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Unternehmen wollen sich selbst helfen: Zustimmung der Unternehmen für Corona-Politik sinkt

·Lesedauer: 3 Min.

Die Wirtschaft zeigt sich unzufriedener mit der Corona-Politik als noch im Sommer. Grund sind vor allem Staatsbeteiligungen für einige Unternehmen.

Behördliche Schließungen werden besonders kritisch gesehen. Foto: dpa
Behördliche Schließungen werden besonders kritisch gesehen. Foto: dpa

Die Wirtschaft zeigt sich mit der Krisenpolitik der Bundesregierung in der Corona-Pandemie insgesamt zufrieden – allerdings nimmt die Kritik leicht zu. Das geht aus einer Befragung von Firmen im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen hervor, die dem Handelsblatt vorliegt.

Darin erhält die Bundesregierung im Oktober von den Unternehmen die Note 3,1 für ihre Krisenmanagement. Im Frühsommer hatten die Unternehmer noch die Note 2,9 vergeben.
„Die Unternehmen stellen der Politik für ihr Krisenmanagement ein recht gutes Zeugnis aus“, heißt es im Jahresmonitor der Stiftung Familienunternehmen, der vom Ifo-Institut und dem Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) erstellt wurde.

Dazu wurden von Mai bis Juni 2452 Unternehmen befragt und im Oktober aus diesem Kreis noch mal 1104 Unternehmen. Sie konnten Schulnoten von Eins bis Sechs vergeben.

Die angeordneten Betriebsschließungen kommen in der Befragung mit der Note von insgesamt 3,9 am schlechtesten weg. 29 Prozent der Unternehmen vergeben die Note „mangelhaft“ oder „ungenügend“, nur 16 Prozent bewerten sie mit „sehr gut“ oder „gut“.

Vergleichsweise skeptisch bewerten die Unternehmen mit der Durchschnittsnote 3,7 auch Staatsbeteiligungen an kriselnden Firmen. Das Gleiche gilt für die Möglichkeit, Mietzahlungen zu stunden. Andere Kriseninstrumente kommen besser an: Die Möglichkeit der Steuerstundungen bekommt die Note 2,4. Am besten schneidet aber das Kurzarbeitergeld ab. Hierfür vergeben die befragten Unternehmen die Note 1,8.

Im Zeitverlauf zeigt sich insgesamt jedoch: Bei zehn von elf Maßnahmen hat sich die Bewertung gegenüber dem Frühsommer verschlechtert. „Der erneute Lockdown führt uns deutlich vor Augen: Wir müssen dringend unsere Volkswirtschaft auch gegenüber künftigen Schocks absichern“, sagt Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen.

Kein Trend zu Deglobalisierung

Kirchdörfer deutet die Ergebnisse so, dass die meisten Unternehmen sich lieber selbst helfen wollen, als vom Staat Unterstützung zu erhalten. „Wir können nicht auf jede Krise mit neuen steuerfinanzierten Rettungspaketen reagieren, die auch zu Wettbewerbsverzerrungen führen“, sagte er.

Den befragten Firmen zufolge wird ihr Umsatz in diesem Jahr im Durchschnitt um 24,3 Prozent niedriger ausfallen als vor der Krise prognostiziert. In Bezug auf ihr operatives Geschäft sahen sich deswegen elf Prozent der Unternehmen gezwungen, Werks- oder Standortschließungen einzuleiten.

Einer internationalen Verlagerung von Standorten erteilen 95 Prozent der Unternehmen hingegen eine klare Absage. „Für den bisweilen vermuteten Trend zu einer Deglobalisierung der Lieferketten bietet die Umfrage keine Belege“, heißt es in der Studie.

Wenn es darum geht, die Volkswirtschaft krisenfester zu machen, fordern die Unternehmen vor allem verstärkte Investitionen in die digitale Infrastruktur. Mehr als die Hälfte der befragten Unternehmen hält das für eine „sehr geeignete“ Maßnahme. Auch sind rund 78 Prozent der Unternehmen der Ansicht, die Konsolidierung der öffentlichen Haushalte sollte in den nächsten Jahren angegangen werden.

Ministerpräsidenten wollen Hilfen nachbessern

Eine Krisenbekämpfung auf europäischer Ebene befürwortet eine klare Mehrheit der Unternehmen. So halten 70 Prozent den Euro-Rettungsschirm für ein geeignetes Instrument. Eine Vergemeinschaftung von Schulden lehnen dagegen 68 Prozent ab.

Kritik an den Hilfsprogrammen kam am Wochenende auch von den fünf norddeutschen Ministerpräsidenten. Sie forderten die Bundesregierung auf, bei den Corona-Hilfen für den aktuellen Lockdown den Unternehmen stärker zu helfen, die mittelbar von Betriebsschließungen betroffen sind, etwa Getränkelieferanten für Hotels.

Sie sollen erst dann Staatshilfe erhalten, wenn sie mindestens 80 Prozent Umsatzausfall mit indirekt oder direkt betroffenen Unternehmen verzeichnen. Sollte der Bund daran festhalten, drohten „bis zu 90 Prozent der Unternehmen, die von den Hilfen profitieren sollten, leer auszugehen“, sagte Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) der „Bild am Sonntag“.