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Wie (un)zuverlässig die Corona-Schnelltests in Schulen und Kitas in eurem Bundesland wirklich sind

·Lesedauer: 14 Min.
Nachdem die Kinder in einer Kindertagesstätte am Vormittag eine Corona-Pooltestung (Lollitest) gemacht haben, werden die Testkassetten eingesammelt.
Nachdem die Kinder in einer Kindertagesstätte am Vormittag eine Corona-Pooltestung (Lollitest) gemacht haben, werden die Testkassetten eingesammelt.

Bund und Länder haben die Absicht, auch angesichts steigender Infektionszahlen die Schulen und Kitas in der Omikron-Welle geöffnet zu halten. Weil viele Kinder und Jugendliche noch nicht geimpft sind und in vielen Einrichtungen noch immer keine Luftfilter installiert wurden, sind Corona-Schnelltests das wichtigste Mittel, um eine Ausbreitung des Coronavirus in Schulen und Kitas einzugrenzen.

In den öffentlichen Schulen und Kindertagesstätten sind die Bundesländer oder Kommunen dafür zuständig, Kinder und Personal mit den sogenannten Antigentests zu versorgen. Business Insider hat die Gesundheits- und Kultusministerien der Länder gefragt, welche Schnelltests dabei verwendet werden. Anschließend wurden die entsprechenden Tests mit einer Effektivitätsstudie des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) aus dem vergangenen Jahr abgeglichen.

Die Business-Insider-Recherche zeigt: In vielen Schulen und Kitas kommen Schnelltests zur Anwendung, die Corona-Infektionen nicht genau erfassen. Zu beachten sind dabei drei Sachen.

Erstens, dass die PEI-Studie durchgeführt wurde, als es noch keine Omikron-Variante gab. Letztere ist womöglich durch Corona-Schnelltests noch schwieriger zu detektieren, die Ergebnisse aus der PEI-Studie könnten also von der heutigen Test-Sensitivität abweichen. Das heißt: Die Zuverlässigkeit der Tests könnte noch niedriger sein als in der PEI-Studie.

Zweitens gelten dem Paul-Ehrlich-Institut zwar schon Corona-Schnelltests, die drei Viertel aller Infektionen erkennen, als zuverlässig. Bei Millionen täglich in Deutschland durchgeführten Schnelltests bei Kindern und Jugendlichen ist es dennoch höchst bedenklich, wenn ein Viertel oder sogar mehr Infektionen von Corona-Tests nicht erkannt würden.

Drittens, dass Corona-Schnelltest ihre verlässlichste Wirksamkeit haben, je höher die Viruslast im Infizierten ist. Gerade bei der Omikron-Variante wird das zum Problem, da der Moment, in der die Viruslast im Infektionsverlauf am höchsten ist, nur sehr kurz gegeben ist.

Lest hier, welche Corona-Schnelltests in eurem Bundesland verwendet werden – und wie zuverlässig sie sind:

Baden-Württemberg

Die Landesregierung in Baden-Württemberg versorgt Schulen und Kitas laut Angaben des Gesundheitsministeriums mit Corona-Schnelltests zehn verschiedener Hersteller.

Durchwachsene Werte weist in Baden-Württemberg etwa ein Antigen-Test des Herstellers Acon Biotech auf. Er erkennt laut Studie des Paul-Ehrlich-Instituts zwar 94 Prozent aller Infektionen bei sehr hoher Viruslast. Das übertrifft die großzügigen Mindestanforderungen des Paul-Ehrlich-Instituts von 75 Prozent Sensitivität. Doch ist die Viruslast beim Testen nur hoch, erkennt der Schnelltest von Acon Biotech nur vier Prozent aller Infektionen.

Ähnlich sind die Werte beim Schnelltests des Herstellers SD Bionsensor. Er erkennt bei sehr hoher Viruslast 89 Prozent aller Infektionen, bei hoher Viruslast werden 70 Prozent der Infektionen jedoch nicht erkannt. Solche drastischen Spannen bei der Sensitivität bei sehr hoher beziehungsweise hoher Viruslast finden sich auch bei anderen in Baden-Württemberg verwendeten Tests: Beim Hersteller Lepu Medical Technology werden 100 Prozent der Infektionen bei sehr hoher Viruslast, aber nur 26 Prozent bei hoher Viruslast erkannt.

