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Umfrage unter 34 Geldinstituten: Banken lehnen deutlich mehr Privatkundenkredite ab als üblich

·Lesedauer: 4 Min.

Höhere Sicherheiten, strengere Richtlinien, mehr Ablehnungen: Kreditinstitute prüfen Baufinanzierungen und Konsumentenkredite kritischer als noch im Frühsommer.

Das Interesse der Bundesbürger an Baufinanzierungen ist wieder deutlich gestiegen - doch Banken halten sich bei der Kreditvergabe stärker zurück. Foto: dpa
Das Interesse der Bundesbürger an Baufinanzierungen ist wieder deutlich gestiegen - doch Banken halten sich bei der Kreditvergabe stärker zurück. Foto: dpa

Die Konjunkturflaute in Deutschland dämpft den Risikoappetit der deutschen Banken spürbar. Die Kreditinstitute haben ihre Vergaberichtlinien für Darlehen an Unternehmen und Privatleute auch im dritten Quartal unter dem Strich weiter verschärft, beobachtet die Bundesbank. Allerdings war das Ausmaß dieser Verschärfungen nicht so groß wie noch in den Monaten April bis Juni.

Die größere Vorsicht der Institute macht sich immer deutlicher im Privatkundengeschäft bemerkbar. Dort ist das Kundeninteresse an Wohnungsbaukrediten nach einem scharfen Einbruch im zweiten Quartal wieder sprunghaft gestiegen. Allerdings verweigerten die Banken auch sehr viel häufiger ein Darlehen. Die Bundesbank spricht von einer „vergleichsweise hohen Ablehnungsquote“.

Der Nettoanteil der Banken, die mehr private Baufinanzierungen ablehnten, betrug 18 Prozent. Das bedeutet, dass der Anteil der Banken, die häufiger als sonst Darlehen ablehnten, um 18 Prozentpunkte über dem Anteil der Institute lag, bei denen das nicht der Fall war. Noch strenger waren die Geldhäuser erneut bei Konsumentenkrediten, bei denen wie schon in den drei Monaten zuvor ein Netto-Anteil von 27 Prozent mehr Anträge ablehnte.

Der „Credit Lending Survey“ der Bundesbank ist eine viel beachtete vierteljährliche Umfrage, die frühzeitig Trends im Kreditgeschäft aufzeigt. An der am Dienstag veröffentlichten Oktober-Umfrage nahmen 34 Banken teil.

Die aktuellen Ergebnisse zeigen, dass die Geldhäuser auch bei genehmigten Kreditanträgen strengere Maßstäbe anlegen. Bei privaten Immobilienkrediten etwa verlangen viele Institute von ihren Kunden einen höheren Einsatz von Eigenkapital beim Wohnungskauf. Außerdem erhöhten die Institute die Margen für risikoreichere Darlehen. In diesem Vorgehen spiegeln sich vor allem die schlechteren Aussichten für die Konjunktur und damit auch für die Wirtschaftslage der privaten Haushalte wider.

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Beim Geschäft mit Unternehmenskrediten zeichnen sich ähnliche Trends ab. Zwar war der Anteil der vollständig abgelehnten Kreditanträge mit einem Netto-Anteil von drei Prozent nicht besonders groß, im Frühsommer lag diese Quote mit 19 Prozent noch deutlich höher. Aktuell bekamen insbesondere kleine und mittelgroße Firmen die größere Vorsicht der Geldhäuser bei der Ausgestaltung der Darlehen deutlich zu spüren. Ihnen gegenüber verhielten sich Banken deutlich restriktiver als gegenüber großen Unternehmen.

Neben höheren Sicherheitserfordernissen verschärften viele Banken unter anderem die Covenants, also Kreditschutzklauseln, für Kredite an kleine und mittelgroße Firmen und verhängten Einschränkungen bei der Höhe der genehmigten Kredite oder Kreditlinien.

Neben den trüben Konjunkturaussichten waren vor allem branchenspezifische Risiken ein Treiber für das striktere Vorgehen der Geldhäuser im Firmenkundengeschäft. „Vor allem Unternehmen aus besonders von der Krise betroffenen Branchen sowie Neukunden hatten einen schlechteren Kreditzugang“, teilte die Bundesbank mit.

Vor Kurzem hatte auch die von Ifo-Institut und KfW veröffentlichte KfW-ifo-Kredithürde über eine restriktivere Kreditpolitik der Banken berichtet, die für den Mittelstand stärker ausfiel als für Großunternehmen. Eine große Rolle spielte dabei auch der Wirtschaftsbereich, aus dem ein Unternehmen stammt: Im Bau und im verarbeitenden Gewerbe schrumpfte die Kredithürde eher, dafür trafen Groß- und Einzelhandel sowie Dienstleister auf deutlich größere Schwierigkeiten.

Riskante Branchen trifft es besonders hart

Die wachsende Zurückhaltung der Banken trifft laut Bundesbankumfrage auf eine stärkere Nachfrage der Unternehmen – in Deutschland wie auch in Europa insgesamt, auch wenn der Nachfrageanstieg nicht mehr so groß wie im zweiten Quartal ausfiel. Neben Betriebsmittelkrediten trieb vor allem der gestiegene Mittelbedarf für Umfinanzierungen, Umschuldungen sowie die Neuverhandlung bestehender Kredite die Nachfrage nach Unternehmenskrediten an, beobachtet die Bundesbank.

In den nächsten Monaten könnte die Nachfrage allerdings bedingt durch die zweite Pandemiewelle wieder deutlich steigen. Das dürfte europaweit der Fall sein, ist nach Einschätzung der KfW-Chefvolkswirtin Fritzi Köhler-Geib aber auch für Deutschland absehbar. „Inzwischen wachsen die wirtschaftlichen Beeinträchtigungen durch die Pandemie hierzulande täglich.“

In den besonders betroffenen Dienstleistungsbranchen wie etwa dem Gastgewerbe werden die finanziellen Engpässe und damit der Kreditbedarf nach Meinung von Köhler-Geib wieder zunehmen: „Die EZB ist nun genauso wie die Regierungen gefordert, in dieser schwierigen Lage durch die Verlängerung und punktuelle Ergänzung der Krisenmaßnahmen das Vertrauen der Unternehmen und Konsumenten zu stärken.“