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Trump sorgt für Crash-Gefahr am Aktienmarkt

Die sprunghafte Politik des US-Präsidenten wird zum Risiko für Konjunktur und Anlagemärkte. An immer mehr Börsen drehen die Kurse nach unten. Im Dax ist die Lage besonders brenzlig.

Der Handelsstreit der USA gegen den Rest der Welt könnte zum Auslöser einer Baisse, wenn nicht sogar zu einem Crash an den Aktienmärkten werden. Ein intensiver internationaler Handel, letztlich das, was unter dem Stichwort Globalisierung die Weltwirtschaft seit Jahrzehnten vorangebracht hat, ist durch die sprunghafte Politik des amerikanischen Präsidenten erschüttert. Das trifft nicht nur die Handelspartner Europa und China, es trifft auch die USA selbst – wie sich das derzeit etwa am ur-amerikanischen Unternehmen Harley-Davidson zeigt, das nun in Eigeninitiative Trumps Politik umgehen will.

Für die Aktienmärkte ist der Handelskrieg so gefährlich, weil zu den bisherigen Risiken neue Gefahren dazukommen. Auch ohne Streit um Zölle wäre die Aufwärtsentwicklung der Konjunktur in Europa und den USA nicht in trockenen Tüchern. In Europa kommt angesichts Abgasproblematik und Elektromobilität die Erschütterung der Autoindustrie dazu. Sie macht im Dax rund ein Fünftel der Marktkapitalisierung aus.

Eine neue Gefahr, die durch den Handelsstreit verstärkt wird, ist die wacklige Lage in China. Die chinesische Börse, die mittlerweile ein gutes Barometer für die wirtschaftliche Situation in China geworden ist, hat seit Jahresanfang ein Viertel an Wert verloren. Vor allem in den vergangenen Wochen, seitdem Trumps Töne immer schärfer werden, drückt es die Notierungen nach unten. Ein Rückschlag der Wirtschaft in China würde hierzulande nicht nur die Autoindustrie treffen, sondern genauso Maschinenbauer oder Großchemiker, für die China und Asien Märkte der Zukunft sind.


Bisher hatten Anleger vor allem davor Angst, dass die große Zinswende den langfristigen Aufschwung an den Aktienmärkten abwürgen könnte. Immerhin gelang es der US-Notenbank Fed, die Zinswende vorsichtig einzuleiten. Allerdings, trotz der jüngsten Zinserhöhung sind die Renditen der zehnjährigen US-Anleihen seit einigen Monaten nicht mehr über das Niveau 2,8 bis 3,1 Prozent hinausgekommen. Das könnte ein Indiz dafür sein, dass sich die Fed im Fall einer Krise an den Wertpapiermärkten mit der nächsten Erhöhung nun mehr Zeit lässt. Wenigstens könnte die Fed dank der vergangenen Erhöhungen substanziell überhaupt etwas unternehmen.

Mehr Druck auf Börsen in Europa als in USA

Bei der EZB sieht es in dieser Hinsicht mau aus. Mit 0,3 Prozent sind die Kapitalmarktzinsen in Europa am unteren Rand ihrer einjährigen Schwankungen. Sollte die Wirtschaft in Europa ins Stocken geraten, dürfte die EZB ihren Zinswendefahrplan erst einmal ad acta legen. Ob sich allein damit dann ein Abschwung aufhalten ließe, ist fraglich.


Ohnehin sind die europäischen Börsen nach den Kursverlusten der vergangenen Tage schwerer angeschlagen als die amerikanischen. In allen großen Indizes (Euro Stoxx, Stoxx 600, Dax) zeigt sich ein ähnliches Bild: Nachdem die Kursspitzen von Mai und Juni nicht mehr das Niveau von November und Januar erreicht haben, sehen die gesamten Schwankungen seit Anfang 2017 immer mehr nach einer großen oberen Trendwende aus.

Dazu häufen sich die Krisensignale. Zur Schwäche der europäischen Börsen und der Baisse in China kommen nun auch Ermüdungserscheinungen der großen Technologieaktien. Der jüngste Rückschlag an der Nasdaq-Börse könnte eine Abwärtsphase wie im Januar oder März einleiten. Das müsste noch nicht das Ende der großen Technologie-Hausse bedeuten, dürfte aber die Stimmung an den Weltbörsen für ein bis zwei Monate ziemlich drücken.


Daimler, Bayer, Allianz – immer mehr Blue Chips kippen ab

Im Dow Jones und im S & P 500 stellt sich das abgemildert dar. Hier zahlt sich aus, dass defensive Werte (Pharma, Konsum) vergleichsweise gut dastehen – nachdem sie in den Monaten davor kräftig Federn gelassen haben. Dennoch, auch im Dow Jones ist mittlerweile eine brisante Konstellation entstanden: Zum einen wurden die Kursrekorde vom Januar zuletzt nicht mehr erreicht; zum anderen sind die Notierungen nun bis auf die 200 Tage-Linie zurückgefallen. 2015 gab es im Dow eine ähnliche Situation. Damals folgten danach Kursverluste von 15 Prozent.

Im Dax erwischt es nach den Banken, der Chemie und den Autoaktien nun die Versicherungen. Hier ist die zwischenzeitliche Hoffnung auf höhere Zinsen verflogen. Von den großen Aktien halten sich derzeit nur noch Siemens und SAP einigermaßen gut. Doch hier könnte es, parallel zur Tendenz an der Nasdaq-Börse, nun für einige Wochen eine Korrekturphase geben.

Bei 22 von 30 Dax-Aktien verlaufen die aktuellen Notierungen derzeit unterhalb der 200-Tage-Linie. Das ist eine Baisse-Quote von 73 Prozent. Der kollektiven Abwärtstendenz entziehen sich derzeit die klassischen Defensivwerte (Adidas, Fresenius, FMC) und Sonderentwicklungen wie Linde (Fusion), RWE (Turnaround) oder Vonovia (Profiteuer niedriger Zinsen).


Nachdem der Dax in sieben Tage fast 1000 Punkte verloren hat, wäre eine kurzfristige Erholung wahrscheinlich. Sie könnte bis in den Bereich um 12.600 Punkte gehen. Die negativen Signale wären damit aber nicht vom Tisch. Im Gegenteil: Ein kurzer Anstieg bis auf 12.600 könnte sich als Mitte in einer größeren Abwärtsbewegung erweisen, die dann bis 11.800 Punkte geht.

Fazit: Handelsstreit, Sorge um den weltweiten Aufschwung und Schwächesignale von immer mehr großen Börsen haben den deutschen Aktienmarkt in eine gefährliche Lage gebracht. Die meisten Einzelwerte haben nach unten gedreht, in den nächsten Wochen besteht die Gefahr eines weiteren Rückgangs bis in die Zone 11.800/12.000 Punkte. Auf diesem Niveau dürfte der Dax dann noch einmal die Chance auf eine Stabilisierung haben; ­etwa wenn Trump von seiner umstrittenen Zollpolitik plötzlich abrücken würde. Sollten die wirtschaftspolitischen Spannungen jedoch bleiben und dazu weitere Schwächesignale von der Konjunkturseite kommen, könnte der Dax unter 11.800 Punkte rutschen. Das wäre dann ein langfristiges Verkaufssignal, das zu einer Baisse oder sogar zu einem Crash führen könnte.