Rätsel gibt der in Baden-Württemberg verwendete Test des Herstellers IEDAU International auf. Er wurde in der Studie des Paul-Ehrlich-Instituts im vergangenen Jahr nicht untersucht und findet sich auch nicht auf der Schnelltest-Liste des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (Bfarm). Dafür könnte es zwei Erklärungen geben: Entweder, der Test wurde vom PEI untersucht, für mangelhaft befunden und von der Bfarm-Liste gestrichen – oder er ist dort nie aufgetaucht, wodurch über seine Wirkung nichts bekannt wäre.

Letztlich weisen vier der zehn in Baden-Württembergs Schulen und Kitas verwendeten Tests weitgehend gute Werte auf. Die Tests von vier Herstellern – Beijing Hotgen Biotech, MP Biomedicals Germany, Safecare Biotech und New Gene Bioengineering – erkennen 100 Prozent aller Infektionen bei sehr hoher Viruslast. Bei hoher Viruslast schwanken die Ergebnisse bei den Schnelltests jedoch zwischen 44 und 87 Prozent.

Bayern

In Bayern wurde laut Angaben des Landesgesundheitsministeriums seit Beginn des landesweiten Einsatzes von Schnelltests mit Tests von sieben verschiedenen Herstellern an Schulen und Kitas getestet.

Nur einer der an bayerischen Einrichtungen verwendeten Tests überzeugte in der Studie des Paul-Ehrlich-Instituts weitgehend: Der Schnelltest des Herstellers Safecare Biotech, der 100 Prozent der Infektionen mit sehr hoher und 61 Prozent der Infektionen mit hoher Viruslast erkannte. Nicht viel schlechter schnitt der Test des Herstellers Xiamen Boson Biotech ab, mit einer Sensitivität von 100 Prozent bei sehr hoher, jedoch nur 44 Prozent bei hoher Viruslast.

Vier der in Bayerns Schulen und Kitas verwendeten Tests weisen durchwachsene Werte auf. Der Schnelltest des Herstellers Nal von Minden entdeckte laut PEI 83 Prozent aller Corona-Infektionen bei sehr hoher, aber nur 13 Prozent bei hoher Viruslast. Beim Test des Herstellers SD Biosensor liegt das Verhältnis bei 89 zu 30, beim Test des Herstellers Acon Biotech bei 94 zu vier Prozent. Der Test des Herstellers Guangthou Wondfo Biotech erkennt laut PEI 88 Prozent aller Infektionen bei sehr hoher Viruslast. Bei hoher Viruslast erkennt er allerdings keine positiven Corona-Fälle.

Schlussendlich wird in Bayern auch ein Schnelltest der Firma Healgen Scientific LLC in Schulen und Kitas verwandt. Er wurde im vergangenen Jahr nicht in der Studie des Paul-Ehrlich-Instituts untersucht. Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte führt den Test in seiner Schnelltest-Liste auf. Er wurde jedoch noch nicht vom PEI überprüft – so lässt sich keine Aussage über seine Zuverlässigkeit treffen.

Die bayerische Landesregierung scheint sich der Tatsache bewusst, dass die Zuverlässigkeit der Schnelltests stark schwankt. Eine Sprecherin teilt mit: "Diese Testauswahl spiegelt die zum jeweiligen Beschaffungszeitpunkt bestehende Verfügbarkeit von Schnelltests am Weltmarkt wider, aus der sich jedoch keine Rückschlüsse auf die Qualität der angebotenen Schnelltests ziehen lässt."

Berlin

In der Hauptstadt werden laut Angaben des Gesundheitsressorts des Senats in Schulen und Kitas zwei verschiedene Tests verwendet. Der des Herstellers Anhui Deepblue Medical Technology erkennt laut Überprüfung durch das Paul-Ehrlich-Institut zwar 100 Prozent aller Infektionen bei sehr hoher Viruslast. Über 60 Prozent der Infektionen bei hoher Viruslast werden jedoch nicht erkannt.

Der ebenfalls in Berlin verwendete Test des Herstellers NanoRepro wurde durch das PEI zwar nicht in seiner Studie, jedoch in Verbindung mit seiner Aufnahme in die Bfarm-Liste geprüft – und als zuverlässig eingestuft. Nach Informationen von Business Insider kommen in Berliner Kindertagesstätten auch Tests des Herstellers Nal von Minden zum Einsatz. Diese erkennen bei sehr hoher Viruslast 83 Prozent aller Corona-Infektionen – knapp jede fünfte Infektion also nicht. Bei hoher Viruslast liegt die Sensitivität sogar nur bei 13 Prozent.

