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Die Tricks der Inkasso-Unternehmen: Darum solltet ihr das Kleingedruckte lesen, wenn ihr ein Inkasso-Schreiben bekommt

Wenn ihr eine Zahlungsaufforderung von einem Inkassounternehmen bekommt, solltet ihr laut der Verbraucherzentrale genau hinschauen. - Copyright: picture alliance / CHROMORANGE | Michael Bihlmayer
Wenn ihr eine Zahlungsaufforderung von einem Inkassounternehmen bekommt, solltet ihr laut der Verbraucherzentrale genau hinschauen. - Copyright: picture alliance / CHROMORANGE | Michael Bihlmayer

Auf Rechnung gekauft und vergessen zu bezahlen – in Zeiten von Online-Shopping kann das schnell passieren. Eine Mahnung wird im zugespammten E-Mail-Postfach übersehen, und schon meldet sich ein Inkassounternehmen.

Sachen wie „Ihr Gläubiger hat uns mit dem Einzug der offenen Forderung gegen Sie beauftragt“, stehen in einer solchen Mitteilung. Und: „Bitte bedenken Sie, dass sich die Beurteilung Ihrer Kreditwürdigkeit verschlechtern kann, wenn Sie eine unbestrittene Forderung nicht zahlen.“

Da kommt bei Betroffenen häufig Angst auf. Sie zahlen die Gesamtforderungen sofort, weil sie weitere Konsequenzen befürchten. Ihr braucht aber „keine Angst vor Inkassobriefen“ zu haben, schreibt die Verbraucherzentrale Hamburg auf ihrer Website. Die Drohungen in den Schreiben sollen euch demnach „bloß einschüchtern“.

Inkassounternehmen setzen laut Verbraucherzentrale 5,8 Milliarden Euro pro Jahr um

Inkasso ist ein rentabler Wirtschaftszweig. Rund 5,8 Milliarden Euro werden laut einem Informationsblatt der Verbraucherzentrale jährlich von Inkassounternehmen umgesetzt. Kein Wunder: Die Unternehmen kassieren zum Teil ordentlich ab. Denn neben der Hauptforderung, also dem tatsächlich geschuldeten Betrag, verlangen sie Zusatzkosten.

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Die Kosten, die vermeintlich durch den Zahlungsverzug entstehen, seien häufig zu hoch angesetzt, schreibt die Verbraucherzentrale. Doch was solltet ihr tun, wenn ihr eine Mahnung erhaltet? Und wie viel müsst ihr wirklich zahlen? Wir haben bei der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein nachgefragt.

„Das Inkassounternehmen darf keine Fantasie-Summen verlangen“

Die schlechte Nachricht: Habt ihr eine Rechnung nicht bezahlt, könne der Gläubiger ohne weitere Mahnung ein Inkassounternehmen beauftragen, sagt Michael Herte, Referatsleiter Markt, Recht und Finanzdienstleistungen der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Dann entstehen zusätzliche Entgelte.

„Das Inkassounternehmen darf allerdings keine Fantasie-Summen verlangen“, so Herte weiter. Lange Zeit hätten Inkassounternehmen wie Anwälte abgerechnet. „Die Rechtsgrundlage hierfür wurde von Verbraucherschützern oft in Zweifel gezogen.“ 2021 ist dann eine neue Inkassorechtsreform in Kraft getreten.

Damit wurden insbesondere der Umgang mit Kleinforderungen und die entsprechenden Gebühren festgeschrieben. Bei nicht bestrittenen Forderungen bis 50 Euro gilt seit Oktober 2021 nun ein besonderer Gebührenwert von 30 Euro, der in der Regel mit einem Satz von 0,9 berechnet wird. Das bedeutet, dass ihr in diesem Fall höchsten 27 Euro an Inkassokosten zahlen müsst. Es kommt allerdings noch eine Auslagenpauschale hinzu.

„Im Inkassobereich gibt es viele Tricks, mit denen Verbraucher unter Druck gesetzt werden“

Seit der neuen Reform steht auch fest: Zahlt der Schuldner sofort, verringert sich der zusätzliche Betrag auf eine Geschäftsgebühr von 0,5 nach dem sogenannten Vergütungsverzeichnis für Rechtsanwälte.

