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Mathildenhöhe und drei deutsche Kurstädte gehören neu zum Unesco-Welterbe

·Lesedauer: 3 Min.
Unesco-Hauptsitz in Paris

Das in Deutschland beheimatete Weltkulturerbe wird umfangreicher: Die Künstlerkolonie Mathildenhöhe in Darmstadt sowie die Kurstädte Baden-Baden, Bad Ems und Bad Kissingen sind in die Liste des Unesco-Welterbes aufgenommen worden. Die Entscheidungen fielen bei einer virtuellen Sitzung des Welterbekomitees, wie die Deutsche Unesco-Kommission in Bonn am Wochenende mitteilte. Auch andere Orte in Europa sowie in China, Indien und Saudi-Arabien schafften es auf die Liste, ebenso die Transiranische Eisenbahn.

Insgesamt wurden elf europäische Städte des Projekts "Bedeutende Kurstädte Europas" in die Welterbeliste aufgenommen. Sie liegen in sieben Ländern - neben Deutschland in Belgien, Frankreich, Großbritannien, Italien, Österreich und Tschechien. "Ich freue mich sehr über den Erfolg der elf europäischen Kurstädte, der dank enger internationaler Zusammenarbeit ermöglicht wurde", erklärte Michelle Müntefering, Staatsministerin für Internationale Kulturpolitik im Auswärtigen Amt.

Kurorte rund um Heilquellen haben in Europa eine lange Tradition - ihre Hochzeit erlebte die Bäderkultur zwischen 1700 und den 1930er Jahren. Zu den anderen aufgenommenen europäischen Bädern zählen unter anderem Vichy in Frankreich, Montecatini in Italien sowie drei Stätten in Tschechien.

Neben den Kurstädten wurde bei der Sitzung des Welterbekomitees auch die 1899 als Künstlerkolonie gegründete Mathildenhöhe in Darmstadt aufgenommen. Von ihr seien zahlreiche Impulse für Architektur, Kunst und Design ausgegangen, die die Moderne prägen sollten.

"Die Mathildenhöhe ist ein weltweit herausragendes Beispiel visionärer Gestaltungskunst", erklärte die Präsidentin der Deutschen Unesco-Kommission, Maria Böhmer. "Künstlerinnen und Architekten haben hier an der Nahtstelle von Jugendstil und Neuem Bauen Pionierarbeit geleistet". Deutschland hat damit nun 48 Unesco-Welterbestätten, davon drei Natur- und 45 Kulturstätten, die teils grenzüberschreitend sind.

In Saudi-Arabien wurde mit dem Hima-Komplex die sechste Stätte des Landes in die Liste des Welterbes aufgenommen. Auf dem Gelände im Südwesten der Halbinsel finden sich an mehr als 34 Orten Felszeichnungen. Das 557 Quadratkilometer große Gebiet liegt an einer historischen Karawanen-Route.

Die laut der staatlichen Nachrichtenagentur SPA mehr als 3000 Jahre alten Brunnen in der Gegend waren in der ausgedehnten Wüste der Nadschran-Provinz eine lebenswichtige Trinkwasserquelle für Reisende, die ihre Zeichnungen in den Felsen hinterließen. "Ihre gemalten, geschriebenen oder eingeritzten Äußerungen über Liebe, Bräuche, Religionen und Jagd sowie über Tiere und Pflanzen stellen eine einzigartige Chronik der letzten 7000 Jahre menschlicher Kultur dar", hieß es in der Mitteilung der Unesco.

Auch die Transiranische Eisenbahn, die über rund 1400 Kilometer und vier Klimazonen hinweg das Kaspische Meer mit dem Persischen Golf verbindet, kam auf die Liste. Ebenso der Rudreshwara-Tempel, ein bedeutendes Shiva-Heiligtum, in Indien aus dem 12. bis 14. Jahrhundert und der Markt- und Handelsplatz der Song-Yuan-Dynastie in der chinesischen Stadt Quanzhou. Die Stadtplanung in der Handelsmetropole "zeigt den großen Beitrag für die Entwicklung Ost- und Südostasiens auf", begründete die Unesco die Entscheidung.

In Frankreich wurde der 1584 auf einem Felsplateau vor der Gironde-Mündung errichtete Leuchtturm von Cordouan in die Unesco-Welterbeliste aufgenommen. Der mit Säulen und Wasserspeiern verzierte Turm ist laut der Unesco ein künstlerisches, handwerkliches und technologisches Meisterwerk - und bis heute in Betrieb.

Im italienischen Padua gehört nun ein Freskenzyklus im Stadtzentrum aus dem 14. Jahrhundert zur Welterbeliste. In Spanien kommt die Madrider Landschaft der Künste und Wissenschaften, der Paseo del Prado und Buen Retiro, hinzu, die laut des Komitees als "ein herausragendes Beispiel für neue städtebauliche Modelle im aufgeklärten Absolutismus des 18. Jahrhunderts" gilt.

Das Unesco-Welterbekomitee tagt noch bis zum 31. Juli online. Weltweit stehen auf der Liste des Unesco-Welterbes mehr als 1100 Kultur- und Naturstätten in 167 Ländern.

mkü/lan

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