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Trade Republic im Foolishen Test

Caio Reimertshofer, Motley Fool beitragender Investmentanalyst
·Lesedauer: 6 Min.

Trade Republic ist seit geraumer Zeit keine Unbekannte mehr, wenn es um den Handel mit Aktien geht. Die Robinhood-Alternative aus Deutschland betitelt sich selbst als erster mobiler und provisionsfreier Broker. Man kann bei Trade Republic laut eigenen Unternehmensangaben Aktien, ETFs und Derivate ohne Orderprovision handeln. Für die Abwicklung eines Handelsgeschäfts fällt lediglich eine Fremdkostenpauschale in Höhe von 1 Euro an. Eine Depotgebühr existiert bei Trade Republic nicht.

Es ist offensichtlich, dass Trade Republic direkt in das Konkurrenzfeld von herkömmlichen und Onlinebanken eintritt. Gerade Banken versuchen, aufgrund des Negativzinsumfelds durch Gebühren und Provisionen neue Einnahmequellen zu erschließen. Das FinTech mit eigener Banklizenz wirbt damit, auf Automatisierungen zu setzen anstatt auf veraltete IT – das sei auch der Grund, weshalb die Kunden bei ihren Trades von hohen Kosten befreit sind. Später werden wir sehen, dass es bestimmte Gründe dafür gibt, dass Trade Republic seine Dienste so günstig anbieten kann.

Nachfolgend werde ich meine persönlichen Einschätzungen und Erfahrungen zu Trade Republic abgeben. Dabei möchte ich vor allem auf Vorteile und Nachteile für Anleger eingehen. Auch möchte ich einen Blick hinter die Kulissen wagen und auf das Geschäftsmodell eingehen. Trade Republic ist zwar selbst nicht als Aktie gelistet, aber möglicherweise verbirgt sich dennoch ein interessantes Geschäft hinter dem Unternehmen. Und wer weiß, was noch nicht ist, kann ja noch werden.

Erfahrungen mit Trade Republic

Wer mit der Foolishen Anlagephilosophie vertraut ist, der weiß, dass wir langfristig und unternehmensorientiert denken. Entsprechend investieren wir auch so in Aktien. Wenn wir in ein Unternehmen investieren, dann nur, weil wir davon überzeugt sind, dass es großartig ist. Wir Fools möchten das Unternehmen über Jahre oder Jahrzehnte hinweg bei der Entwicklung begleiten und natürlich dabei von einer positiven Rendite profitieren. Am besten deutlich marktschlagend – das ist unser Anspruch.

Die deutsche Robinhood-Alternative Trade Republic steht für eine gänzlich andere Mentalität. So vermarktet das FinTech sich auch selbst: Man denke dabei nur an die junge Dame aus der Fernsehwerbung, die nur so vor Glück strahlt, weil sie während ihrer Zugfahrt ganz einfach ein paar Trades durchführen kann. Um den Rahmen des Artikels nicht zu sprengen, möchte ich nun nicht näher darauf eingehen, weshalb kurzfristiges Traden aus Anlegersicht nicht wirklich sinnvoll ist. Nur so viel dazu: Es liegt sehr im Interesse von Trade Republic, dass so viel wie möglich getradet wird. Ein altes Börsensprichwort beschreibt es auch ganz gut: „Hin und her macht Taschen leer“.

Vorteile und Nachteile

In meinen Augen kann man die Plattform von Trade Republic aber durchaus zu seinem Vorteil nutzen, zumindest wenn man ein bestimmtes Ziel verfolgt. Die niedrige Kostenstruktur aus Anwendersicht ermöglicht es, Geld zu sparen. Andere Broker oder Banken nehmen für einzelne Trades durchaus mehr Gebühren, was ein eindeutiger Vorteil von Trade Republic ist. Vor allem für einen Sparplan auf einen ETF oder eine Aktie zahlt man nichts. Dementsprechend könnte man Trade Republic als langfristig orientierter Investor dafür nutzen, seinen Sparplan dort aufzusetzen. Der Sparplan läuft üblicherweise über Jahre hinweg, somit umgeht man es auch, dem Trading zu verfallen.

Vorteile

  • Nur 1 Euro Fremdkostenpauschale je Handelsgeschäft

  • Sparplankauf ETF oder Aktie kostenfrei

  • Kostenlose Depotführung

  • Moderne Technologie mit benutzerfreundlicher App

  • Lange Handelszeiten von 7:30 bis 23:00 Uhr

Nachteile

  • Man wird durch den Aufbau der App dazu verleitet, zu traden, was der eigenen Rendite schaden kann.

