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Tui verlängert Vertrag von CEO Joussen bis Herbst 2025

Der Manager bleibt weitere sechs Jahre im Amt. Für die Zukunft sieht Joussen den Reisekonzern gut gerüstet.

Der Tui-Chef bleibt noch weitere sechs Jahre im Amt. Foto: dpa

Der Reisekonzern Tui hat Vorstandschef Friedrich Joussen im Amt bestätigt. Sein Vertrag wurde bis Ende September 2025 verlängert. Joussen ist seit 2013 Konzernlenker bei Tui. Vor seinem Engagement bei Tui war der 1963 geborene Joussen als Vorsitzender der Geschäftsführung von Vodafone Deutschland tätig.

„Wir freuen uns auf die Fortsetzung dieser erfolgreichen Zusammenarbeit mit Fritz Joussen als Vorstandsvorsitzendem“, wird der Vorsitzende des Aufsichtsrates, der frühere Daimler-Chef Dieter Zetsche, in einer Mitteilung des Unternehmens zitiert. Tui sei kerngesund, profitabel, habe eine klare Digital-Strategie und sei auf Wachstum ausgerichtet. „Der eingeleitete Wandel zum Digitalunternehmen bietet enorme Chancen und wird Tui nachhaltig stärken“, so Zetsche.

Tatsächlich hat Joussen den traditionsreichen Reisekonzern neu ausgerichtet. Nachdem der gelernte Elektrotechniker dort 2012 im Vorstand angeheuert und 2013 den Vorsitz übernommen hatte, fusionierte er 2014 zunächst den Mutterkonzern Tui AG mit der damaligen britischen Tui Travel, dem Tochterunternehmen. In den Folgejahren baute er das Angebot um.

Tui investierte und investiert stark in eigene Hotels und Kreuzfahrtschiffe. Zudem baut das Unternehmen Angebote für Reisende vor Ort am Urlaubsziel aus. Die Idee dahinter: Statt vorpaketierte Reisen zu buchen, kaufen die Menschen – vor allem junge – zunehmend einzelne Komponenten und stellen sich ihre Reise so selbst zusammen.

Zwar sei die Pauschalreise nicht generell tot, sagte Joussen vor einigen Wochen im Gespräch mit dem Handelsblatt: „Aber es reicht heute nicht mehr, einen Hotelblock anzumieten und die Urlauber an den Strand zu bringen. Die Kunden wollen individuelle Angebote, Komfort und Sicherheit bei der Organisation ihrer Reisen.“

Zwar hat auch Tui mit Problemen zu kämpfen. So macht das Flugverbot für Boeings 737 dem Reiseunternehmen zu schaffen. Der Gewinn brach zuletzt ein. „Ohne die Belastung durch das Flugverbot wäre das bereinigte Ebita mit 1,186 Milliarden Euro auf dem sehr hohen Vorjahreswert ausgewiesen worden, dem besten Ergebnis in der Unternehmensgeschichte“, sagte Joussen in der vergangenen Woche.

Aufgrund des seit März bestehenden Flugverbots sei das bereinigte Ergebnis 2019 nun aber mit 893 Millionen Euro wie erwartet um 25,6 Prozent abgesackt. Alleine die finanziellen Folgen der fehlenden Max-Jets bezifferte Joussen bisher auf 293 Millionen Euro. Hinzu kommen die Unsicherheit durch den Brexit und die Überkapazitäten im Tourismusmarkt.

Dennoch finden sich in den enttäuschenden Geschäftszahlen auch positive Signale. Das wohl wichtigste: Die drei Bereiche Kreuzfahrtschiffe, eigene Hotels und ergänzende Angebote vor Ort trugen 74 Prozent zum Gewinn bei. Das zeigt, dass es Joussen gelungen ist, sich vom klassischen Veranstaltergeschäft zu lösen, jenem Bereich, der den Rivalen Thomas Cook in die Insolvenz führte.

Joussen sieht den Konzern für die Zukunft gut gerüstet. Für 2020 avisiert er eine Steigerung des bereinigten operativen Gewinns (Ebit) auf 950 Millionen bis 1,05 Milliarden Euro. Dennoch will der Manager, der am 19. April 1963 als Sohn eines Justiziars des Stahlunternehmens Thyssen in Duisburg geboren wurde, Tui weiter umbauen. „Die zweite Stufe zum Digitalunternehmen wird das Unternehmen deutlich verändern, stärker als die letzten fünf Jahre vom traditionellen Reiseveranstalter zum hochprofitablen Hotel- und Kreuzfahrtkonzern“, kündigte Joussen in der vergangenen Woche an.
Mit Agenturmaterial

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