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Umstrittene Exits: Diese Firmenverkäufe kamen nicht gut an

Steffi und Stefan Lemcke von Ankerkraut, Wunderlist-Gründer Christian Reber, Christoph Ostermann von Sonnen und Terra Canis-Gründerin Birgitta Ornau.
Steffi und Stefan Lemcke von Ankerkraut, Wunderlist-Gründer Christian Reber, Christoph Ostermann von Sonnen und Terra Canis-Gründerin Birgitta Ornau.

In den meisten Fällen ernten Gründer viel Lob und Anerkennung für den Verkauf ihrer Firma – immerhin gilt ein Exit als das ultimative Ziel eines jeden Startup-Unternehmers. Einen der bislang größten Exits der deutschen Startupszene legte die Münsteraner Firma Flaschenpost hin, die für die sagenhafte Summe von rund einer Milliarde Euro vom Bielefelder Nahrungsmittelproduzenten Dr. Oetker gekauft wurde. Oder der Berliner Softwareanbieter Signavio, das ebenfalls für eine knappe Milliarde vom börsennotierten Softwarekonzerns SAP übernommen wurde. Der Exit des Climate-Tech-Startups Planetly, gerade mal zwei Jahre nach Start, sorgte ebenfalls für erstauntes Raunen in der Szene, der Verkaufspreis wird auf rund 100 Millionen Euro geschätzt.

Doch so viel Begeisterung wie die Exits von Flaschenpost, Signavio oder Planetly lösten längst nicht alle Firmenverkäufe aus. So musste der einstige Szene-Liebling Ankerkraut zuletzt viel Kritik von Fans einstecken, nachdem das Startup seinen Verkauf an den umstrittenen Lebensmittelkonzern Nestlé bekannt gemacht hatte. Die Beliebtheit der Marke scheint dadurch einige Kratzer erhalten zu haben. Ankerkraut steht damit nicht allein da. Wir zeigen, welche Exitmeldungen ebenfalls nicht gut ankamen.

Ankerkraut

Das Gründerehepaar Steffi und Stefan Lemcke wurden durch dem Verkauf ihrer Marke an Nestlé mit Kritik überrannt.
Das Gründerehepaar Steffi und Stefan Lemcke wurden durch dem Verkauf ihrer Marke an Nestlé mit Kritik überrannt.

Kurz vor Ostern teilte das Gewürz-Startup Ankerkraut aus Hamburg mit, die Mehrheit seiner Anteile an den internationalen Lebensmittelkonzern Nestlé verkauft zu haben. Nestlé gilt vielen umweltbewussten Kunden als Feinbild, immer wieder gab es Negativschlagzeilen über das Unternehmen, in Bezug auf Kinderarbeit, der Abholzung von Regenwäldern und der Ausbeutung weltweiter Wasserressourcen. Viele Ankerkraut-Fans zeigten sich daher empört und drohten mit einem Boykott der Produkte. Etliche Influencer wie etwa Le Roy kündigten zudem ihre Zusammenarbeit, sie seien nicht rechtzeitig über den Verkauf informiert worden, sagen sie. Das Gründerehepaar Steffi und Stefan Lemcke ließen den Shitstorm im Web nicht unkommentiert. „Ankerkraut bleibt Ankerkraut, wir werden weiterhin als eigenständiges Unternehmen tätig sein“, schrieben sie – und entschuldigten sich in dem Post bei ihren Kooperationspartnern dafür, sie nicht rechtzeitig informiert zu haben.

Terra Canis

Birgitta Ornau verkaufte ihr Tierfutter-Startup Terra Canis zwölf Jahre nach der Gründung – an Nestlé.
Birgitta Ornau verkaufte ihr Tierfutter-Startup Terra Canis zwölf Jahre nach der Gründung – an Nestlé.