  • Aktienhandel ist auf 7.300 deutsche und internationale Wertpapiere beschränkt

  • „Nur“ 500 ETFs zur Auswahl für regulären Handel

  • Lediglich 300 ETFs und nur rund 1.000 Aktien stehen für den Sparplan zur Verfügung.

Wo Licht ist, da ist üblicherweise auch Schatten. Aufgrund der Art und Weise, wie das Geschäft von Trade Republic aufgebaut ist, ist die Auswahl an Wertpapieren eingeschränkt. Sollte man Trade Republic also Foolishe für einen kostenfreien Sparplan nutzen möchten, ist man auf die Aktien beschränkt, die im Universum von Trade Republic vorhanden sind.

So verdient Trade Republic sein Geld

Auf den ersten Blick ist es schwer, zu verstehen, wie Trade Republic eigentlich Geld verdienen kann. Gut, laut jüngsten Geschäftszahlen betreibt Trade Republic noch ein Verlustgeschäft, aber dennoch machen sie mit den Trades auf ihrer Plattform Umsätze. Das Geheimnis liegt darin vergraben, wie die Plattform von Trade Republic aufgebaut ist.

Auf Trade Republic Aktien zu handeln bedeutet nicht, dass man direkt frei an allen Börsen handeln kann. Man kann die Plattform als eine eigene Art von Börse betrachten, die ihre Wertpapiere (Aktien und ETFs) exklusiv vom elektronischen Handelssystem LS Exchange bezieht. Der Derivatehandel erfolgt außerbörslich direkt mit einem Emittenten: HSBC Deutschland.

Dort bezieht der Broker selbst oder möglicherweise auch mithilfe von wenigen Marketmakern die Wertpapiere, die angeboten werden. Man kann sich Trade Republic als ein geschlossenes Ökosystem vorstellen. Da man auf der Plattform quasi mit Aktien handelt, die Trade Republic oder ein Marketmaker im Besitz hat, ist der Handel auch wesentlich länger möglich als an Börsen.

Das ist gewissermaßen ein Vorteil, birgt jedoch auch Nachteile. Zum einen ist da die Abhängigkeit von bestimmten Handelspartnern und zum anderen werden die Kurse nach den offiziellen Handelszeiten der Börse meines Erachtens nach einer bestimmten Willkür ausgesetzt.

Für die handelbaren Wertpapiere auf der Plattform gibt es gemäß Trade Republic eine Devise: „Tap, Tap, Trade“. Benutzer werden dazu angeregt, möglichst oft mit ihren Aktien zu handeln. Denn bei jedem Handelsgeschäft streicht das FinTech einen Euro Fremdkostenpauschale vom Benutzer ein, aber eben auch eine entsprechende Provision von seinen Partnern, die für den Endverbraucher natürlich nicht ersichtlich ist. Es ist also für das Unternehmen enorm wichtig, dass jeder gewonnene Kunde möglichst viel tradet, denn das treibt die Umsätze nach oben.

Fazit zu Trade Republic

Unterm Strich kann man sagen, dass es durchaus sinnvoll sein kann, bei Trade Republic ein Depot zu eröffnen. Die günstige Kostenstruktur für den Endverbraucher ist durchaus attraktiv. Gerade für langfristig orientierte Anleger, die mit der Aktienauswahl des FinTech zurechtkommen, könnte es eine Überlegung wert sein, hier einen Sparplan anzulegen. Damit kann man (zumindest aktuell) auf Dauer kostenfrei Aktien besparen und spart im Vergleich zu anderen Brokern oder Banken eine Menge an Gebühren.

Die vermittelte Anlagephilosophie ist dort alles andere als Foolish, aber hängt damit zusammen, wie das Geschäftsmodell aufgebaut ist. Als Privatanleger kann man (noch?) nicht an der Entwicklung von Trade Republic teilhaben, aber möglicherweise könnte sich das eines Tages ändern. Im Moment ist es ohnehin noch ein Wagniskapital-Investment, das sehr viel Geld für Investitionen in Werbung und Marketing verschlingt. Es wird daher interessant sein zu sehen, wie sich das FinTech in Zukunft entwickelt und ob es irgendwann dazu eine Foolishe Unternehmensanalyse geben könnte.

The post Trade Republic im Foolishen Test appeared first on The Motley Fool Deutschland.

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Caio Reimertshofer besitzt keine der erwähnten Aktien. The Motley Fool besitzt keine der erwähnten Aktien.

Motley Fool Deutschland 2020