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Traton legt gute Quartalszahlen vor – wagt aber keine Gewinnprognose

·Lesedauer: 4 Min.

Nach dem Frühjahrseinbruch haben sich die Geschäfte zwar erholt, doch auf Jahr schreibt die VWs Lkw-Tochter bis zum Herbst rote Zahlen. Das dürfte wohl auch so bleiben.

Die Geschäfte der VW-Lkw-Tochter Traton entwickeln sich zwar wieder besser, aber die Gewinnzone hat das Unternehmen noch immer nicht erreicht. Auch für den Rest des Jahres will sich die Lastwagen-Sparte nicht festlegen, ob es am Ende noch für schwarze Zahlen reichen wird.

Wie das Unternehmen an diesem Dienstag mitteilte, seien die Unsicherheiten aufgrund der Corona-Pandemie einfach noch zu groß und ließen keine klare Ertragseinschätzung zu. Traton ist die Dachgesellschaft von Lkw-Marken wie MAN und Scania.

Bei der Nutzfahrzeug-Holding von Volkswagen haben Verluste von MAN die Gewinne der schwedischen Schwestermarke Scania in den ersten neun Monaten weitgehend aufgezehrt. Der angeschlagene Münchener Lkw- und Bushersteller MAN schrieb wegen des Absatzeinbruchs während der Corona-Pandemie einen operativen Verlust von 414 Millionen Euro.

Scania hielt sich mit einem operativen Gewinn von 419 Millionen Euro in den schwarzen Zahlen. Insgesamt kommt Traton auf einen operativen Verlust von 58 Millionen Euro in den ersten neun Monaten, nach einem Gewinn von 1,48 Milliarden Euro im Vorjahr.

Nach dem schweren Einbruch im Frühjahr haben die Geschäfte im dritten Quartal wieder deutlich angezogen – entsprechend hat es in den Monaten Juli bis September für einen Quartalsgewinn gereicht. Das Unternehmen kommt im dritten Quartal auf einen operativen Ertrag von 162 Millionen Euro, rund 70 Prozent weniger als vor einem Jahr. „Die Erholung ist schneller erfolgt als erwartet“, sagte Traton-Vorstandschef Matthias Gründler mit Blick auf die zuletzt positive Entwicklung im Gespräch mit Journalisten.

Der gesamte Fahrzeugabsatz von Traton ist in den ersten neun Monaten um 29 Prozent auf 127.700 Lastwagen zurückgegangen. Mit rund 15,7 Milliarden Euro liegt der Umsatz nach drei Quartalen um rund 20 Prozent unter dem Wert des Vorjahreszeitraums. Diese massiven Rückgänge wird Traton bis Jahresende nicht mehr vollständig aufholen können.

Beim Auftragseingang kam der Konzern von Juli bis September auf ein deutliches Plus von 19 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum – ein weiterer Hinweis auf eine Wiederbelebung der Geschäfte. Für das gesamte Jahr bis Ende September liegt der Auftragseingang noch 14 Prozent unter dem Vorjahresergebnis, so Traton-Finanzvorstand Christian Schulz.

„Das dritte Quartal mit stark verbesserten Auftragseingängen macht Hoffnung, dass Traton auf Jahressicht noch schwarze Zahlen schreiben kann“, kommentierte Frank Schwope, Automobilanalyst bei der NordLB in Hannover, das Neunmonatsergebnis der Lastwagen-Sparte von Volkswagen. Die Traton-Aktie ist im SDax notiert. Nach der Veröffentlichung der Quartalszahlen reagierte das Papier bis zum Mittag mit einem Plus von etwa zwei Prozent.

Navistar-Übernahme macht konkrete Fortschritte

„Unsere wichtigste Aufgabe besteht darin, das operative Geschäft weiter zu stabilisieren“, erklärte Traton-Chef Gründler. In den vergangenen Monate eingeleitete Spar- und Sanierungsschritte wirkten sich inzwischen positiv aus. „Wir machen uns weiter fit für die Zukunft“, so Gründler weiter, der seit dem Sommer an der Spitze von Traton steht.

Insbesondere MAN steht vor einem einschneidenden Sanierungsprogramm. Die Verhandlungen zwischen Unternehmen und Betriebsrat darüber laufen noch und sollen bis zum Jahresende abgeschlossen werden, wie Gründler ergänzte. Mehr als 9000 Arbeitsplätze könnten gestrichen werden. Aktuell kommt MAN noch auf etwa 36.000 Mitarbeiter. Für die Kosten des Sanierungsprogramms sind bislang noch keine Rückstellungen gebildet worden.

Zudem sollen bei Scania rund 5000 Stellen gestrichen werden. Diese Restrukturierung wird nach Angaben Gründlers voraussichtlich im zweiten Quartal nächsten Jahres abgeschlossen. Außerdem spart die gesamte Traton-Gruppe bei den Sachkosten, bei den Investitionen und in der Entwicklung.

Der Traton-Vorstandschef warnte vor möglichen neuen negativen wirtschaftlichen Folgen wegen der aktuell hohen Covid-Infektionszahlen. „Wir müssen in den nächsten Wochen sehr wachsam sein“, sagte er. Weitere staatliche Investitionspläne für Nutzfahrzeuge könnten die Nachfrage stabilisieren.

„Unsere hohe Liquiditätsausstattung garantiert Sicherheit“, ergänzte Gründler. Zum Stichtag 30. September sei Traton auf liquide Mittel in Höhe von 2,2 Milliarden Euro gekommen, ergänzt um weitere Kreditlinien im Umfang von 7,7 Milliarden Euro.

Am vergangenen Wochenende hatte Traton eine Übernahmevereinbarung mit seinem US-Wettbewerber Navistar unterzeichnet. „Damit haben wir einen großen Schritt geschafft“, sagte Gründler. Das Unternehmen hält bereits 17 Prozent der Anteile und will den amerikanischen Wettbewerber für umgerechnet etwa 3,2 Milliarden Euro komplett übernehmen. Bis Mitte nächsten Jahres soll die Transaktion abgeschlossen sein. Die grundsätzliche Zustimmung der freien Navistar-Aktionäre sei inzwischen erreicht worden.

Mit der Übernahme komme Traton seinem Ziel näher, ein weltweit agierender Lkw-Hersteller zu werden, so Gründler. MAN und Scania sind in Nordamerika nicht vertreten. Nur in Asien fehlt der Volkswagen-Tochter künftig noch eine maßgebliche Präsenz. Navistar soll eng in die Traton-Gruppe eingebunden werden. Gründler sprach von „signifikanten Kostensenkungen“ etwa durch eine gemeinsame Motorenentwicklung. NordLB-Analyst Schwope rechnet langfristig mit Synergien in Milliardenhöhe.