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Untersuchung von US-Geheimdiensten: Sowohl tierische Übertragung als auch Labor-Leck als Corona-Ursprung "plausibel"

·Lesedauer: 5 Min.
Dr. Carlos Ortega des Virologie-Zentrums der Universität El Salvador arbeitet an der Coronavirus-Genom-Sequenzierung.
Dr. Carlos Ortega des Virologie-Zentrums der Universität El Salvador arbeitet an der Coronavirus-Genom-Sequenzierung.

Die US-Geheimdienste haben einen Bericht über den Ursprung des Coronavirus veröffentlicht. Er kommt zu dem Schluss, dass sowohl die Theorie der natürlichen Übertragung als auch die Theorie eines Lecks in einem Labor "plausibel" bleiben. Der Bericht, der am Freitag von der Direktortin der Nationalen Geheimdienste, Avril Haines, veröffentlicht wurde, enthält die Ergebnisse einer Untersuchung, die Präsident Joe Biden im Mai angeordnet hatte.

"Alle Behörden sind der Ansicht, dass zwei Hypothesen plausibel sind: eine natürliche Übertragung durch ein infiziertes Tier und ein Zwischenfall im Zusammenhang mit einem Labor", heißt es in dem Bericht.

Obwohl der Bericht sich auf keine der beiden Hypothesen festlegt, kam er zu mehreren anderen wichtigen Schlussfolgerungen. Erstens waren die meisten Autoren der Ansicht, dass das Coronavirus weder gentechnisch hergestellt noch als Biowaffe entwickelt wurde. Zweitens gehen die Analysten davon aus, dass die chinesischen Behörden nichts von der Ausbreitung des Virus wussten, bevor im Dezember 2019 die erste Gruppe von COVID-19-Fällen in Wuhan gemeldet wurde.

Corona-Labor in Wuhan steht im Fokus des Berichts

Der Bericht mutmaßt, ohne Belege, dass die erste Infektion beim Menschen auf einen Zwischenfall im Zusammenhang mit einem Labor zurückzuführen sein könnte, wahrscheinlich im Zusammenhang mit Experimenten, dem Umgang mit Tieren oder der Entnahme von Virusproben am Wuhan Institute of Virology (WIV).

Die Befürworter der Theorie des Labordurchbruchs konzentrieren sich häufig auf dieses Institut, da es sich um ein Hochsicherheits-Biolabor handelt, in dem Wissenschaftler vor der Pandemie Coronaviren untersucht haben. Achtzehn Wissenschaftler veröffentlichten im Mai ein Schreiben, in dem sie erklärten, sie hielten die Theorie des "Lab Leaks" weiterhin für tragfähig.

Die Analysten, die hinter dem neuen Regierungsbericht stehen, schrieben, dass sie die Sicherheitsmaßnahmen im Institut für "unzureichend" halten. Das macht die Möglichkeit eines Unfalls wahrscheinlicher, zumal die mit dem Institut verbundene Forschung den Umgang mit Tieren beinhaltete, die Träger von Coronaviren sein könnten.

Jonna Mazet, Epidemiologin an der Universität von Kalifornien hat jedoch direkt mit WIV-Forschern zusammengearbeitet und erklärte im Gespräch mit Business Insider, dass ein Unfall dort "höchst unwahrscheinlich" sei. Mazet fügte hinzu, dass sie und die Mitarbeiter des WIV ein "sehr strenges Sicherheitsprotokoll" entwickelt und umgesetzt hätten.

Was wussten die WIV-Forscher vom Corona-Ausbruch?

Der neue Bericht deutet darauf hin, dass das Virus, falls es tatsächlich aus einem Labor ausgetreten ist, versehentlich ausgetreten ist. Chinesische Wissenschaftler "waren sich in den ersten Monaten wahrscheinlich nicht bewusst, dass ein solcher Vorfall stattgefunden hatte", heißt es in dem Bericht.

Virologen des Instituts in Wuhan gehörten zu den ersten, die mit der Erforschung des neuen Coronavirus begannen und seinen genetischen Code Anfang Januar öffentlich zugänglich machten. Solche Aktivitäten, schreiben die Geheimdienst-Analysten in den USA, "sind ein starkes Indiz dafür, dass das WIV keine Ahnung von dem Virus hatte".

