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Tennis-Ikone ist tot: Agassi hat nicht nur gute Erinnerungen

Tennis-Ikone ist tot: Agassi hat nicht nur gute Erinnerungen
Tennis-Ikone ist tot: Agassi hat nicht nur gute Erinnerungen

Er coachte Andre Agassi, Monica Seles, Boris Becker, Tommy Haas, Sabine Lisicki, die Williams-Schwestern und viele andere Stars - nun ist Nick Bollettieri, eine der größten Trainer-Ikonen des Tennis, nicht mehr am Leben.

Laut übereinstimmenden US-Medienberichten ist Bolletieri am 4. Dezember im Alter von 91 Jahren verstorben.

Nick Bollettieri formte zehn Weltranglisten-Erste

Nicholas James Bollettieri, am 31. Juli 1931 in Pelham/New York als Sohn italienischer Einwanderer zur Welt gekommen, der frühere Armee-Leutnant erwarb sich einen Ruf als Motivator und harter Arbeiter.

Bollettieri war seit 1956 Tennis-Trainer und arbeitete bis ins hohe Alter in seiner einst wegweisenden Akademie in Bradenton/Florida, in der er zahlreiche Stars formte.

Er trainierte insgesamt zehn Weltranglisten-Erste: Agassi, Seles, Becker, Courier, Marcello Rios, Venus und Serena Williams, Martina Hingis, Scharapowa, Jelena Jankovic.

Bollettieris Leben war rastlos: “Ich wünsche anderen diese Mentalität nicht unbedingt, weil man nie zur Ruhe kommt“, sagte er einst in einem Interview mit dem Spiegel: „Aber ich liebe das Abenteuer.“ Die Lebenseinstellung ließ sich auch an seinem Privatleben ablesen: Er war achtmal verheiratet, hatte sieben Kinder.

Boris Becker verliert dritten Ex-Coach in zwei Jahren

Die längste Verbindung als tourender Coach hatte Bollettieri zwischen 1986 und 1993 mit dem damals nach oben strebenden Agassi. Becker trainierte er danach von 1993 bis 1995.

Becker gewann unter Bollettieri allerdings kein Grand-Slam-Turnier, allerdings unter dessen mit ihm verbundenen Nachfolger Mike De Palmer (Jr.), der im vergangenen Jahr mit nur 59 Jahren an Krebs verstorben war.

De Palmer - der Becker zum Gewinn der Australien Open 1996 führte - entstammte Bollettieris Umfeld, sein 2020 verstorbener Vater Mike De Palmer Sr. hatte beim Aufbau der Akademie geholfen.

Härte für Andre Agassi - längere Leine für Becker

Es gab auch Kritik an seinen Methoden, John McEnroe schrieb einst Schlagzeilen, indem er Bollettieri als „Scharlatan“ beschimpfte.

„Wer sich über die Meinung von Mitmenschen ärgert, hat schon verloren. Ich habe gelernt, Vögel fliegen zu lassen“, antwortete Bollettieri auf Kritiker.

Auch Agassi hatte bei aller Wertschätzung nicht nur gute Erinnerungen an seinen Mentor. Bollettieris Akademie nannte er in seiner Autobiografie „Open“ ein „besseres Gefangenenlager“ mit ständigem Druck und „mörderischer Konkurrenz“. Steffi Grafs Ehemann war in dieser Hinsicht vorgeschädigt vom autoritären Geist seines 2021 verstorbenen Vaters Emmanuel.

Ein derart kompromisslos harter Hund war Bollettieri trotz allem nicht, Boris Becker ließ er anders als die erfolgreichen Vorgänger Günter Bosch und der 2021 verstorbene Bob Brett ließ Bollettieri Becker disziplintechnisch an einer längeren Leine: „Ich werde Boris fragen, was er machen will. Ich werde niemals Boris Becker ändern. Das darf man nicht“, umschrieb er seine Philosophie mit Becker - in seinen späteren Trainerjahren wurde seine Herangehensweise generell etwas bedürfnisorientierter.

Was die eigene Fitness anging, blieb Bollettieri immer konsequent: Noch an seinem 90. Geburtstag stand der stets sonnengebräunte Altmeister um 5.30 Uhr auf, absolvierte seine Dehnübungen, machte Sit-ups und Liegestütze, bewegte Gewichte.

Sabine Lisicki und Tommy Haas nehmen Abschied

Nach Bollettieris Tod verabschiedeten sich zahlreiche frühere Schützlinge via Social Media, neben Agassi würdigte unter anderem auch die frühere Wimbledon-Finalistin Sabine Lisicki ihren einstigen Lehrmeister: „Danke Nick! Du hast so vielen Kindern einen Platz gegeben, um ihre Träume zu leben. Du hast sie unterstützt mit deinem Wissen und dem Glauben, dass alles möglich ist. Du hast das Tennisspiel geformt. Du wirst sehr vermisst. Ruhe in Frieden, Nick.“

Auch Tommy Haas - von Bollettieri auf Platz 2 der Weltrangliste geführt, postete bei Instagram einen liebevollen Nachruf: „So viele Erinnerungen, ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll. Danke für deine Zeit, dein Wissen, deine Hingabe, deine Expertise, deinen Willen und dein persönliches Interesse an meiner Karriere. Du warst ein Träumer und ein Macher, ein Pionier in unserem Sport, du warst einzigartig.“

Auch persönliche Anekdoten kamen nicht zu kurz: „Ich werde dich in der Akademie vermissen, unsere Gespräche über Tennis, wie du deine Bräune, deine weißen Zähne und den Körperfett vorgeführt hast, ich werde vermissen wie du Tai Chi gemacht hast, ich mit dir Golf gespielt hast, du versucht hast zu schummeln, ein Snickers gegessen hast und in die Büsche gelaufen bist - und zu hören, was du auch noch mit 91 alles für Pläne hattest. Danke für alles, RIP Nicki.“

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Mit Sportinformationsdienst (SID)