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Trivago schrumpft sich gesund


Im November erst hatte Trivago seinen neuen Campus am Düsseldorfer Medienhafen offiziell eröffnet. Die rund 1.500 Mitarbeiter des Vergleichsportals für Hotelpreise sitzen in zwei futuristischen Bauten – mit Foodtruck in der Kantine und Joggingstrecke auf dem Dach: ein bisschen Silicon-Valley-Feeling am Rhein.

Das Ausbaupotenzial für bis zu 3.000 Leute benötigt Trivago vorerst allerdings nicht. Denn das Düsseldorfer Einhorn, das seit Dezember 2016 an der New Yorker Nasdaq gelistet ist, muss sparen. Das Marketingbudget etwa für die frechen TV-Spots, für die Trivago bekannt ist, wurde seit Sommer um fast ein Drittel gekappt.

Nur so ist es Mitgründer und CEO Rolf Schrömgens, 43, gelungen, Trivago aus den roten Zahlen zu führen – zumindest im zweiten Halbjahr 2018. Im vierten Quartal fuhr Trivago 11,7 Millionen Euro Gewinn ein. Dennoch blieb für das Gesamtjahr unter dem Strich ein Nettoverlust von 20,8 Millionen Euro – mehr noch als 2017.

Schrömgens ist erleichtert. „Wir haben gezeigt, dass Trivago ein profitables Unternehmen ist“, betont er im Gespräch mit dem Handelsblatt. Bis zum Sommer noch soll Profitabilität bei Trivago vor Wachstum gehen. Die Aktionäre honorieren das. Der Kurs stieg zum Börsenstart um bis zu acht Prozent auf sechs Dollar.

Doch das Sparen hat Folgen: Weniger TV-Werbung führte zu weniger Besuchern auf der Webseite und weniger Umsatz. Der fiel 2018 um zwölf Prozent auf 915 Millionen Euro – und blieb damit unter der magischen Milliarden-Marke. Die hatte Trivago 2017 erstmals überschritten. Analysten hatten eigentlich mehr Umsatz erwartet.


Mit seinen TV-Spots ist Trivago, das in 190 Ländern aktiv ist, zwar weltbekannt geworden. Die Düsseldorfer haben sich mit ihren Werbebotschaften aber auch Ärger eingehandelt. Die australische Wettbewerbsbehörde ACCC hatte Trivago im August 2018 vor dem Federal Court verklagt.

Der Vorwurf: Die Preisvergleiche für Hotels in den Fernsehspots und auf der Webseite seien irreführend. Nicht immer sei – wie suggeriert – das günstigste Hotelzimmer oben angezeigt worden.

Trivago priorisiere Angebote, die per Onlineauktion am meisten zahlen. Zudem würden zuweilen Luxus- und Standardzimmer verglichen. Die besagten Spots, die inzwischen eingestellt wurden, waren seit 2013 rund 400.000-mal in Australien gesendet worden.

Bisher konnte Trivago keine Einigung erzielen. Für September ist nun einen Gerichtstermin angesetzt. Im Falle einer Verurteilung drohen Millionenbußen. Das Management habe entsprechende Rückstellungen gemacht, so Trivago.

Im Dezember hat auch das Bundeskartellamt mit Untersuchungen zu verschiedenen Vergleichsportalen begonnen. „Anbieter von Hotelzimmern können sich Listenplätze auf Hotelplattformen erkaufen“, moniert Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts. Der Verbraucher könne sich nicht immer darauf verlassen, das für ihn beste Angebot auf einem Vergleichsportal zu finden. Auch Trivago gehört zu den untersuchten Portalen, bestätigte das Bundeskartellamt auf Anfrage des Handelsblatts.

„Wir werden überall mit den Behörden zusammenarbeiten“, sagte Schrömgens dazu nur. „In Großbritannien haben wir mitgeholfen, allgemein verbindliche Standards zu entwickeln. Daran werden wir uns selbstverständlich halten.“ Die britische Verbraucherschutzbehörde CMA hatte ebenfalls das Geschäftsgebaren von Trivago geprüft, jedoch keine Haftungsansprüche ausfindig gemacht.


Die britischen Ermittlungen hatten zu einer Sammelklage in New York geführt, von Anlegern, die sich verprellt fühlten. Trivago wurde Anfang Februar dazu angehört.

„Wir haben viel gelernt in diesem Jahr“, resümiert Schrömgens. Im zweiten Halbjahr soll der Umsatz wieder zulegen. Vor allem ist Trivago dabei, sein Geschäftsmodell ständig an die Bedürfnisse der Nutzer anzupassen. Denn die Konkurrenz wächst – vor allem auch durch Google Hotels.

Trivago will künftig mit Alternativen zum Hotel punkten. Mittlerweile sind mehr als 1,5 Millionen Apartments und private Ferienunterkünfte verfügbar. Im Januar wurde mit Red Awning ein weiterer Partner für Alternativen zum Hotelzimmer auf der Webseite eingebunden.

Schrömgens, der selbst gerne mal in einer Ferienwohnung statt im Hotel nächtigt, betont: „Je individueller unsere Angebote für Unterkünfte sind, umso besser können wir uns im Wettbewerb hervorheben.“