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Uniper in Rettungsgesprächen zum Stopfen von 9-Mrd-Euro-Loch

(Bloomberg) -- Der Gasriese Uniper SE spricht informierten Kreisen zufolge mit der Bundesregierung über ein Rettungspaket im Umfang von bis zu 9 Milliarden Euro. Die Unterstützung könnte sowohl Kredite als auch einen Einstieg des Staats als Aktionär umfassen und über höhere Preise auch die Abnehmer mit einbeziehen, heißt es.

Uniper wollte sich zu den Details der Gespräche nicht äußern. Der größte deutsche Importeur russischen Gases hatte letzte Woche selbst über Gespräche mit Berlin zur Liquiditätssicherung berichtet.

Nach dem gestrigen Rekordeinbruch von 28% schwankte die Aktie des Unternehmens am Dienstag extrem zwischen einem Rückgang um 18% und einem Zugewinn um 11%. Um 16:51 Uhr standen 5,7% weniger auf dem Kurszettel. Der Krieg in der Ukraine und dessen Folgen für die russischen Gaslieferungen haben Uniper im laufenden Jahr über 70% seines Börsenwerts gekostet.

Das Kabinett billigte am Dienstag einen Gesetzentwurf, der es dem Bund ermöglicht, Anteile an angeschlagenen Energieunternehmen zu übernehmen. Dazu kommt ein Mechanismus, um einen Teil der steigenden Gaskosten der Versorger an die Verbraucher weiterzugeben. Der Entwurf soll im Verlauf der Woche durch Bundestag und Bundesrat verabschiedet werden.

“Die Situation ist natürlich höchst unklar”, schreibt Guido Hoymann vom Bankhaus Metzler. “Aber da die Aktivitäten mit Russland schätzungsweise zwei Drittel des Geschäfts von Uniper ausmachen, sehen wir den Wert des Unternehmens erheblich beeinträchtigt. Eine Verwässerung würde sich auch negativ auf den fairen Wert der Aktie auswirken.”

Das Kabinett soll den Gesetzentwurf am Dienstag verabschieden, gefolgt von Bundestag und Bundesrat am Freitag.

Das nächste Problem für den Gasmarkt steht bereits vor der Tür: Die Nord-Stream-Pipeline wird am 11. Juli für Wartungsarbeiten heruntergefahren, was den Druck auf die angespannten Märkte weiter erhöht. Berlin befürchtet, dass Moskau die Pipeline nach den Wartungsarbeiten nicht wieder in Betrieb nimmt und Deutschland dann ohne seine wichtigste Gasquelle dasteht.

Bundeskanzler Olaf Scholz hatte am Wochenende angedeutet, dass die Bundesregierung die während der Pandemie geschaffenen Instrumente nutzen könnte, mit denen etwa die Lufthansa gerettet wurde. Der Fluggesellschaft hatte Berlin Kredite gewährt und war mit einem Anteil von 20% sowie stillen Beteiligungen eingestiegen. Damit einher ging auch ein Verbot von Dividenden und Boni für das Management.

Laut Handelsblatt könnte die Bundesregierung bei der Uniper durch den Kauf von neuen Aktien zum Nennwert einsteigen und dabei einen Anteil von 25% erwerben. Hinzu käme noch eine stille Beteiligung, schreibt das Blatt, das den Umfang mit 3 bis 5 Milliarden Euro beziffert.

Überschrift des Artikels im Original:

Germany’s Uniper in Bailout Talks to Plug $9.4 Billion Hole (2)

(Neu: Kursreaktion aktualisiert; Handelsblatt zur Struktur der Transaktion im letzten Absatz)

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