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Twitter-Investor steigt bei Berliner Grünstrom-Startup ein

Die Ostrom-Gründer Matthias Martensen (l.) und Karl Villanueva. - Copyright: Ostrom
Die Ostrom-Gründer Matthias Martensen (l.) und Karl Villanueva. - Copyright: Ostrom

Als das Berliner Startup Ostrom im Januar 2022 seine letzte Finanzierungsrunde verkündete, waren die Energiepreise hierzulande schon stark gestiegen. Um 18 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, wie das Verbraucherportal Verivox damals errechnete. Von solch verhältnismäßig geringen Anstiegen können viele Verbraucherinnen und Verbraucher heute nur träumen. Auf den Gasmangel infolge des russischen Angriffs auf die Ukraine reagieren immer mehr Stromversorger mit kräftigen Preiserhöhungen. Mancherorts mit Aufschlägen zwischen 70 und 300 Prozent.

Auch wenn Matthias Martensen und Karl Villanueva es nicht explizit so ausdrücken wollen, rückblickend kam die Gründung ihres Startups Ostrom zum perfekten Zeitpunkt. „Für Kunden gab es lange keinen so großen Anreiz, Energie zu sparen“, sagt Martensen im Gespräch mit Gründerszene.

Ostrom-App sagt, wann es sich lohnt, die Waschmaschine anzuwerfen

Genau hier setzen er und Mitgründer Villanueva mit ihrer Firma an. Ostrom bietet Ökostrom zu einem variablen Tarif an. Dafür kauft Ostrom den Strom wie viele andere Anbieter auch am Markt ein, gibt diesen aber zum Selbstkostenpreis an die Kunden weiter. Verdient wird an einer Gebühr von sechs Euro im Monat.

Damit unterscheidet sich Ostrom bereits von traditionellen Versorgern, wie Martensen erklärt: „Diese sind wegen der Preisgarantien daran interessiert, dass Kunden viel Strom verbrauchen. Wir passen – wenn nötig – Preise an, gehen damit auch wieder runter. Das motiviert, Strom effizient zu nutzen und Kosten zu sparen“, laut Martensen vor allem dann, wenn der Strom gerade teuer ist. Ostrom-Kunden könnten via App etwa nachvollziehen, wann es sich lohnt, die Waschmaschine anzuwerfen.

Viele Verbraucher hätten daher ihre bisherigen Verträge zugunsten des Startups gekündigt. Zwar wollen die Gründer keine konkreten Zahlen nennen. Nur so viel: „Wir wachsen jeden Monat und haben inzwischen Kunden von mehr als 400 Stromversorgern gewonnen. Der Umsatz hat sich aufs Jahr gerechnet fast verzwanzigfacht“, betont Martensen. Er verweist zudem auf die vielen positiven Kundenbewertungen auf Portalen wie Trustpilot. Dort zählen die Berliner 4,9 von 5 möglichen Sternen – während etablierte Versorger abschmieren. Mit 2,7 Sternen bewerten Kunden etwa Eon.

Weitere Millionen von Investoren aus den USA

Die Botschaft des Gründers ist klar: Junge Angreifer im Energiemarkt (etwa auch Tibber) bieten das bessere, krisenfestere Produkt. Zumindest auf Investorenseite scheint das zu überzeugen. In einer neuen Finanzierungsrunde hat Ostrom insgesamt 9,3 Millionen Euro eingesammelt. Angeführt wurde die Series-A-Runde von den US-Investoren Adjacent und Union Square Ventures. Letzterer VC beteiligte sich beispielsweise schon an Twitter und dem E-Commerce-Riesen Etsy. Zuvor hatten sich bereits der Berliner VC 468 Capital, der Rocket-Internet-Fonds Global Founders Capital und Übermorgen Ventures an Ostrom beteiligt.

Zu welcher Firmenbewertung die neue Runde vollzogen wurde, wollen die Gründer auf Nachfrage nicht kommentieren. Mit dem Geld will das Startup nun sein Produkt weiterentwickeln, konkret geht es um eine sogenannte „Super-App für Energie“, mit der Kunden bald etwa auch Ladevorrichtungen für das E-Auto sowie smarte Thermostate ordern und steuern können sollen.

Entsprechende Pläne hatte Ostrom-Chef Matthias Martensen bereits im Frühjahr gegenüber Gründerszene angedeutet. „Es gab seitdem große Fortschritte. Noch in diesem Monat werden wir dynamische Echtzeitpreise einführen und haben mithilfe von Partnern erste Ladestationen integriert.“ Darüber hinaus plant Ostrom sein Team zu vergrößern, von derzeit 20 auf rund 40 Mitarbeitende.