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UN-Ökonom zerreißt Rohstoffstudie

Im Dezember hatte FundResearch von einer Studie berichtet, die überraschende Ergebnisse hervorbrachte. Wirtschaftsethiker der Universität Halle-Wittenberg zeigten anhand 35 empirischer Studien auf, dass die vorherrschende Befürchtung zumEinfluss der Spekulationen auf die Agrarrohstoffmärktenicht bestätigt werden könnten. Die Aussagen, die unter Leitung von Prof. Ingo Pies erarbeitet wurden, stoßen jetzt auf prominente Kritik. Heiner Flassbeck, bis Ende vergangenen Jahres Chefvolkswirt bei der UN-Organisation für Welthandel und Entwicklung (UNCTAD), hat die Studie auseinandergenommen. „Die Argumentation ist komplett falsch“, schreibt Flassbeck in einem Aufsatz, der FundResearch vorliegt. Dies sei ohne weiteres nachzuweisen. „Dennoch gelingt es mit Hilfe der Medien und freundlich gesinnten ‚Wissenschaftlern‘, den Eindruck zu erwecken, als sei diese Meinung der Interessenvertreter die Mehrheitsmeinung in der ‚Wissenschaft‘ und die Mehrheit der Wissenschaft könne schließlich nicht irren, wie das in einem Diskussionspapier der Universität Halle tatsächlich behauptet wird“, führt der Ökonom weiter aus. Pies habe nur ganz bestimmte Studien ausgewertet. Dabei handle es sich um Beiträge aus den Jahren 2010 bis 2012, die eigene empirische Forschungen aufweisen würden und nach einem bestimmten wissenschaftlichen Verfahren erstellt seien. Aus Daten der Aufsichtsbehörden und anderen Statistiken gehe genau hervor, dass ein Großteil des Engagements der Finanzinstitute sich auch im Rohstoffbereich auf reine Geldanlagen beziehe. „Bei den sogenannten Indexfonds oder bei Geldmanagern steht allein das Interesse an einem Rohstoffpapier als neue Geldanlage im Vordergrund“, so Flassbeck. „Diese Rohstoffpapiere kauft man wie eine Aktie und verkauft sie wieder, wenn der Preis gestiegen ist.“ Mit einer Absicherung realer Geschäfte, wie von Pies in der Studie argumentiert wurde, habe dies von Anfang an nichts zu tun. „Nur dadurch, dass man Absicherungsgeschäfte und diese Geschäfte nicht sauber trennt, können interessierte Kreise immer wieder den Eindruck erwecken, bei der sogenannten ‚Spekulation‘ mit Rohstoffen ginge es vornehmlich um Geschäfte, die einen realen Bezug haben. Das ist nicht der Fall“, schreibt Flassbeck. Wenn der Terminmarkt zudem eine effektive Absicherung gegen die Schwankungen der Rohstoffpreise bieten würde, müsste festzustellen sein, dass Terminkontrakte in etwa den tatsächlich zu beobachtenden Preis in der Zukunft vorwegnehmen. „Das ist in den letzten Jahren an keinem dieser Märkte der Fall“, behauptet der Ökonom.Flassbeck führt außerdem auf, dass es einen engen Zusammenhang zwischen reinen Finanzpreisen wie Aktienkursen und den Rohstoffpreisen gebe. UNCTAD habe in hunderten Korrelationen nachgewiesen, dass es seit einigen Jahren völlig atypische Verhaltensmuster der wichtigsten Rohstoffpreise gegeben habe. „Die einzige Erklärung dafür, auf die ein normaler Mensch kommen kann, ist die sogenannte Finanzialisierung dieser Märkte, also die weitgehende Dominanz des gewaltigen Finanzmarktes gegenüber den kleinen physischen Märkten“ schlussfolgert der frühere Staatssekretär im Bundesfinanzministerium. UNCTAD-Mitarbeiter hätten inzwischen nachgewiesen, dass es einen strukturellen Bruch in diesen Korrelationen gebe. Denn nach 2008 sei im Bereich des High Frequency Trade (HFT) eine besonders hohe Korrelation zwischen Rohstoff- und Finanzpreisen nachzuweisen. Dem Ökonom erschließt sich daher nicht, wie Informationen über Rohstoffpreise, die im Wochen- oder Monatsrhythmus vorliegen, durch HFT – also im Sekundenbereich – gesteuert werden können. „Man sieht, nichts, aber auch wirklich gar nichts kann eigenes Denken ersetzen", sagt Flassbeck. Auf die Kritik an seiner Methodik, nur bestimmte Studien ausgewertet zu haben, entgegnete Prof. Pies auf Nachfrage von FundResearch: „Die Vorwürfe der Willkür sind in der Sache völlig haltlos.“(PD)

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