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„Schwarzmalerei“: Scharfe Kritik an negativer Job-Prognose durch E-Mobilität

Wie viele Arbeitsplätze kostet die E-Mobilität wirklich? Der Bericht der Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität sorgt für Streit.

Mitarbeiter arbeiten am Montageband bei der Produktion des Elektroautos ID.3 im Werk Zwickau. Foto: dpa

Der neue Bericht der Nationalen Plattform Zukunft der Mobilität (NPM) zu Beschäftigungseffekten der E-Mobilität ist auf scharfe Kritik gestoßen. Das Konstrukt des Beratergremiums, das Politikempfehlungen erarbeiten soll, sei infrage zu stellen, sagte der Präsident des Bundesverbands E-Mobilität (BEM), Kurt Sigl: „Auftrag durch die Regierung ist es, den industriellen Umbau der Automobilindustrie konstruktiv zu begleiten und nicht Gewerkschaftspapieren eine neue Plattform zu geben.“

Die Plattform mit Vertretern aus Politik, Wirtschaft, Gewerkschaften und Wissenschaft hatte am Montag einen neuen Bericht vorgelegt. Darin wird vor erheblichen Auswirkungen auf die Beschäftigungsstrukturen gewarnt, wenn sich die Wettbewerbslage der deutschen Industrie im Bereich Elektromobilität in den kommenden Jahren nicht verbessere und der Importbedarf für Batteriezellen und Elektrofahrzeuge weiter wachse.

In dem Bericht wird eine Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) zitiert, wonach durch einen beschleunigten Ausbau der E-Mobilität bis 2030 rund 410.000 Arbeitsplätze in Deutschland auf dem Spiel stehen. In einer Fußnote des Berichts heißt es zwar, dass die NPM dies für überzogen halte, weil die deutschen Hersteller ihre E-Mobil-Flotte ausbauten und es auch eine Batteriezellfertigung in Deutschland geben solle. Auch schätzt das IAB, dass durch die E-Mobilität rund 30.000 Jobs neu entstehen, etwa im Bauwesen und bei Stromversorgern.

Der BEM wirft der Plattform dennoch Schwarzmalerei vor. Er hatte im Oktober in einer eigenen Erhebung prognostiziert, dass allein beim Aufbau der Ladeinfrastruktur 255.000 neue Jobs entstehen. „Zwei Tage vor dem Auto-Gipfel sollten die Schritte gezeichnet werden, wie die beteiligten Unternehmen beim Umbau gestärkt werden können und inwiefern die Bundesregierung hier behilflich sein kann und wird“, forderte Sigl.

Das leistet der Bericht aber durchaus. So empfiehlt die NPM unter anderem eine strategische Personalplanung, staatliche Unterstützung bei der Qualifizierung von Mitarbeitern oder eine stärkere regionale Zusammenarbeit von Betrieben, Arbeitsagentur und Weiterbildungsträgern.

„Arbeit von morgen“-Gesetz in Vorbereitung

Es gehe dabei nicht allein um die Autoindustrie, hatte Continental-Arbeitsdirektorin Ariane Reinhart vergangenes Jahr im Interview mit dem Handelsblatt erklärt. „Der Umbau unserer Volkswirtschaft vor allem auch im Zuge der Digitalisierung betrifft alle Wirtschaftszweige, er erreicht letztlich also jeden.“ Reinhart leitet eine NPM-Unterarbeitsgruppe zu Personalplanung und Qualifizierung.

Der Autozulieferer Continental hatte schon im April 2018 mit den Arbeitnehmervertretern Eckpunkte für das Programm „Continental in Motion“ verabredet. Bestandteile sind das jüngst gegründete Institut für Technologie und Transformation (CITT), ein konzernweiter Qualifizierungsprozess sowie der Ausbau des unternehmensweiten Arbeitsmarkts.

Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hatte dem Handelsblatt gesagt, die Regierung unterstütze die Transformation. So sei gerade ein „Arbeit von morgen“-Gesetz in Vorbereitung. Auch wolle er, wo immer es gehe, Kurzarbeit stärker mit Weiterbildung verknüpfen, betonte Heil.