Brandenburg

In Brandenburg werden unterschiedliche Tests in Kindertagesstätten und an Schulen eingesetzt. Für Kita-Kinder und -Personal wurden in drei Tranchen drei verschiedene Tests besorgt. In der ersten Tranche wurden Schnelltests des Herstellers Nal von Minden geliefert. Diese Erkennen der Studie des Paul-Ehrlich-Instituts zur Folge 83 Prozent aller Corona-Infektionen bei sehr hoher Viruslast – fast jede fünfte Infektion also nicht. Ist die Viruslast lediglich hoch, werden nur 13 Prozent der Infektionen erkannt.

In der zweiten Tranche wurde ein effektiverer Test besorgt: Der Schnelltest des Herstellers Shenzen Watmind kommt in der PEI-Studie auf fantastische Werte von 100 Prozent erkannten Infektionen bei sehr hoher und 96 Prozent erkannten Infektionen bei hoher Viruslast. Auch der in der dritten Tranche bestellte Test des Herstellers Wantai schnitt gut ab: 100 Prozent Sensitivität bei sehr hoher und 78 Prozent Sensitivität bei hoher Viruslast.

Die Effektivität der an Brandenburger Schulen verwendeten Corona-Schnelltests ist grunsätzlich gut bis akzeptabel. So erkennt ein verwendeter Test des Herstellers Jointstar laut PEI-Studie 100 Prozent der Infektionen bei sehr hoher und 61 Prozent der Infektionen bei hoher Inzidenz; ein Test des Herstellers Ameda kommt sogar auf 100 beziehungsweise 78 Prozent Sensitiviität. Die Tests der Hersteller NanoRepro und VerinoPro finden sich zwar nicht in der Studie des Paul-Ehrlich-Instituts, dafür jedoch auf der Bfarm-Liste, wo sie vom Institut als zuverlässig eingestuft wurden. Etwas ab fällt der Test des Herstellers Clongene, der in der PEI-Studie zwar 94 Prozent aller Corona-Infektionen bei sehr hoher Viruslast erkannte, jedoch nur 35 Prozent der Infektionen bei hoher Viruslast.

Bremen

In Bremen werden verschiedene Corona-Schnelltests für Kita-Personal, Grundschüler und deren Lehrkräfte sowie ältere Schüler und deren Lehrkräfte verwendet.

Die knapp 25.000 Grundschüler in Bremen sowie ihre Lehrerinnen und Lehrer werden laut Angaben des Senats vor allem mit einem Test des Herstellers Beijing Lepu Medical Technology getestet. Laut Studie des Paul-Ehrlich-Instituts erkennt dieser bei sehr hoher Viruslast 100 Prozent der Corona-Infektionen; bei einer hohen Viruslast werden jedoch nur ein Viertel der Infektionen nachgewiesen. Drei Viertel aller Infektionen werden also nicht erkannt. Besser wirkt der Test des Herstellers Anbio, der jedoch nur "sehr vereinzelt" eingesetzt wird: Er erkennt 100 Prozent der Infektionen bei sehr hoher und immerhin noch 52 Prozent aller Infektionen bei hoher Viruslast.

Für die circa 61.000 Schülerinnen und Schüler an weiterführenden Schulen sowie deren Lehrkräfte verwendet Bremen den Schnelltest des Herstellers Safecare Biotech, der 100 Prozent der Infektionen mit sehr hoher und 61 Prozent der Infektionen mit hoher Viruslast erkennt. Sehr effektiv ist zudem der Test, mit dem Bremer Kita-Personal getestet wird: Der Schnelltest des Herstellers NewGene Bioengineering erkennt 100 Prozent der Infektionen bei sehr hoher und 87 Prozent der Infektionen bei hoher Viruslast.

Hamburg

Der Hamburger Senat hat für Schulen und Kitas weitgehend zuverlässige Tests beschafft. Früher seien Schnelltests des Herstellers Genrui gekauft worden, teilt ein Sprecher des Gesundheitsressorts mit. Das Paul-Ehrlich-Institut konstatierte bei seiner Studie aus dem vergangenen Jahr eine Sensitivität von 94 Prozent bei Infektionen mit sehr hoher Viruslast und 57 Prozent bei hoher Viruslast.

In der aktuellen Beschaffung habe Hamburg Schnelltests von Siemens Healthcare ausgewählt, so der Sprecher weiter. Einen besseren Schnelltest gibt es kaum: Siemens Tests erkannten in der Paul-Ehrlich-Studie 100 Prozent der Infektionen bei sehr hoher und 87 Prozent der Infektionen bei hoher Viruslast.

