen Fingern anfassen wollten.“

Die Übernahme von Akasol ist auch ein Beleg dafür, dass es sich für Aktionäre lohnen kann, in deutsche innovative Batteriespezialisten zu investieren. Borg-Warner bietet 120 Euro je Akasol-Aktie. Damit wird Akasol mit 730 Millionen Euro bewertet.

Das ist nicht nur deutlich mehr als die gut 104 Euro, die die Aktie am vergangenen Freitag kostete. Es ist vor allem ein sattes Plus gegenüber dem Ausgabepreis der Aktie beim Börsengang von Akasol im Jahr 2018. Damals wurde für das Papier 48,50 Euro aufgerufen.

Akasol ist einer der deutschen Hidden Champions. Die Firma baut Lithium-Ionen-Batteriesysteme für Busse, Bahnen, Lastwagen, Industriefahrzeuge sowie Schiffe. Die Batteriezellen werden zugekauft und kombiniert mit Software zu kompletten Systemen verarbeitet. Zu den Kunden zählen zum Beispiel Daimler und Volvo.

Ausgründung aus der TU Darmstadt

Gegründet wurde die Firma 1989 von Studenten der TU Darmstadt, die als ein Projekt einen elektrischen Rennwagen bauten. Die Schulz Group aus Ravensburg wurde 2006 auf die Jungunternehmer aufmerksam. Schulz ist ein Softwareanbieter für den Maschinenbau, hat aber auch Kunden in der Autoindustrie. Die Familie Schulz stieg bei der Ausgründung des damaligen Start-ups im Jahr 2008 ein.

Seitdem treibt Sven Schulz, der seit 2018 Vorstandsvorsitzender von Akasol ist, die Expansion voran. Ende vergangenen Jahres eröffnete das Unternehmen zum Beispiel eine neu errichtete „Gigafactory 1“ in Darmstadt für Batteriesysteme mit einer Produktionskapazität von bis zu fünf Gigawattstunden. Auch in den USA baute man aus. Dort entstand in Hazel Park eine neue Fertigungslinie.

Eigentlich hatte Schulz vor, unabhängig zu bleiben. Man kenne ja genügend Beispiele, in denen eine Übernahme nicht gut ausgegangen sei. „Wir waren deshalb auch zunächst etwas zurückhaltend, als Borg-Warner uns entdeckt und kontaktiert hatte“, so Schulz. Doch das Gesamtpaket sei so gut, dass man sich dann doch dafür ausgesprochen habe.

Der US-Konzern biete Akasol nicht nur einen erweiterten Zugang zu Kunden. Auch die Finanzierung der Expansion werde einfacher. „Wir haben zwar den Zugang zum Kapitalmarkt, aber man kann ja nicht immer alles mit Fremdkapital machen“, sagte Schulz.

Außerdem könne man die Produktionskapazitäten von Borg-Warner nutzen, so Schulz. Gleichzeitig würden die Batteriesysteme von Akasol das Angebot von Borg-Warner gut ergänzen. Das US-Unternehmen richtet sich seit einiger Zeit stark auf die Elektromobilität aus. Dazu wurde bereits mehrfach zugekauft, unter anderem erwarb Borg-Warner den Zulieferer Delphi, der zum Beispiel Leistungselektronik beisteuert.

Borg-Warner selbst hat sich wiederum Kompetenzen bei elektrischen Antrieben aufgebaut. Insgesamt arbeiten für den US-Konzern 48.000 Mitarbeiter. Das Unternehmen ist ein großer und erfahrener Zulieferer für die Automobil- und Nutzfahrzeugindustrie. „Wir können uns so noch schneller und dynamischer entwickeln, als wenn wir das aus eigener Kraft machen“, ist Schulz überzeugt. Grundsätzlich sei sogar denkbar, dass man die Systeme von Akasol in Zukunft auch für den Pkw-Bereich nutzbar mache.

Weil das Gesamtpaket stimmig ist, will Schulz auch als CEO weitermachen, obwohl seine Familie ihre Anteile – das sind gut 47 Prozent – komplett an die Amerikaner abgeben wird. Zusammen mit den Anteilen anderer Investoren, die ihre Aktien ebenfalls abgeben wollen, hat der US-Konzern damit bereits 59,4 Prozent von Akasol sicher. Die Mindestquote von 50 Prozent ist also in jedem Fall erfüllt.

„Für mich ist das ein großer Schritt, ich war bisher immer Unternehmer“, sagte Schulz. Doch er glaubt, dass diese Übernahme funktionieren wird. Davon gehen offensichtlich auch die Investoren aus, die Aktie sprang am Montag auf gut 122 Euro.

In der Vergangenheit musste Schulz immer wieder Sorgen zerstreuen, dass sich das Unternehmen mit dem kräftigen Ausbau der Fertigungskapazitäten verheben könnte. Denn die Ziele der Akasol-Spitze sind ehrgeizig.

Die Experten dort haben mittlerweile die dritte Generation ihres Ultrahochenergiesystems mit einer Energiedichte von mehr als 200 Wattstunden pro Kilogramm entwickelt. Nach Unternehmensangaben können damit Nutzfahrzeuge mit bis zu einer Megawattstunde ausgestattet werden, Reichweite bis zu 700 Kilometer. Bis 2024 will Akasol die Leistungsfähigkeit der eigenen Systeme um weitere 30 bis 35 Prozent steigern.

Über 2500 Nutzfahrzeuge hat die Firma mittlerweile in Europa und den USA mit ihren Systemen ausgestattet. Akasol habe damit im Bereich elektrischer und Brennstoffzellen-Nutzfahrzeuge mehr Erfahrung als die Wettbewerber Nikola, Tesla und Hyzon zusammen, wird Schulz nicht müde zu betonen.

Das Auftragsbuch ist gut gefüllt, das Volumen des Auftragsbestands bis Ende 2027 hatte Schulz im November vergangenen Jahres auf über zwei Milliarden Euro beziffert. Doch das alles muss auch produziert werden.

Gleichzeitig litt auch Akasol im ersten Halbjahr 2020 unter der Pandemie, weil die Kunden einige Fabriken vorübergehend schließen mussten. Der Betriebsverlust belief sich auf 6,95 Millionen Euro. In der zweiten Jahreshälfte sei das Geschäft aber deutlich besser gelaufen, so Schulz. Es bleibe bei der Aussage, dass der Umsatz 2020 von 47,7 auf rund 60 Millionen Euro gestiegen sei.