Das steht auch in dem Business Insider vorliegenden Mahnbescheid eines Inkassounternehmens. Allerdings steht der verringerte Betrag weiter unten und ist im Gegensatz zum „ausstehenden Gesamtbetrag“ nicht in der Farbe Blau gedruckt.

„Im Inkassobereich gibt es viele Tricks, mit denen Verbraucher unter Druck gesetzt werden, und meistens handelt es sich dabei um einen Graubereich“, sagt Herte von der Verbraucherzentrale Schleswig-Holstein. Die meisten Verbraucherprobleme würden wegen schwer verständlichen und zum Teil versteckten Individualvereinbarungen entstehen.

Vorsicht bei Ratenzahlungsangeboten von Inkassounternehmen

„Es gibt die Vertragsfreiheit, daher sind Inkassounternehmen grundsätzlich frei darin, was sie in ihren Zahlungsaufforderungen sonst noch so regeln“, sagt der Experte. Häufig sei nicht auf den ersten Blick erkennbar, dass es sich bei einem Angebot, zum Beispiel für eine Ratenzahlung, tatsächlich um einen neuen Vertrag handele.

Nutzt ihr also die angebotene Ratenzahlung, erkennt ihr, laut Herte, die Forderung an und verpflichtet euch zu einer Gegenleistung für diese Zahlungshilfe. Ihr könnt danach also auch nicht mehr widersprechen, denn mit der Vertragsannahme erkennt ihr eure Schuld an.

„Man muss die Schreiben genau durchlesen und erkennen, was denn der ‚Preis‘ einer Zahlungserleichterung oder eines Nachlasses bei schneller Zahlung tatsächlich ist“, sagt Herte. Auch bei der Business Insider vorliegenden Mahnung steht ganz unten, dass eine Einigungsgebühr anfällt, sofern eine Ratenzahlungsvereinbarung geschlossen wird. Damit würde der Betrag nochmal um den Faktor 0,7 steigen.

Ihr solltet prüfen, ob die Forderung berechtigt ist

Wenn ihr ein Inkassoschreiben bekommt, solltet ihr gründlich prüfen, ob es sich um ein seriöses Inkassounternehmen handelt, rät Herte. Aus dem Inkassoschreiben muss etwa klar hervorgehen, welches Unternehmen den Auftrag erteilt hat. Auf der Seite der Verbraucherzentrale gibt es einen KI-gestützten Inkasso-Check, der dabei helfen kann, herauszufinden, ob der Inkassobrief echt ist.

„Verbraucher sollten auch überprüfen, ob es sich um eine berechtigte Forderung handelt“, sagt der Experte weiter. Dafür sei es ratsam, nachzuschauen, ob tatsächlich ein Vertrag mit dem genannten Unternehmen zustande gekommen ist und ob die Leistung von dessen Seite erfüllt wurde.

„Ist das der Fall und man hat nicht gezahlt, ist die Forderung möglicherweise berechtigt“, so Herte. Bei Unklarheiten könne eine Verbraucherzentrale helfen. In Schleswig-Holstein sei die Beratung für einkommensschwache Haushalte etwa kostenfrei.

Wenn ihr fälschlicherweise widersprecht, wird es teurer

Er rate dazu, Forderungen nicht kategorisch zu widersprechen, sagt Herte. „Stattdessen ist es ratsam zu sagen: ‚Ich bin bereit zu zahlen, wenn Sie mir genau darlegen, für welche Leistung ich zahlen soll und wie sich der Betrag zusammensetzt‘.“

Denn laut dem Verbraucherschützer solltet ihr unbedingt darauf achten, dass ihr die Forderung nicht bestreitet, wenn sie berechtigt ist. Falls ihr widersprecht, obwohl eine berechtigte Forderung besteht, darf das Inkassounternehmen höhere Gebühren verlangen. In diesem Fall kann es wie ein Anwalt mit einem Faktor von 1,3 abrechnen – und dann wird es noch teurer.