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Wie der unerwartete Coup in Dortmund Köln erlöst

Maximilian Lotz
·Lesedauer: 4 Min.

Nach dem unverhofften, aber nicht minder erlösenden Befreiungsschlag kehrte beim 1. FC Köln auch der Humor wieder zurück.

Kölns Trainer Markus Gisdol regte angesichts des Notstands im Sturm eine neue Rückennummer für seinen Matchwinner Ellyes Skhiri an.

"Ich denke, dass wir Ellyes jetzt im nächsten Spiel auf jeden Fall die 9 geben", sagte Gisdol lachend.

Der CHECK24 Doppelpass mit Benedikt Höwedes und Steffen Freund am Sonntag ab 11 Uhr im TV auf SPORT1

1. FC Köln beendet dank Skhiri Sieglos-Serie in Dortmund

Mit zwei nahezu identisch herausgespielten Toren nach zwei Eckbällen führte Skhiri (9., 60.) die Kölner beim überraschenden 2:1 (1:0)-Sieg bei Borussia Dortmund zum ersehnten ersten Saisonsieg - dem ersten Dreier nach 18 sieglosen Ligapartien in Serie, durch den die Kölner die Abstiegszone verließen. (Tabelle der Bundesliga)

"Die Serie zuletzt war sehr schlecht und das Selbstvertrauen ist immer weiter nach unten gegangen", sagte Skhiri anschließend. "Dieses Mal haben wir eine bessere Einstellung gezeigt, das Maximum gegeben und sind deshalb glücklich über die drei Punkte."

Für die Kölner war es der erste Auswärtssieg in Dortmund seit fast 30 Jahren. Im April 1991 gewann der FC zuletzt beim BVB, damals war Helmut Kohl noch Bundeskanzler und in der Bundesliga war der 1. FC Kaiserslautern gerade auf dem Weg zum dritten Meistertitel.

Köln plagen große Personalsorgen

"Dass heute der Zeitpunkt ist, hätten die Wenigsten geglaubt", sagte Torhüter Timo Horn bei Sky. "Wir sind arg dezimiert angereist. Wir haben gestern noch zwei Jungs im Abschlusstraining verloren. Aber wie sich die Jungs gegen einen eigentlich übermächtigen Gegner reingehängt haben, war sensationell. Ich bin mächtig stolz auf die Jungs."

Insbesondere durch den kurzfristigen Ausfall von Sebastian Andersson herrschte im Sturmzentrum akuter Notstand, zumal auch Anthony Modeste nach langer Pause noch nicht hundertprozentig fit ist. Zudem fehlte Innenverteidiger Jorge Meré, für ihn debütierte der 19-jährige Sava-Arangel Cestic in der Kölner Dreierreihe. (Das Spiel zum Nachlesen im Ticker)

Die Bundesliga-Highlights am Sonntag ab 9.30 Uhr in Bundesliga Pur im TV auf SPORT1

In der Offensive bot Gisdol Mittelfeldspieler Ondrej Duda als falschen Neuner auf. In die Rolle eines echten Knipsers schlüpfte Skhiri, der schon vergangene Woche beim 1:2 gegen Union Berlin getroffen hatte und nun in seinem 40. Bundesligaspiel erstmals doppelt traf.

Matchwinner Skhiri lobt Zusammenhalt

"Ich habe einfach versucht, in einer guten Position zu sein, wenn der Ball zu mir kommt", sagte Ellyes nach seinem Doppelpack nach zwei einstudierten Eckenvarianten, jeweils nach Vorarbeit von Marius Wolf. "Aber das Wichtigste waren nicht meine Tore, sondern der Zusammenhalt und der Sieg."

Mit einer Laufleistung von über 123 Kilometern, fast neun (!) Kilometer mehr als die Dortmunder, verdienten sich die Kölner mit einem leidenschaftlichen Auftritt den Sieg - trotz eines Minusrekords an eigenen Torschüssen in dieser Saison (sieben) und nur 35 Prozent Ballbesitz.

"Diese Mannschaft kann Dinge leisten, die man von ihr in den letzten Wochen vielleicht nicht gesehen hat", erklärte Gisdol. "Das hängt mit menschlichen Dingen zusammen, mit fehlendem Selbstvertrauen. Das müssen wir uns zurückerarbeiten. Es war ein sehr wichtiger Schritt, dass wir das Spiel gegen eine eigentlich übermächtige Mannschaft gewonnen haben."

Horn: "Unsere Situation mehr als brenzlig"

Keeper Horn, der beim Anschlusstreffer von Thorgan Hazard (74.) machtlos war, aber in der Schlussphase gegen Mats Hummels (87.) glänzend reagierte, meinte: "Es wurde viel geschrieben und viel von außen reingetragen. Je länger du nicht gewinnst, desto schwieriger wird das natürlich. Im Vorfeld hätten wir auch einen Punkt unterschrieben. Dass es am Ende drei in Dortmund werden, ist so nicht zu erwarten gewesen."

Nun gilt es, nachzulegen. Das Kölner Restprogramm bis Weihnachten hat es mit dem VfL Wolfsburg, Mainz 05, Bayer Leverkusen und RB Leipzig durchaus in sich. "Unsere Situation ist mehr als brenzlig", weiß auch Horn. "Es wird nicht leichter. Wir müssen weiter hart an uns arbeiten, um am Ende in der Liga zu bleiben. Nur darum geht es." (Spielplan der Bundesliga)

Und Matchwinner Skhiri ergänzte: "Wir werden auf jeden Fall glücklich zurückfahren, weil wir dieses Ergebnis gebraucht haben als Mannschaft. Wir können nun durchatmen und uns dann auf kommende Spiele konzentrieren."