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UPS-Spitzenmanager zur Impfstoffverteilung: „Wir stehen in Deutschland bereit“

Kort, Katharina
·Lesedauer: 5 Min.

In den USA verteilen Paketdienste die Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna. UPS-Topmanager Scott Price erläutert die Logistik dahinter.

In den USA haben die beiden US-Logistikunternehmen Fedex und UPS in der ersten Woche bereits 2,9 Millionen Dosen des Vakzins von Biontech und Pfizer ausgeliefert. UPS hat dabei den Osten des Landes übernommen und auch den jüngsten Schneesturm gemeistert, Fedex beliefert den Westen. Nun sind bereits die Trucks mit dem zweiten zugelassenen Impfstoff von Moderna unterwegs. Auch hier ist der Markt zwischen den beiden aufgeteilt.

„Sobald Deutschland den Impfstoff genehmigt, stehen wir mehr als bereit“, erklärt der Präsident von UPS International, Scott Price, dem Handelsblatt. „Wir sprechen derzeit mit allen Ländern, die mit der Impfplanung begonnen haben“, sagt er und versichert: „Wir können jedes Volumen von Impfstoffen bewältigen, das uns gegeben wird.“

Nicht nur in den USA, auch in Russland und China verteilt UPS momentan die begehrten Vakzine. „Wir arbeiten derzeit mit fast jedem Impfstoffhersteller“, sagt Price. Was genehmigt wird, und wo was hinsoll, verändere sich dabei aktuell jeden Tag: „Hoffentlich haben wir in vier bis sechs Monaten ein finales globales Netzwerk für das Angebot.“

Deutschland wird bei der Vakzin-Verteilung für UPS eine besondere Rolle spielen. Seinen größten europäischen Standort unterhält das Transportunternehmen mit 3200 Mitarbeitern und 43 täglichen Flügen in Köln. Vergangene Woche wurden dort innerhalb von dreieinhalb Stunden mehr als 600.000 Pakete abgefertigt. Über Köln sind auch die in Belgien produzierten Impfstoffe für Kanada gelaufen, erklärt Price.

Vor allem der von Biontech entwickelte Impfstoff ist eine logistische Herausforderung, weil er bei Temperaturen von minus 80 Grad transportiert werden muss. Die Kühlboxen von UPS sind mit mehreren Sensoren ausgerüstet, die nicht nur die Position an die Kontroll-Tower kommunizieren, sondern auch Temperatur und andere Werte.

Sie können damit auch in den normalen Flugzeugen und Lastern der Flotte transportiert werden. „Wir wissen zu jedem Zeitpunkt, wo sich jede dieser Vakzin-Boxen befindet“, erklärt Price. Ist ein solches Paket an Bord, erhalten UPS-Flieger in den USA absolute Priorität bei Start und Landung.

Der am Freitagabend in den USA zugelassene Impfstoff von Moderna muss nicht so stark gekühlt gehalten werden. Dort reichen normale Tiefkühltemperaturen. Das erleichtert den Transport ein wenig.

Aus den bisherigen Operationen hat Price gelernt, dass eine gute Planung extrem wichtig ist: „Wir werden immer gefragt: Wie schafft ihr das mitten in der Hochsaison um die Feiertage? Die Antwort ist: Wir haben das seit Monaten geplant.“ Als die US-Behörden dann vor gut einer Woche das Okay gaben, konnte UPS sofort loslegen.

Entscheidend sei aber auch die Technologie. Der Schneesturm an der Ostküste habe gezeigt, wie wichtig die Kontrollzentren und das exakte Tracking der Pakete sind, die mit anderen zusammen transportiert werden: „Es gab Kliniken, die waren zugeschneit und wir mussten die Impfstoffe an anderen Stellen bis zu zwölf Meilen entfernt abliefern“, erklärt er.

„So konnten wir unsere Fahrer anweisen, ihre Route zu wechseln, um erst den Impfstoff abzuliefern“, sagt Price. „Und um sechs Uhr abends am Tag des Schneesturms war jedes einzelne Paket rechtzeitig ausgeliefert.“ Auch für Deutschland dürfte damit eine gute Planung und Absprache mit den zuständigen Behörden extrem wichtig sein.

UPS schließt Schwarzmarkthandel mit Vakzinen aus

Bereits vor 20 Jahren ist UPS in das Gesundheitsgeschäft eingestiegen und verfügt nun über 128 spezialisierte Lagerstätten. Auch extrem kalte Lieferungen wie die von Biontech gehören dazu. Das dafür erforderliche Trockeneis stellt UPS in den USA selbst her: 11.000 Kilogramm davon produziert der Paketdienst in seinem Luftfahrtdrehkreuz in Louisville im Bundesstaat Kentucky.

Die weltweite Vakzin-Lieferung für Corona ist für UPS ein außergewöhnliches Unterfangen: „Das ist die absolut größte Operation, die wir mit diesen Temperaturen durchgeführt haben“, sagt Price.

Illegalen Handel mit den UPS anvertrauten Vakzinen schließt Price aus. „Mit UPS ist ein Schwarzmarkt absolut unmöglich“, sagte er angesprochen auf Berichte über entsprechenden Handel in China. Es gebe „viele illegale unangemessene Dinge, die Individuen mit unserem Netzwerk befördern wollen“. Aber UPS habe eine ‚Known Shipper-Policy‘. „Das heißt, Sie können nichts über unser Netzwerk befördern, wenn wir nicht wissen, wer Sie sind“, erklärt er. Außerdem inspiziere UPS in China 100 Prozent der Pakete.

Für den Logistikkonzern fällt die Impfstoffbeförderung mitten in die Hochsaison zu Weihnachten. UPS erwartet im vierten Quartal ohnehin schon ein weiteres Wachstum im hohen einstelligen Prozentbereich. „Die Impfstoffe selbst sind nicht so signifikant, was das Volumen angeht“, sagt Scott. „In normalen Zeiten bewegen wir 22 Millionen Pakete am Tag“, erklärt Price.

Umsatzzahlen zu den Vakzinen will er nicht bekanntgeben. Analysten der Bank of America schätzen, dass UPS und Fedex mit den Impfstoffen bis zu 300 Millionen Dollar zusätzlich umsetzen können.

Bei UPS ist die Nachfrage dieses Jahr schon im Frühjahr angestiegen, als die Menschen wegen Corona das erste Mal zu Hause saßen und mehr im Internet orderten. UPS hat bereits im April zusätzliche 39.000 Mitarbeiter eingestellt. Nun kamen noch einmal 100.000 Personen hinzu.

Price glaubt, dass der starke Trend zumindest teilweise auch nach der Pandemie anhalten wird. „Unsere Aufteilung zwischen Lieferungen an Unternehmen und mehr Lieferungen an Privatpersonen wird wohl auch langfristig unverändert bleiben“, sagt er. Außerdem beobachtet er, dass Europäer stark grenzüberschreitend ordern: „Das hat sich beschleunigt und wird wohl auch so bleiben.“ In Deutschland sieht Price ebenfalls diesen Trend.

Diese Woche konzentriert sich Price aber neben den Weihnachtspaketen weiterhin auf die Vakzine. Dabei hat er seine ganz eigene Erfahrung mit Corona gemacht: Er hat sich im Frühjahr mit Covid-19 angesteckt: „Ich bin ein Early Adopter: Ich hatte Covid im März und ich kann es übrigens nicht empfehlen“, erklärt er. Er habe sieben Monate lang Antikörper gehabt. Vor zwei Wochen seien diese auf null gesunken. Für ihn steht daher fest: „Ich werde mich auf jeden Fall impfen lassen.“