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Dieser unblutige Krieg eskaliert gerade – mit Cybersecurity-Aktien kann man zumindest davon profitieren

·Lesedauer: 4 Min.
Alter Mann mit Waffe

Das schöne Internet früherer Jahre ist kaputt. Mächtige Kartelle, Unternehmen und politische Akteure liefern sich im Hintergrund epische Schlachten. Das Schlimme dabei ist, dass sich die Auswirkungen vermehrt auch im Vordergrund abspielen, wie aktuelle Beispiele zeigen. Wir sind dem Treiben fast ohnmächtig ausgeliefert. Aber immerhin haben wir die Möglichkeit, mit Cybersecurity-Aktien zu partizipieren.

Das Internet ist am Anschlag

Die schöne neue Welt des Internets bietet für viele Menschen mittlerweile Bandbreiten im Bereich von 1.000 Megabit pro Sekunde. Das ist eine unfassbare Geschwindigkeit für Leute wie mich, die vor über 20 Jahren noch mit 56-Kilobit-Modems angefangen haben.

Eine Familie kann parallel an hochaufgelösten Videokonferenzen teilnehmen, Spielfilme gucken und Spiele zocken – alles gestreamt über Glasfaser. Es ist der helle Wahnsinn. Aber was ist mit dem klassischen Internetsurfen passiert?

Als interessierter Mensch oder Wissensarbeiter möchte man täglich viele verschiedene Seiten besuchen. Dabei stößt man in letzter Zeit auf immer größere Hürden. Früher waren es nur gelegentlich nervige Werbebanner. Heute muss man ständig Cookie-Hinweise wegklicken. Will man das Datensammeln auf das Minimum reduzieren, kostet es in der Regel zusätzliche Klicks.

Hinzu kommt, dass mich ein Algorithmus täglich mehrmals sekundenlang daraufhin prüft, ob ich ein Mensch bin und ob verdächtige Aktivitäten von meinem System ausgehen. Ist die künstliche Intelligenz aus irgendeinem Grund unzufrieden, wird mir der Zugang ganz verwehrt. Im Zweifelsfall muss ich noch Boote oder Radfahrer anklicken.

Bin ich dann endlich auf der gewünschten Seite, werde ich nicht selten mit zwei Absätzen abgespeist – Bezahlschranke. Was bringen mir da die 1.000 MBit/s, wenn ich doch überall ausgebremst werde? Da erinnere ich mich fast nostalgisch an die guten AOL-Zeiten zurück, als das Internet noch eine Welt für Entdecker und Pioniere war, die sich in den Cyberspace wagten.

Die Gründe für das Desaster

Das mit den Cookie-Hinweisen ist ein kläglicher Versuch, den Datenschutz zu stärken. Doch obwohl ich schon Zigtausend dieser Hinweise weggeklickt habe, fühle ich mich kaum besser geschützt. Es mag seine Berechtigung haben, aber irgendwie scheint es aus dem Ruder zu laufen.

Ein ganz anderes Kaliber ist jedoch das mit der Überprüfung auf das Menschsein. Warum entscheiden sich immer mehr Website-Betreiber dafür, solche aufwendigen und nervigen Sicherheitsmechanismen einzusetzen? Für eine Antwort muss man eigentlich nur die Nachrichten schauen:

  • Ransomware-Attacke auf Apple-Produzent

  • Verlagsgruppe Madsack wird Opfer eines Trojaner-Angriffs

  • Erpressungstrojaner eCh0raix und Qlocker haben es auf Qnap NAS abgesehen

  • Massive IT-Probleme bei Acer

Dies sind alles Meldungen aus den letzten Wochen. Die Experten von CybelAngel ermittelten, dass Ransomware-Angriffe in der Coronapandemie um 148 % zulegten. Und im laufenden Jahr soll alles noch viel schlimmer werden, sowohl in der Frequenz als auch im Ausmaß.

Dass aktuell in den USA eine der wichtigsten Pipelines außer Gefecht gesetzt werden konnte, zeigt die Tragweite. Millionen Menschen sind davon direkt betroffen. Viele stehen aktuell in der Schlange, um ihren Pick-up volltanken zu können, solange es noch Kraftstoff gibt.

Es werden Anlagen stillgelegt, Tausende Unternehmen erpresst, Informationskanäle für Propaganda gehackt, riesige Datensätze gestohlen, Betriebsgeheimnisse abgegriffen, Infrastruktur sabotiert oder Politik beeinflusst. Das Spektrum ist breit und die Schäden weitreichend.

Durch das rasend schnelle Internet und die Zentralisierung in Cloud-Rechenzentren sind die Möglichkeiten der Hacker exponentiell gewachsen. Deswegen müssen wir uns jetzt mit Mehrfaktor-Authentifizierung, lästiger Sicherheitssoftware und nervigen Algorithmen herumschlagen. Die kriminelle Energie ist mittlerweile so gewaltig, dass nur noch das Maximum an Schutzmechanismen zumindest etwas Hoffnung lässt, dass die Festung dem feindlichen Ansturm standhalten kann.

Was uns bleibt, sind Cybersecurity-Aktien

Für Anbieter, die im Bereich der Cybersecurity erfolgreich unterwegs sind, sollte es daher jede Menge zu tun geben. Kein Wunder also, dass sich zum Beispiel der First Trust NASDAQ Cybersecurity ETF (WKN: A2P4HV) in den letzten fünf Jahren fast verdreifacht hat. Darin enthalten sind nicht nur Software-Spezialisten, sondern auch Hardware-Konzerne wie Cisco (WKN: 878841) und große IT-Integratoren wie Accenture (WKN: A0YAQA).

Auch solche eher defensiven Werte profitieren sicherlich von dem wachsenden Bewusstsein für die Bedeutung von sicheren IT-Infrastrukturen. Aggressiver setzt man jedoch mit fokussierteren Cybersecurity-Aktien auf dieses Thema. Verantwortlich für die vorgenannten Prüfungen auf mein Menschsein ist beispielsweise häufig Cloudflare (WKN: A2PQMN). Dieses Unternehmen boomt derzeit zweifellos.

Klar ist aber auch, dass 22 Mrd. US-Dollar Marktkapitalisierung bei zuletzt 431 Mio. US-Dollar Umsatz ein starkes Wort sind. Doch Sicherheit hat seinen Preis. Unter den Cybersecurity-Aktien entstehen derzeit einige der neuen Giganten der laufenden Dekade.

Der Artikel Dieser unblutige Krieg eskaliert gerade – mit Cybersecurity-Aktien kann man zumindest davon profitieren ist zuerst erschienen auf The Motley Fool Deutschland.

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Ralf Anders besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt und empfiehlt Aktien von Accenture und Cloudflare Inc.

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