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Warum ihr unbedingt anfangen solltet, über Geld zu sprechen – und wie ihr es am besten anstellt

Margarethe Honisch
·Lesedauer: 4 Min.
In einer Partnerschaft solltet ihr frühzeitig über Geld sprechen - bevor es zum Tabu wird.
In einer Partnerschaft solltet ihr frühzeitig über Geld sprechen - bevor es zum Tabu wird.

Es vergeht kein Tag, an dem wir nicht in irgendeiner Weise Kontakt zu Geld haben, wenn wir morgens den Kaffee beim Bäcker bezahlen, ins Büro fahren, um Geld zu verdienen oder uns am Abend mit ein wenig Online-Shopping auf dem Sofa von einem stressigen Tag ablenken – Geld ist allgegenwärtig. Trotzdem reden wir nicht darüber. Gespräche über Geld sind ein soziales, gesellschaftliches und sogar psychologisches Tabu. Eher sprechen wir über unser Sexleben oder unsere gesundheitlichen Probleme.

Warum? Weil wir nicht verurteilt werden wollen.

Welches Bild habt ihr im Kopf, wenn ich euch erzähle, dass ich mich gestern mit einem Mann unterhalten habe – einem reichen? Vielleicht denkt ihr an einen smarten und erfolgreichen Businesstypen. Vielleicht aber auch an einen unausstehlichen Proll mit Rolex und tiefergelegtem BMW. Geld löst in uns bestimmte Vorstellungen und Emotionen aus – bei den meisten Menschen leider negative. Wenn wir Verdienst oder Vermögen von jemanden kennen, öffnen wir oft die entsprechende Schublade dafür und sortieren unser Gegenüber darin ein.

Während die einen bei Geld an Sicherheit, Erfolg, Freiheit und Glück denken, steht es für die anderen im Zusammenhang mit Angst, Schuld, Abhängigkeit und Neid. Ob bewusst oder unbewusst: Viele Menschen messen sich selbst und andere nach dem eigenen Einkommen oder Vermögen.

Ich verrate euch jetzt mal ein Geheimnis: Auch ich habe im Bekanntenkreis schon mal über Geld gelogen, und mein Einkommen nach unten korrigiert. Nur weil ich nicht wollte, dass meine Freunde mich der Kategorie “Reiche, kinderlose Alleinverdienerin” zuordnen. Dabei kenne ich sie aus einer Zeit, als ich mich am Monatsende nur noch von Toastbrot mit Käse ernähren konnte. Umso absurder waren meine Sorgen.

Daher mein erster Tipp: Macht euch klar, dass Geld nichts mit euch als Menschen zu tun hat. Armut und Reichtum werden durch viele Faktoren beeinflusst, Charaktereigenschaften gehören nur selten dazu. Mittlerweile wird in meinem Freundeskreis sehr offen über Geld gesprochen.

Einen Cappuccino und einen Aktientipp, bitte!

Ich habe außerdem gelernt, dass viele Menschen über Geld sprechen möchten. In meiner Rolle als Finanzbloggerin wurde ich schon während Konferenzen am Kaffeeautomaten von mir vollkommen unbekannten Menschen zu Finanzdingen befragt. Ohne überhaupt den Vornamen zu kennen, erzählten mir manche, wie viel sie verdienten, was sie angespart hatten und wollten diskutieren, welche Anlagestrategie für sie die passende wäre.

Wichtig dabei ist aber: Niemand möchte unaufgefordert Tipps bekommen. Auch wenn mich nach Vorträgen oder Workshops oft Menschen um konkrete Ratschläge fragen, gebe ich sie nicht, ohne eine konkrete Aufforderung. Und das solltet ihr auch nicht im Freundeskreis machen – ein offener Austausch übers Sparen oder Budgetieren ist meist der bessere Weg.

Hostel oder 5-Sterne-Hotel?

Wusstet ihr, dass Geldgespräche nicht nur befreiend sein können, sondern ein Ignorieren des Themas sogar viele Nachteile birgt? Ohne den Austausch haben wir Defizite in unserer Finanzkompetenz, wir verkaufen unsere Arbeitskraft unter Wert, weil wir uns mit unseren Arbeitskollegen nicht über unser Gehalt austauschen und ehemals Verheiratete stehen nach der Scheidung plötzlich mit einem Haufen Schulden und hohen Gerichtskosten da, weil sie nicht vorher offen über ihre finanzielle Situation gesprochen haben.

Viele Paare sprechen nicht über Geld und wissen nicht, was die andere Person verdient. Mir hat mal eine Frau geschrieben, dass sich ausschließlich ihr Mann um die gemeinsamen Finanzen kümmert und sie nicht mal einen Einblick bekam. Auf konkretes Nachfragen, bekam sie zur Antwort: „Wieso möchtest du das jetzt wissen? Willst du dich scheiden lassen?“ Die Folge: Laut einer Studie der UBS gaben 56 Prozent der befragten Frauen an, dass sie nach dem Tod ihres Ehepartners eine finanzielle Überraschung erlebten – und zwar keine von der guten Sorte.

Wenn ihr mit eurem Partner oder eurer Partnerin nicht über Geld sprecht, wird es auch schwierig, gemeinsame Pläne zu schmieden. Es fängt an bei der Überlegung, wohin die nächste Reise gehen soll – Hostel oder 5-Sterne-Hotel? Schnell geht’s aber um die Frage, was die erste gemeinsame Wohnung kosten darf und wie mit gemeinsamen Kosten umgegangen wird. Spätestens wenn das erste Kind da ist, müssen sich viele Paare fragen: Wie wird Kindererziehung aufgeteilt und wie geht man mit Gehaltseinbußen um? Geldgespräche in der Beziehung gehören eben nicht nur zur Reise- sondern auch zur Lebensplanung dazu. Geht das Thema also schon früh offen an, bevor es zum Tabu wird.

Über Geld zu sprechen (und zu schreiben) macht nicht nur Spaß – es bringt uns beruflich und privat weiter. Deswegen werde ich hier in Zukunft regelmäßig über Geld schreiben und dir zeigen, wie du aus deinem Geld mehr machen kannst.

Margarethe Honisch ist Finanzbloggerin und Buchautorin. Auf ihrer Website Fortunalista und ihrem gleichnamigen Instagram-Account gibt sie Tipps rund um Altersvorsorge und Geldanlage. Für Business Insider schreibt sie die Kolumne "Aus Geld mehr machen".