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TriEye macht das Autofahren bei schlechter Sicht möglich

Zusammen mit Porsche wollen sie in den Massenmarkt: Die Gründer von TriEye machen Autofahren einfacher – wenn der Fahrer eigentlich nichts mehr sieht.

Wie ein Fußballklub Talentscouts zu Dorfvereinen schickt, schickt Porsche inzwischen Start-up-Scouts nach Israel. Es ist kein Geheimnis mehr, dass es dort zahlreiche junge Tech-Unternehmen mit großem Potenzial gibt. Eine der neuesten Entdeckungen der Talentsucher ist TriEye.

Die Gründer Avi Bakal, Omer Kapach und Uriel Levy haben eine Technologie entwickelt, die Autofahren möglich macht, wenn der Fahrer eigentlich nichts erkennen kann. Die Autokonzerne versuchen schon einiges, um Fahren bei schlechter Sicht sicherer zu machen.

Aber Kamera-, Radar- und Lasersysteme tun sich bei Nebel, Regen, Schnee oder Staub schwer. TriEye kombiniert eine Kurzwellen-Infrarot-Technologie mit klassischen Bildsensoren – das Ergebnis von zehn Jahren Forschungsarbeit, sagen die Tüftler.

Im Mai 2019 hat TriEye zuletzt eine Finanzierungsrunde verkündet, die von Intel Capital angeführt wurde. Weitere Investoren sind Marius Nacht und Grove Ventures. Zwar wird Infrarottechnik schon lange vom Militär und in der Raumfahrt eingesetzt, für den Massenmarkt sind ihre Lösungen aber zu teuer.

Ähnlich wie bei Digitalkameras basiert die TriEye-Technologie auf Halbleiterbauelementen, das macht sie günstiger. Auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas haben die Gründer gerade einen Innovationspreis gewonnen. Simulationen an Bildschirmen zeigen, wie Fußgänger damit plötzlich klar im Nebel erkennbar sind.

Für Porschekunden soll sich das Investment ab 2021 auszahlen

Zusammen mit dem Sportwagenhersteller will TriEye seine Lösung nun in die industrielle Serienproduktion bringen. Im August waren die Stuttgarter als strategischer Investor bei dem Ende 2016 in Tel Aviv gegründeten Unternehmen eingestiegen. Jetzt haben beide Unternehmen bestätigt, dass Entwicklerteams von TriEye mit Ingenieuren von Porsche an Lösungen basteln.

„Unsere Zusammenarbeit mit Porsche war von Anfang an außergewöhnlich, und wir sind uns sicher, dass wir dieses Potenzial ausbauen können“, sagt Geschäftsführer und Mitgründer Avi Bakal. Noch wird ausgelotet, wie die Technologie am besten eingesetzt werden könnte.

Optionen sind Verbesserungen bei Fahrerassistenzsystemen und vor allem neue Funktionen im Bereich des hochautomatisierten Fahrens und Parkens, heißt es bei Porsche. Der Einstieg von Porsche Ventures erfolgte im Rahmen einer verlängerten Finanzierungsrunde.

Im Frühjahr hatte TriEye von Investoren um Intel Capital und Grove Ventures, an dem Porsche auch beteiligt ist, etwa 17 Millionen Dollar eingesammelt. Porsche Ventures erhöhte auf 19 Millionen Dollar. Für Porschekunden soll sich das Investment ab 2021 auszahlen, im nächsten Jahr soll die industrielle Produktion anlaufen.

Es ist dies bereits das zweite Start-up aus Israel, in das die Tochter des Volkswagen-Konzerns investiert: Mit Anagog hatte sich Porsche im April 2017 an einem jungen Unternehmen beteiligt, das eine Software zur Verhaltensprognose entwickelt. Dieses Programm soll dabei helfen, auf intelligente Weise Parkoptionen anzubieten.