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Tui-Chef Joussen bittet die eigenen Aktionäre zur Kasse

Schlautmann, Christoph
·Lesedauer: 4 Min.

Auf der heutigen Hauptversammlung bleibt den Tui-Aktionären kaum eine Wahl. Lehnen sie den geforderten Kapitalschnitt ab, droht dem Konzern das Aus.

Der Tui-Chef sieht keine Alternative zum Rettungspaket. Foto: dpa
Der Tui-Chef sieht keine Alternative zum Rettungspaket. Foto: dpa

Den Jahreswechsel nutzte Tui-Chef Fritz Joussen diesmal für ein massives PR-Feuerwerk: „Tui ist zukunftsfest, wenn man uns denn operieren lässt“, verkündete er in der „Rheinischen Post“. Das Pauschalreise-Programm für Mai sei bereits zu mehr als 50 Prozent ausgebucht. Zudem erwarte er – obwohl die Coronakrise den Umsatz 2020 zeitweise um mehr als 98 Prozent einbrechen ließ – dieses Jahr „einen schon weitgehend normalen Sommer“.

Es waren nicht vorrangig die Urlaubsinteressierten, die der 57-jährige Duisburger bei der Stange zu halten suchte, sondern die eigenen Aktionäre. Sie nämlich sollen am heutigen Dienstag auf einer außerordentlichen Hauptversammlung ihrer Teilenteignung zustimmen – und zwar im Internet. Denn wegen der Corona-Pandemie findet das Aktionärstreffen ohne physische Präsenz der Anteilseigner in Hannover statt. Sie können der von Aufsichtsratschef Dieter Zetsche geleiteten Veranstaltung lediglich digital folgen.

Eine echte Wahl besitzen die Anteilseigner ohnehin nicht. Denn ohne ihr Einverständnis würde das Anfang Dezember vereinbarte Rettungspaket über 1,8 Milliarden Euro platzen, das nach den bereits gewährten drei Milliarden Euro an Staatshilfen weitere 1,3 Milliarden Euro aus der öffentlichen Hand vorsieht. Ohne das Rettungspaket drohe dem Unternehmen eine „Bestandsgefährdung“, wie der Tui-Vorstand in seiner HV-Einladung schreibt, „also ein möglicher Totalverlust für die Aktionäre“.

Um das zu verhindern, sollen die Anteilseigner am Dienstag drei Kapitalmaßnahmen hintereinander zustimmen, die den Nominalwert ihrer Aktien – und damit auch den Dividendenanspruch – um 61,5 Prozent reduzieren.

Im ersten Schritt sollen sie einer sogenannten Kapitalherabsetzung zustimmen, einer rein bilanztechnischen Maßnahme: Von den bislang 1,51 Milliarden Euro an „gezeichnetem Kapital“ werden etwa 920 Millionen Euro in den Bilanzposten der (nicht ausschüttungsfähigen) „Kapitalrücklage“ umgebucht.

Für die Aktionäre bedeutet das: Die Anzahl der Aktien bleibt unverändert bei 590 Millionen, deren Nominalwert schrumpft jedoch von derzeit 2,56 Euro auf einen Euro – und zusammen mit den beiden weiteren Maßnahmen dann auch der Anspruch auf Dividende.

Aktien droht Verwässerung

Denn schon der zweite geplante Schritt läutet die Verwässerung der Aktien ein. Um das Eigenkapital und die Liquidität von Tui zu stärken, will der Reisekonzern 509 Millionen neue Aktien emittieren. Die Papiere sollen zunächst den bestehenden Aktionären in Form des sogenannten mittelbaren Bezugsrechts für 1,07 Euro angeboten werden.

Der russische Hauptaktionär Alexej Mordaschow, der über seine zypriotische Zwischenholding Unifirm 24,89 Prozent an Tui hält, hat bereits vertraglich zugesichert, sein gesamtes Bezugsrecht auszuüben. Da die Finanzaufsicht Bafin Mordaschow am Montag von einem Pflichtangebot an die übrigen Tui-Aktionäre befreite, das normalerweise bei einem Überschreiten der 30-Prozent-Schwelle fällig würde, darf er seine Beteiligung sogar auf bis zu 36 Prozent aufstocken.

Die Befreiung hatte der Russe zur Bedingung dafür gemacht, dass er bei der anstehenden Kapitalerhöhung neue Tui-Aktien für bis zu 266 Millionen Euro zeichnen werde. Sonst hätte er sich auf maximal 29,9 Prozent beschränkt.

Im dritten Schritt, dem die Hauptversammlung ebenfalls zustimmen soll, kommt der Staat als künftiger Anteilseigner ins Spiel. Konkret geht es um eine stille Einlage über 420 Millionen Euro, die der staatliche Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) an Tui gibt. Diese Einlage kann von ihm, so sieht es die Vereinbarung vor, jederzeit eins zu eins in Aktien getauscht werden. Da der WSF für jede Aktie nur den Nominalwert von einem Euro zu zahlen hat, käme er auf eine Beteiligung von knapp über 25 Prozent. Das Vetorecht auf der Hauptversammlung wäre ihm damit sicher.

Der Staatsbeteiligung hatte Tui bereits im Sommer das Tor geöffnet. Schon für das zweite Hilfepaket ließ sich der Staat entlohnen, indem er von Tui eine über sechs Jahre laufende Wandelanleihe über 150 Millionen Euro einforderte. Bei einer vollständigen Wandlung in Aktien hätte der WSF 9,98 Prozent der Tui-Stimmrechte erhalten, die nun allerdings – wie bei allen übrigen Altaktionären – ebenfalls verwässert werden. Eine Zustimmung der Hauptversammlung war im Sommer nicht notwendig gewesen, weil ein Vorratsbeschluss aus dem Jahr 2016 eine Kapitalerhöhung von zehn Prozent erlaubte.