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Umweltministerin Svenja Schulze ruft Unternehmen zu mehr grünen Investitionen auf

·Lesedauer: 3 Min.

Die Anstrengungen für mehr Nachhaltigkeit sind weltweit unzureichend, zeigt eine Studie des Umweltministeriums. Das gilt insbesondere für Unternehmen.

Die Bundesumweltministerin hat eine Befragung von europäischen Unternehmen in Auftrag gegeben, die Handlungsbedarf in Sachen Nachhaltigkeit zeigt. Foto: dpa
Die Bundesumweltministerin hat eine Befragung von europäischen Unternehmen in Auftrag gegeben, die Handlungsbedarf in Sachen Nachhaltigkeit zeigt. Foto: dpa

Die Themen Nachhaltigkeit und Klimaschutz nehmen auf der politischen Agenda der Bundesregierung zunehmend Raum ein. Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte am Wochenende stärkere Anstrengungen weltweit für mehr Nachhaltigkeit. Mit dem jetzigen Tempo sei die Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele bis 2030 nicht zu schaffen, sagte die CDU-Politikerin in ihrer wöchentlichen Videobotschaft. „Der Klimawandel bedroht uns alle.“

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) sagte anlässlich der Demonstrationen für mehr Klimaschutz, es müsse gelingen, die Industrien klimaneutral zu machen. Sonst „werden sie auf Dauer nicht mehr erfolgreich arbeiten können“.

Wie das mithilfe der Finanzwirtschaft gelingen kann, darüber diskutieren Politik und Finanzwirtschaft an diesem Montag auf der digital stattfindenden Konferenz zu nachhaltiger Finanzwirtschaft, die die Branchenplattform „Green and Sustainable Finance Cluster Germany“ ausrichtet.

Die Finanzwirtschaft ist einer der entscheidenden Faktoren dafür, den Wandel hin zu einer klimaneutralen Zukunft auf den Weg zu bringen. Im Kern geht es darum, Geld stärker als bisher in nachhaltige Investitionen zu lenken. Damit das funktioniert, entwickelt die EU gerade ein allgemein verbindliches Klassifizierungssystem, mit dem wirtschaftliche Aktivitäten auf ihre Nachhaltigkeit hin bewertet werden können – die sogenannte EU-Taxonomie.

Ein solches System würde europaweit Transparenz schaffen, welche Projekte und Produkte nachhaltig sind und welche nicht. Und es würde festgelegt werden, welche Projekte künftig noch mit EU-Mitteln gefördert werden dürfen. Damit soll es in Zukunft leichter fallen, Geldströme besser in nachhaltige Projekte zu lenken.

Eine von Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) in Auftrag gegebene Befragung von europäischen Unternehmen zeigt jetzt allerdings großen Handlungsbedarf: einerseits beim weiteren Aufbau dieses Klassifizierungssystems, andererseits bei der Neupositionierung der Unternehmen auf dem Weg zur Klimaneutralität bis spätestens 2050.

Jetzt die Weichen für einen nachhaltigen Umbau stellen

Bislang erfüllt nur ein Bruchteil der Unternehmensumsätze das bisher festgelegte Ambitionsniveau bei Klimaschutz und Nachhaltigkeit, zeigt die Studie, die dem Handelsblatt vorliegt. Manchen Unternehmen erscheinen die bisher vorgesehenen Regelungen überaus kompliziert. „Große Unternehmen haben noch viel Arbeit vor sich auf dem Weg in die Klimaneutralität“, so die Botschaft der Umweltministerin, die die Umfrage am Montag veröffentlichen will.

Experten im Bereich Klimaschutz und nachhaltige Finanzierung mahnen, jetzt nicht lockerzulassen. „Die EU hat einen finanziellen Kraftakt zu leisten, die Wirtschaft beim Wiederaufbau nach der Covid-19-Pandemie zu unterstützen“, sagte Christoph Bals, politischer Geschäftsführer der Entwicklungsorganisation Germanwatch, dem Handelsblatt.

Wenn das Geld jetzt falsch investiert werde, dann sei es sehr unwahrscheinlich, dass danach noch einmal mit ausreichend öffentlichem Geld die Weichen für einen nachhaltigen Umbau der Wirtschaft gestellt werden könnten.

Bisher gebe es kein Instrument auf EU-Ebene, das halbwegs solide sicherstelle, dass die öffentlichen Mittel so eingesetzt würden, dass die EU bis Mitte des Jahrhunderts treibhausgasneutral werden könne, so Bals. Die Taxonomie könne da helfen.

„Würde es die Taxonomie nicht geben, müsste man sie erfinden“, sagt Alexander Bassen, Professor an der Universität Hamburg. Sie sei „Grundvoraussetzung“, die politischen und gesellschaftlichen Ziele in konkretes Handeln umzusetzen und diese Ziele überhaupt erreichen zu können.

Christian Klein von der Universität Kassel sieht die Taxonomie als „Game-Changer“. Durch sie werde sich die Art und Weise, „wie wir Nachhaltigkeit objektiv messen können, in den nächsten Jahren massiv ändern“.