Hessen

Das hessische Gesundheitsministerium macht keine Angaben dazu, welche Tests in den Schulen und Kitas des Bundeslandes angewandt werden. Zuständig dafür, die entsprechenden Schnelltests zu besorgen, seien die Kommunen. Das bedeutet: In Hessen werden Schnelltests dezentral gekauft, je nach Stadt oder Landkreis kommen unterschiedliche Tests zum Einsatz. Das Land finanziert die Schnelltests lediglich zur Hälfte.

Niedersachsen

Von den 14 verschiedenen Corona-Schnelltests, die in niedersächsischen Schulen und Kindertagesstätten zur Anwendung kommen, weisen einige teils dramatisch schlechte Effektivitätswerte auf.

So wurden Schul- und Kitakinder in Niedersachsen unter anderem mit dem Schnelltest des chinesischen Herstellers Hangzhou Alltest Biotech getestet. Laut Studie des Paul-Ehrlich-Instituts erkennt dieser selbst bei einer sehr hohen Viruslast – also dem Höhepunkt einer Infektion – jedoch nur 17 Prozent aller Corona-Infektionen. Ist die Viruslast lediglich hoch, erkennt der Test keine Infektion.

Ein weiterer Extremfall ist der Schnelltest des chinesischen Herstellers Guangzhou Wondfo Biotech. Dieser erkennt immerhin noch 88 Prozent aller Corona-Infektionen bei sehr hoher Viruslast. Ist die Viruslast hoch, erkennt der Test jedoch keine Infektionen. Auch der aus China importierte Schnelltest des Herstellers Hangzhou Laihe Biotech ist nicht vollends zuverlässig: Zwar erkennt er 94 Prozent aller Corona-Infektionen bei sehr hoher Viruslast – jedoch nur 17 Prozent bei einer hohen Viruslast.

Die restlichen der weiteren in Niedersachsens Schulen und Kitas verwendeten Corona-Schnelltests weisen zumindest bei sehr hoher Viruslast ordentliche bis gute Werte bei der Überprüfung durch das Paul-Ehrlich-Institut auf: Zwischen 89 und 100 Prozent aller Infektionen werden erkannt. Doch ist nur eine hohe Viruslast gegeben, schwankt die Wirksamkeit erheblich. Einige Tests erkennen hier noch zwei Drittel oder sogar über drei Viertel aller Infektionen. Viele sind jedoch deutlich weniger effektiv; die Zahl der erkannten Infektionen schwankt hier zwischen 30 und 52 Prozent.

Nordrhein-Westfalen

Im bevölkerungsreichsten Bundesland der Republik werden laut Angeben des Landesgesundheitsministeriums nur zwei verschiedene Corona-Schnelltests in Schulen und Kitas angewandt – und beide sind zumindest bei sehr hoher Viruslast zuverlässig.

Der Test des chinesischen Herstellers Safecare Biotech erkennt der Paul-Ehrlich-Studie aus dem vergangenen Jahr zufolge 100 Prozent der Infektionen bei sehr hoher und 61 Prozent der Infektionen bei hoher Viruslast. Der Test des ebenfalls chinesischen Herstellers Anbio erkennt ebenfalls 100 Prozent der Corona-Infektionen bei sehr hoher Viruslast. Ist die Viruslast jedoch lediglich hoch, wird fast jede zweite Infektion nicht erkannt.

Rheinland-Pfalz

Laut Angaben des Bildungsministeriums werden in Rheinland-Pfalz aktuell zwei verschiedene Corona-Tests an die Schulen im Land ausgegeben.

Das ist zum einen der Schnelltest des chinesischen Herstellers Guangdong Wesail Biotech: Er erkennt 100 Prozent der Infektionen bei sehr hoher Viruslast; knapp jede zweite Infektion bei hoher Viruslast wird nicht erkannt. Der zweite an Rheinland-Pfalz' Schulen verwendete Test ist der des Herstellers Safecare Biotech. Er erkennt 100 Prozent der Infektionen bei sehr hoher und 61 Prozent der Infektionen bei hoher Viruslast.