Auch ein anderes Startup bekam schon die starke Abneigung vieler Menschen gegenüber Nestlé zu spüren. Birgitta Ornau ist die Gründerin des Tierfutter-Herstellers Terra Canis, ihre 2005 gegründete Firma wurde 2017 ebenfalls von dem internationalen Lebensmittelkonzern übernommen. Nach der Bekanntgabe meldeten sich Hunderte verärgerte Kunden in den sozialen Medien zu Wort. Außerdem teilten sie ihre Bedenken, dass die Qualität der Produkte durch die Übernahme leiden würde. Dem widersprach Gründerin Birgitta Ornau kurze Zeit später im Gespräch mit Gründerszene. Sie blieb auch nach dem Verkauf in dem Startup – erst im April 2022 kündigte sie an, die Firma nach 17 Jahren verlassen zu wollen. Eventuell, um etwas Neues zu gründen.

Wunderlist

Christian Reber ärgerte sich darüber, dass Microsoft das Geschäft seiner Firma 6Wunderkind einstellte.
Christian Reber ärgerte sich darüber, dass Microsoft das Geschäft seiner Firma 6Wunderkind einstellte.

Selten kommen Gründer auf die Idee, ihr Startup nach einem Exit zurückzukaufen. Christian Reber schon. 2015 verkaufte er seine Firma 6Wunderkinder (das Unternehmen hinter Wunderlist) für geschätzte 180 Millionen Euro an Microsoft – eine sehr hohe Kaufsumme zur damaligen Zeit. Via Twitter sorgte er vier Jahre später für mediales Aufsehen, nachdem er sich mit den Worten „Bitte lasst es mich zurückkaufen“ meldete. Der Grund: In den Augen des Gründers habe Microsoft die Weiterentwicklung seiner To-Do-App Wunderlist schleifen lassen – bis die zugunsten der Konzern-eigenen App komplett abgeschaltet wurde. Auf das Rückkaufangebot soll Microsoft nie eingegangen sein. Reber machte sich stattdessen an die Entwicklung seines nächsten Startups: Mit Pitch entwickelt er nun ein Präsentationstool, das Microsoft Powerpoint Konkurrenz machen soll.

Sonnen

Mit den Batteriespeichern des Startups Sonnen sollen Hausbesitzer den Strom aus ihren Solaranlagen speichern können
Mit den Batteriespeichern des Startups Sonnen sollen Hausbesitzer den Strom aus ihren Solaranlagen speichern können

Der globale Ölkonzern Shell kaufte das Solar-Startup Sonnen aus dem Allgäu. Diese Meldung sorgte 2019 bei vielen für Stirnrunzeln. Zum Kaufpreis äußerte sich beide Parteien damals nicht, nach Informationen des Portals Deutsche Startups sollen jedoch rund 500 Millionen Euro geflossen sein. Die Übernahme sorgte für viel Stirnrunzeln. Denn Shell ist eine Firma, die weiterhin einen Großteil seiner Erlöse aus fossilen Energien speist. Sonnen entwickelt hingegen Batteriespeicher, mit denen Hausbesitzer den Strom aus ihrer Solaranlage speichern können. Die beiden Gründer Torsten Stiefenhofer und Christoph Ostermann sahen die Übernahme durch Shell gelassener. Dem Handelsblatt sagte der damalige Sonnen-Chef Ostermann, dass die Akquisition das Wachstum der Solarfirma beschleunigen werde. Zwei Jahre später zählt die Firma aus dem Allgäu dem Handelsblatt zufolge tatsächlich zu den größten Heimspeicherherstellern weltweit.

Wimdu

Wie schon das Beispiel von Wunderlist zeigt, ist das Fortbestehen eines Startups nicht automatisch gesichert, wenn es von einem Konzern übernommen wird. Das beweist auch das 2011 gegründete Startup Wimdu, das als Alternative zum US-Konkurrenten Airbnb angetreten war. 2018, zwei Jahre nach der Übernahme der dänischen Firma Novasol, wurde es eingestellt. Das von Rocket Internet hochgezogene Startup hatte zuvor über Jahre hinweg hohe Verluste eingefahren. Zwischenzeitlich wollte sich Wimdu stärker auf den Premium-Bereich fokussieren, doch auch diese Strategie half nicht. 2016 wurden erstmals Spekulationen über ein Ende der Plattform laut. Dann folgte die Fusion mit dem kleinen Wettbewerber 9Flats und kurz danach der Weiterverkauf an den Novasol-Konzern. Die Integration in das große Unternehmen scheiterte jedoch und das Rocket-Startup musste seine rund 100 Beschäftigten in Berlin und Lissabon entlassen.

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