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Uberrollt: Wie Bolt die gesamte Mobility-Branche überrascht

Ein Carsharing-Fahrzeug der estnischen Firma Bolt. - Copyright: Bolt
Ein Carsharing-Fahrzeug der estnischen Firma Bolt. - Copyright: Bolt

Die lindgrünen E-Scooter von Bolt prägen das Bild vieler Metropolen in Europa. Auch für seinen Taxi-Service ist die estnische Firma vielerorts bekannt. Seit einiger Zeit gehört auch Carsharing zum Angebot. Für elf Cent pro Minute sowie 18 Cent den Kilometer können Kunden etwa in Berlin einen Audi Q2 mieten. Damit liegt das Unternehmen weit unter den üblichen Preisen. Zum Vergleich: Share Now und Sixt verlangen für ihre Fahrzeuge zwischen 33 und 45 Cent. Bei Share Now kommen ebenfalls 18 Cent für den Kilometer hinzu. Das Angebot von Bolt ist also geradezu ein Schnäppchen.

Das Startup ist allerdings auch ehrlich genug darauf hinzuweisen, dass es sich um ein Lockangebot handelt. Elf Cent pro Minute sind nicht wirtschaftlich und in der Endabrechnung werden die Preise ohne Rabatte auch angeführt. In meinem Fall war das eine sechsstündige Miete für 30 Kilometer. Bezahlt habe ich 27 Euro, ohne Rabatte wären es 70 Euro gewesen. Auf Dauer wird Bolt also keineswegs günstiger sein als die Konkurrenz. Das Unternehmen versucht lediglich die Zahl der Neukunden zu erhöhen.

Bolt hat loyale Fahrer

Der Einstieg von Bolt ins Carsharing-Geschäft kommt überraschend. Zwar hat das Unternehmen insgesamt zwei Milliarden Euro an Investments eingesammelt, zuletzt im Januar 2023 von Arrowshare Ventures. Bewertet ist das Startup mit rund zehn Milliarden Euro und CEO Markus Villig hat für 2025 sogar einen Börsengang angekündigt. Gleichzeitig steht das Unternehmen aber unter Druck. Die Corona-Pandemie hat die Gewinne nicht so anschwellen lassen.

Dennoch gilt das Startup unter Fahrern als beliebte Alternative zu Uber oder herkömmlichen Taxidiensten. Indem Bolt die finanziellen Interessen seiner Fahrer in den Vordergrund stellt, ist es Bolt gelungen, einen großen Pool von Fahrern aufzubauen. So hat man eine hohe Verfügbarkeit der Fahrzeuge und die Fluktuationsrate der Fahrer ist im Vergleich niedrig.

Starke Präsenz in afrikanischen Ländern

Dass die Investoren allerdings weiter so interessiert am Unternehmen aus Estland sind, liegt vor allem an der Präsenz in einigen wichtigen afrikanischen Ländern. Nach Angaben von Bolt hat das Unternehmen in den letzten sieben Jahren in Afrika ein Team von 500 Mitarbeitern aufgebaut. Bolt hat in den sieben Jahren seit seiner Markteinführung in Afrika mehr als eine Milliarde Fahrten absolviert und rechnet damit, dass die Zahl der Fahrer auf seiner Plattform in den nächsten sechs Monaten mehr als eine Million erreichen wird. Damit gehört Bolt auf einem Markt, der in den nächsten zehn Jahren extreme Wachstumsraten zeigen wird, zu stärksten Playern aus der EU.

Nun ist es so, dass auch Uber hat auf dem afrikanischen Kontinent eine starke Präsenz hat. Die Anbieter Free Now und Share Now wiederum sehen ihre Aktivitäten eher innerhalb der EU und in den USA. Free Now hat allerdings den Vorteil, dass es als reine Vermittlungsplattform fungiert. Quasi eine Art Super-App, die verschiedene Mobilitätsanbieter bündelt.

Dennoch befindet sich Bolt in einer aussichtsreichen Marktposition. Anders als Uber bietet die Esten auch Carsharing an. Verglichen mit Share Now verfügt das Unternehmen über eine breitere Präsenz in anderen Ländern und gegenüber Free Now besteht der Vorteil, dass Preise und Angebote selbst gesteuert werden können. Das könnte für Bolt auf lange Sicht entscheidend sein. Mit dem anstehenden Börsengang wird das Startup zusätzliches Kapital für seine Expansionspläne erhalten und in weitere Märkte drängen.

Don Dahlmann ist seit über 25 Jahren Journalist und seit über zehn Jahren in der Automobilbranche unterwegs. Jeden Montag lest Ihr hier seine Kolumne „Drehmoment“, die einen kritischen Blick auf die Mobility-Branche wirft.