Bemerkenswert ist, dass das Gesundheitsministerium in Rheinland-Pfalz einräumt, dass es nicht möglich sei, immer die gleichen und gleichermaßen zuverlässigen Tests anzubieten. "Das Land hat in den vergangenen Monaten verschiedene Tests zur Verfügung gestellt", teilt ein Sprecher des Bildungsministeriums mit. "Welche Tests eingesetzt werden, hängt maßgeblich von den Vergabeverfahren ab, an die wir rechtlich gebunden sind." Und bei diesen Verfahren, auch aufgrund der schwierigen Lage am Markt für Schnelltests: "Den Zuschlag erhält der Anbieter mit dem wirtschaftlichsten Angebot." Also nicht zwingend der, der den zuverlässigsten Test anbietet.

Saarland

Das Saarland verwendet verschiedene Corona-Schnelltests in Kitas und Grundschulen sowie weiterführenden Schulen. Für jüngere Kinder wird ein Lolli-Test des chinesischen Herstellers Guangzhou Decheng verwendet. Der Test wurde durch das Paul-Ehrlich-Institut bei seiner Studie aus dem vergangenen Jahr nicht überprüft, findet sich aber auf der Liste für Selbsttests beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (Bfarm). Bei einer Überprüfung hat ihn das PEI demnach als zuverlässig eingestuft.

Ältere Kinder und Jugendliche werden im Saarland mit einem Schnelltest des Herstellers NanoRepro getestet. Auch dieser findet sich nicht in der PEI-Studie, auch dieser ist jedoch durch die Bfarm gelistet und wurde in diesem Kontext vom PEI als zuverlässig eingestuft.

Sachsen

In Sachsen kommen in Schulen und Kitas zwei verschiedene Corona-Tests zum Einsatz. Beide schnitten in der Studie des Paul-Ehrlich-Instituts sehr gut ab. Der Schnelltest des Herstellers Newgene Bioengineering erkennt demnach 100 Prozent aller Infektionen bei sehr hoher und 87 Prozent aller Infektionen bei hoher Viruslast. Der Test des Herstellers Safecare Biotech erkennt 100 Prozent der Infektionen bei sehr hoher und 61 Prozent der Infektionen bei hoher Viruslast.

Schleswig-Holstein

Das Gesundheitsministerium in Schleswig-Holstein stellte auf Anfrage nur Informationen zu in seinen Kitas verwendeten Schnelltests zur Verfügung. In diesen kommt demnach der Antigen-Selbsttest des Herstellers Panbio zum Einsatz. Eine gute Wahl: Der Test erkennt laut dem Paul-Ehrlich-Institut 100 Prozent aller Corona-Infektionen bei sehr hoher und 61 Prozent aller Infektionen bei hoher Viruslast.

Thüringen

In Thüringen wird für Schulen und Kitas zurzeit nur ein Schnelltest-Modell des Herstellers Ningbo Beautiful Life Medical Biotechnology Development verwendet. Der Test wurde im vergangenen Jahr nicht durch das Paul-Ehrlich-Institut untersucht. Er befindet sich jedoch auf der Schnelltest-Liste des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprofukte (Bfarm) und wurde in diesem Zusammenhang vom PEI als zuverlässig eingestuft.

Grünen-Gesundheitsexperte plädiert für PCR-Tests in Kitas und Schulen

Janosch Dahmen, der gesundheitspolitische Sprecher der Grünen, ermahnt Länder und Kommunen angesichts der Rechercheergebnisse von Business Insider, diese sollten dringend sicherstellen, "dass nur verlässliche und geeignete Tests beispielsweise in Kindergärten und Schulen eingesetzt werden".

Weiterhin sei es wichtig, dass die Qualität von Medizinprodukten wie Antigen-Schnelltests stetig überprüft werde, insbesondere in Hinblick auf ihre Zuverlässigkeit auch bei neuen Virusvarianten, sagte Dahmen. Tatsächlich geht das Bundesgesundheitsministerium zwar davon aus, dass fast alle über die Corona-Testverordnung abgerechneten Schnelltests auch Omikron-Viren zuverlässig erkennen können. Daten aus den USA werfen jedoch Fragen dazu auf, wie effektiv Omikron-Infektionen durch Antigentests erkannt werden können.

Dahmen plädiert deshalb dafür, strengere Testregeln für Schulen und Kitas anzustreben. "Die Praxis hat gezeigt, dass sich als Schutzkonzept in Kitas und an Schulen insbesondere eine regelmäßige Testung mittels Pool-PCR-Tests sehr gut eignet, weil diese sensitiver und damit verlässlicher sowie einfacher in der Anwendung sind", sagt der Grünen-Politiker. "Einige Bundesländer, wie beispielsweise Nordrhein-Westfalen, setzen diese Test-Methode bereits flächendeckend in Grund- und Förderschulen um."


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