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Mit Treckern für Tierschutz - Appell für Kampf gegen Hunger

Berlin (dpa) - Mehrere Tausend Menschen haben am Wochenende zur Agrarmesse Grüne Woche in Berlin für mehr Tier- und Klimaschutz in der Landwirtschaft demonstriert. Der Protestzug mit dem Motto «Wir haben es satt» und 55 Traktoren führte am Samstag zum Brandenburger Tor. Die Forderungen zielten etwa auf das Ende von Riesenställen und einen Stopp des Insektensterbens.

Bundesagrarminister Cem Özdemir (Grüne) rief zu mehr Engagement Europas für eine langfristige Ernährungssicherung in Afrika auf. Man müsse von «Krisenhopping» wegkommen. «Getreidesilos bauen, statt Getreidesäcke schicken – darum muss es gehen», sagte er nach einer Konferenz mit internationalen Amtskollegen in Berlin.

Mit Traktoren und Schweinefiguren

Bei der Demo hieß es auf Transparenten und Schildern: «Insekten schützen» oder «Agrarindustrie Tötet!» Auf einer Schweinefigur, die über die Straße gezogen wurde, stand: «Massentierhaltung braucht kein Schwein.» Nach Angaben der Veranstalter nahmen rund 10.000 Menschen teil. Die Polizei sprach von gut 7000 Männern und Frauen. Zahlreiche Traktoren waren im Berliner Stadtgebiet unterwegs. Die Demonstration sei friedlich verlaufen. Landwirte überreichten auch eine Protestnote an Özdemir, der dafür aus der Konferenz herauskam.

Die Initiative «Wir haben es satt» forderte «faire» Erzeugerpreise und Sozialleistungen, die ökologischen Konsum möglich machen. Mehr Flächen sollten zum Anbau menschlicher Nahrung genutzt werden statt für Futter. Die Demo läuft seit Jahren zur Grünen Woche. Dort präsentieren sich nach zwei Jahren Corona-Pause bis 29. Januar rund 1400 Aussteller.

Ziel: Stärkerer Kampf gegen den Hunger

Özdemir nannte es «ein gutes Zeichen», dass viele Forderungspunkte der Demonstration mit der Deklaration der parallel in Berlin tagenden Agrarminister übereinstimmten. In einer Erklärung unterstrichen die Regierungsvertreter aus 64 Ländern das Ziel eines stärkeren Kampfes gegen den Hunger in der verschärften Lage wegen des Ukraine-Kriegs. Für das global vereinbarte Ziel, den Hunger in der Welt bis 2030 zu beenden, gebe es nur noch acht Ernten. Landwirtschaft könne nur erfolgreich zur Ernährungssicherung beitragen, wenn sie zugleich den Planeten erhalte.

Özdemir betonte, Deutschland und die EU müssten im Kampf gegen den Hunger in Afrika endlich präsenter sein. «Wir dürfen das Feld nicht den autoritären Staaten überlassen, die dort aktiv sind und durch ihre Investitionen versuchen, neue Abhängigkeiten zu schaffen.» Die Bundesregierung vereinbarte dazu mit der Afrikanischen Union eine «Zukunftspartnerschaft», um Ernährungssysteme krisenfester zu machen.

Resolution des Bauernverbands

Das Präsidium des Deutschen Bauernverbands verabschiedet eine Resolution, nach der Deutschland und die EU als Standorte mit guten Anbaubedingungen mitverantwortlich seien, die Welt mit Lebensmitteln zu vesorgen. Herausforderungen wie der Klimawandel und der Erhalt der Artenvielfalt müssten mit hochwertiger und nachhaltiger Nahrungsmittelerzeugung verbunden werden, wie am Sonntag mittgeteilt wurde.

Özdemir hatte dagegen am Samstag hervorgehoben, zentral sei ein Wissenstransfer. Know-how etwa zum Pflanzenschutz gehöre nach Afrika und «nicht primär in die Konzernzentralen, die damit natürlich Geld verdienen wollen». Um Verluste nach der Ernte von bis zu 50 Prozent zu vermeiden, brauche es Lagermöglichkeiten, Logistik und Verarbeitungskapazitäten. Özdemir übte auch Selbstkritik am europäischen Kurs. Man müsse sich fragen, ob Agrarexporte Krisen verstärkten und Abhängigkeiten förderten - indem sie Perspektiven für afrikanische Märkte etwa für Geflügel und Milch vernichteten.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj unterstrich in einer Videobotschaft bei der Konferenz, dass sein Land trotz des russischen Angriffskriegs weiter Lebensmittel für die Welt bereit stellen wolle. Trotz russischer Raketenangriffe auf die Infrastruktur und brutaler Kämpfe in Regionen, die extrem wichtig für die Landwirtschaft seien, bestellten die Bauern weiter die Felder. Er beklagte anhaltende Behinderungen von Exporten per Schiff durch russische Vertreter.