Befürworter der Theorie eines Laborunfalls verweisen auch häufig auf einen Geheimdienstbericht, über den das "Wall Street Journal" berichtete und aus dem hervorgeht, dass drei Mitarbeiter der WIV erkrankten und sich mehr als einen Monat vor der Feststellung der ersten COVID-19-Fälle in Wuhan in ein Krankenhaus begaben. In dem Bericht heißt es, dass die Symptome der Arbeiter "sowohl mit COVID-19 als auch mit einer gewöhnlichen saisonalen Krankheit übereinstimmen".

Im aktuellen Geheimdienst-Bericht heißt es jedoch, dass diese Beweise unzureichend sind: "Selbst wenn sie sich bestätigen würde, wäre eine Krankenhauseinweisung allein keine Diagnose für eine COVID-19-Infektion", heißt es darin.

US-Geheimdienste eindeutig: Corona ist keine Biowaffe

Der Grund, warum die Analysten hinter dem Bericht nicht glauben, dass das Coronavirus absichtlich manipuliert wurde, ist, dass sein genetischer Code keine verräterischen Anzeichen einer Manipulation aufweist.

Eine Studie vom März 2020 analysierte die DNA des Virus und kam zu dem Schluss, dass es sich "nicht um ein Laborkonstrukt oder ein absichtlich manipuliertes Virus handelt". Und Ermittler der Weltgesundheitsorganisation (WHO) fanden keine Hinweise darauf, dass das WIV vor der Pandemie Virusproben gelagert hatte, die in Kombination das neue Coronavirus hätten hervorbringen können.

Der Bericht kommt auch zu dem Schluss, dass das Virus keine biologische Waffe ist, und besagt, dass diese Theorie nur durch "wissenschaftlich ungültige Behauptungen" von Personen gestützt wird, die im Verdacht stehen, "Desinformationen zu verbreiten".

Labor-Leck weniger wahrscheinlich als natürlich Übertragung

Auch die WHO-Ermittler, die nach Wuhan reisten, konnten ein Laborleck nicht ausschließen. Sie kamen jedoch zu dem Schluss, dass das Coronavirus höchstwahrscheinlich von Tieren auf den Menschen übergesprungen ist – möglicherweise auf Wildtierfarmen in Südchina.

Im Bericht der US-Geheimdienste heißt es ebenfalls, dass ein Leck im Labor "weniger wahrscheinlich ist als eine Infektion durch zahlreiche Jäger, Landwirte, Händler und andere, die häufig und auf natürliche Weise mit Tieren in Kontakt kommen".

Diese Art von Spillover war während der gesamten Pandemie die führende Theorie, vor allem weil 75 Prozent der neuen Infektionskrankheiten von Tieren auf uns übertragen werden. Außerdem ist der genetische Code des Coronavirus dem anderer Coronaviren, die in Fledermäusen vorkommen, sehr ähnlich.

China kooperiert nicht bei Ermittlungen nach Corona-Ursprung

Dennoch untersuchte das WHO-Team 80.000 Tiere aus 31 Provinzen in ganz China und fand keinen einzigen Fall dieses Coronavirus. Allerdings hat China die fraglichen Wildtierfarmen im Februar 2020 geschlossen, und die Forscher hatten keinen Zugang zu den Proben.

Die US-Geheimdienste erklären in ihrem neuen Bericht abschließend, dass sie den Ursprung des Coronavirus nur dann bestimmen können, wenn sie mehr Informationen von China erhalten – was voraussetzen würde, dass das Land kooperativer und transparenter ist, als es bisher war.

Selbst die WHO-Ermittler hatten keinen vollständigen Zugang zu den Akten, Datenbanken, Gefrierschrankbeständen, Aufzeichnungen oder Sicherheitsprotokollen des WIV. Dies veranlasste Tedros Adhanom Ghebreyesus, den Generaldirektor der WHO, zur Einordnung des Berichts seiner Organisatuin zu sagen, dass er "nicht glaube, dass diese Bewertung umfassend genug war".

Dieser Artikel wurde von Josh Groeneveld aus dem Englischen übersetzt und editiert. Das Original findet ihr hier.

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