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Ubers Mitbegründer hat gerade Uber-Aktien abgestoßen. Solltest du das auch tun?

Jon Quast

Travis Kalanick hat einen Schlussstrich gezogen. Der Mitbegründer und ehemalige CEO von Uber (WKN: A2PHHG) hat im November und Dezember Aktien von Uber verkauft – und zwar alle. Er erzielte damit einen Bruttogewinn von fast 2,8 Milliarden UISD. Kalanick beendete außerdem seine Beziehung zum Unternehmen, indem er seinen Sitz im Vorstand von Uber aufgab.

Wenn jemand Hochrangiges in einem Unternehmen seine eigenen Aktien kauft oder verkauft, nennt man das Insiderhandel. Insiderhandel, insbesondere Insiderverkäufe, können für Investoren ein Zeichen dafür sein, dass es im Unternehmen nicht rundläuft und es an der Zeit ist, ebenfalls die Aktien loszuwerden. Also: Sollen die Investoren Aktien von Uber verkaufen, jetzt da Kalanick aussteigt?

Kalanick, der Serienunternehmer

Insiderhandel hat für viele Anleger negative Konnotationen, aber nicht jeder Insiderhandel ist gleich. Firmeninsider haben auch oft andere Motive für ihre Entscheidung.

Kalanick hatte schon früh eine große Beteiligung am Unternehmen. Die SEC-Einreichungen zeigen, dass er im November direkt in den Besitz von über 75 Millionen Aktien kam und weitere 22,6 Millionen indirekt über einen Charitable Remainder Unitrust (CRUT) hielt. Er verkaufte seinen Anteil via den Rule-10b5-1-Plan, eine SEC-Bestimmung, die es Insidern erlaubt, Anteile zu verkaufen und gleichzeitig die Regeln des Insiderrechts zu befolgen.

Uber war nicht Kalanicks erstes Unternehmen. Er war 1997 als Mitgründer einer Firma namens Scour an Bord, die schließlich bankrott ging. 2001 war er dann bei einer Firma namens Red Swoosh dabei, die schließlich von Akamai Technologies für 15 Millionen USD in bar übernommen wurde.

Was Uber betrifft, sollte man im Hinterkopf haben, dass er 2017 unsanft aus seiner Rolle als CEO gedrängt wurde. Er blieb zwar im Vorstand, aber das ist für einen echten Entrepreneur eben nur semireizvoll. Kalanick hat also die Verbindung zu Uber gekappt und seine Aktienposition aufgelöst, nicht unbedingt, weil er das Vertrauen in Uber verloren hat, sondern weil er die Mittel braucht, um neue Ideen zu verwirklichen.

Unter anderem investiert Kalanick in ein Start-up namens CloudKitchens. Das kann man sich als das Airbnb für Restaurants vorstellen, vielleicht auch als WeWork für Köche. CloudKitchens wird den Restaurants gemeinsam genutzte Küchenflächen zur Verfügung stellen, um die Speisen lediglich für die Auslieferung vorzubereiten. Klingt seltsam? Dachten die Skeptiker vor zehn Jahren auch über Uber.

Warum Investoren diese Situation ignorieren sollten

Es ist richtig, dass Travis Kalanick nun mit Uber nichts mehr zu tun hat, aber das ist für Investoren weitgehend irrelevant. Ein CEO-Shakeup ist zunächst schon wichtig, aber die neue CEO Dara Khosrowshahi führt das Unternehmen nun seit über zwei Jahren. Die grundlegenden Geschäftsaussichten von Uber bleiben trotz der News über Kalanick unverändert. Das Unternehmen ist nach wie vor der größte Ride-Hailing-Service der Welt, der täglich über 14 Millionen Fahrten schafft und gleichzeitig viel Geld für neuere und spekulative Chancen ausgibt.

Eine solche Wette heißt Uber Elevate – ein futuristisches Unternehmen für autonome Mitfahrgelegenheiten in der Luft. Uber hat im Grunde genommen ein elektrisches Hubschraubertaxi geschaffen, von dem man hofft, dass es im Jahr 2023 Passagiere befördern wird. Das liegt noch weit in der Zukunft, klingt aber auch verrückt genug, um zu funktionieren. Und Wetten wie diese drücken durchaus die Bilanz von Uber. Dieses Future-Business-Segment hat allein im dritten Quartal einen Verlust von 124 Millionen USD verzeichnet, im bisherigen Jahresverlauf dann sogar 369 Millionen USD.

Das Unternehmen teilt seinen Umsatz in fünf verschiedene Segmente auf, die bis auf das reifere Segment „Rides“ allesamt unprofitabel sind. Allerdings sind alle Ergebnisse von Uber (einschließlich Rides) mit einem Sternchen versehen. Die Rentabilität wird auf bereinigter EBITDA-Basis berichtet – und EBITDA ist in erster Linie eine bereinigte Rentabilitätskennzahl. Unter Anwendung der allgemein anerkannten Rechnungslegungsgrundsätze (GAAP) und unter Herausnahme von anderen Informationen verzeichnete Uber im dritten Quartal einen Verlust von fast 1,2 Milliarden USD bei einem Umsatz von 3,8 Milliarden USD.

Aber man sollte schon von dem, was Uber aufgebaut hat, beeindruckt sein. In nur zehn Jahren hat das Unternehmen mit seinem Ridesharing-Service ein weltweit vertretenes Unternehmen erschaffen. Und jetzt besetzt man auch sinnvolle, angrenzende Bereiche wie Lebensmittelzustellung, Last-Mile-Lieferung und die bereits erwähnten Lufttaxis. Das sind die großen Geschäftsvisionen, aus denen sich eine Aktie entwickeln kann, die den Markt schlägt.

Ein letzter Gedanke

Das soll nicht heißen, dass man jetzt Uber-Aktien kaufen sollte. Der Punkt ist, dass Kalanicks finaler Fortgang von Uber für die Anleger nicht wesentlich ist. Allerdings sind hohe Ausgaben für jeden Wachstumswert wie Uber eine Sorge, trotz der guten Wachstumsaussichten. Das Unternehmen ist, wie bereits erwähnt, unprofitabel und hat bis heute 2,5 Milliarden USD an negativem operativem Cashflow angehäuft.

Für diejenigen, die noch nicht recht wissen, ob Uber eine gute Investition für sie ist, ist Abwarten ratsam. Das Management hat ein Rentabilitätsziel für das Gesamtjahr 2021 festgelegt, aber noch keine Details genannt. Das sollte man jedenfalls im Auge behalten. Sollten die Bilanzen besser werden, könnte dies ein Signal sein, dass der Plan aufgeht.

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The Motley Fool empfiehlt Aktien von Uber Technologies. Jon Quast besitzt keine der angegebenen Aktien.

Dieser Artikel erschien am 27.12.19 auf Fool.com und wurde für unsere deutschen Leser übersetzt.

Motley Fool Deutschland 2020