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Der trügerische Optimismus deutscher Firmen in China

dpa Tenberg, Lucas
·Lesedauer: 4 Min.

Trotz Coronapandemie konnte 2020 mehr als jedes dritte deutsche Unternehmen den Umsatz in China steigern. Vor allem auf das Investitionsabkommen mit der EU setzen viele neue Hoffnung – doch das kann sich rächen.

China, das die Pandemie bereits im Frühsommer unter Kontrolle gebracht hatte, war die einzige große Volkswirtschaft, die 2020 ein Wachstum geschafft hatte. Foto: dpa
China, das die Pandemie bereits im Frühsommer unter Kontrolle gebracht hatte, war die einzige große Volkswirtschaft, die 2020 ein Wachstum geschafft hatte. Foto: dpa

Während der Coronakrise hat sich das China-Geschäft für Deutsche Firmen als eine wichtige Stütze erwiesen. Das geht aus den am Dienstag veröffentlichten Ergebnissen der jährlichen Geschäftsklima-Umfrage der Deutschen Handelskammer in China hervor. Demnach gelang es trotz Pandemie 39 Prozent der deutschen Unternehmen ihren Umsatz in China im abgelaufenen Jahr zu steigern. Sogar 42 Prozent der Firmen konnten beim Gewinn zulegen. Zudem habe es 2020 rund ein weiteres Viertel der befragten Unternehmen in China geschafft, Umsätze und Ergebnisse in etwa auf dem Niveau des Vorjahres zu halten.

China, das die Pandemie bereits im Frühsommer unter Kontrolle gebracht hatte, war die einzige große Volkswirtschaft, die 2020 ein Wachstum geschafft hatte. „Davon haben auch deutsche Unternehmen profitiert“, sagte Andreas Glunz von der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG, die an der Umfrage beteiligt war. Die Rückgänge in der EU und den USA seien durch das im zweiten Halbjahr in China wieder anziehende Geschäft teilweise kompensiert worden.

Große Erwartungen haben die deutschen Firmen an das geplante Investitionsabkommen (CAI) zwischen der EU und China. „Durch das CAI werden die von China bereits eingeleiteten Marktöffnungsschritte für europäische Unternehmen unumkehrbar“, sagte Stephan Wöllenstein, Präsident der Deutschen Handelskammer in China. Zwar hätten Unternehmen auch in Zukunft mit Herausforderungen auf „indirekter Ebene“ zu kämpfen. Von den Vereinbarungen im CAI erhofften sich die deutschen Unternehmen aber mehr Rechtssicherheit und bessere Wettbewerbsbedingungen.“

„China ist gut darin, Dinge jahrelang zu versprechen“

Ob China diese hohen Erwartungen zukünftig wirklich erfüllen kann ist fraglich. Im Interview mit der WirtschaftsWoche äußerte der seit zehn Jahren in Shanghai tätige und lebende Rechtsanwalt Patrick Heid Bedenken: „Ich mache seit zehn Jahren eher unterdurchschnittliche Erfahrungen damit, dass sich Chinesen an Verträge, Abkommen und Kompromisse auch halten. Insofern bin ich erstmal zurückhaltend.

Da es bisher nur eine politische aber keine vertragliche Einigung zwischen der EU und Peking gäbe, habe er Zweifel, ob alle Details in die Vereinbarung aufgenommen werden. „China ist gut darin, Dinge jahrelang zu versprechen, sie aber erst dann auch tatsächlich umzusetzen, wenn man sie nicht mehr braucht. Am Ende wird es dabei bleiben, dass China die Bereiche, die es kontrollieren will, praktisch auch weiterhin kontrollieren wird“, so Heid.

Die EU und China hatten Ende Dezember eine grundsätzliche Einigung auf ein Investitionsabkommen verkündet, dessen juristische Details aber noch weiterverhandelt werden müssen. Der Vereinbarung müssen auch noch die EU-Mitgliedsstaaten und das Europa-Parlament zustimmen.

Weiterhin zählten laut der Kammer administrative und bürokratische Hürden zu den größten Hindernissen in China: Zollvorschriften und -verfahren, das Einholen erforderlicher Lizenzen, aber auch die Anforderungen des neuen Gesetzes für Cybersicherheit und das Sozialkredit-System beschäftige die deutschen Firmen.

Trotz aller Hindernisse dominiert laut der Kammer-Umfrage auch mit Blick auf dieses Jahr der Optimismus bei deutschen Firmen in China: So gingen 77 Prozent der Befragten davon aus, dass sich ihre Branche in China besser entwickeln wird als in anderen Märkten. Daher erwarten 72 Prozent der Befragten für ihr Unternehmen in China steigende Umsätze und 56 Prozent höhere Gewinne für 2021.

Dies spiegelt sich auch in einem starken Bekenntnis zum chinesischen Markt wider: Fast alle befragten Unternehmen (96 Prozent) gaben an, keinerlei Pläne zu haben, China zu verlassen und 72 Prozent planen weitere Investitionen, zum Beispiel in Produktionsanlagen (44 Prozent) und Maschinen (34 Prozent) sowie in Forschung und Entwicklung (32 Prozent).

Gefühlte Abhängigkeit von China bis in höchste Politikkreise

Laut Andreas Glunz von KPMG würden „in vielen Schlüsselindustrien in China die Weichen für die Entwicklungen der Zukunft gestellt“. Eine Präsenz vor Ort sei daher wichtig. Große Geschäftschancen in China sehen die befragten deutschen Unternehmen insbesondere bei innovativen Technologien (58 Prozent) und digitalen Lösungen (51 Prozent).

Dass in Deutschland die Sorge vor einem Vorsprungs Chinas bei technischen Innovationen wie der Elektromobilität und künstlicher Intelligenz groß ist, bekommt auch Patrick Heid in Shanghai mit. „Mein Eindruck ist, dass viele in Deutschland Chinas technologische und innovative Fähigkeiten überschätzen, gleichzeitig aber die Bereitschaft Chinas unterschätzen, bestehende Vereinbarungen wieder zu unterlaufen. Das hat dazu geführt, dass es bis in die höchsten Politikkreise in Deutschland eine gefühlte Abhängigkeit von China gibt.“

Er kann nachvollziehen, dass viele Unternehmen in China tätig werden wollen. Denn der dortige Markt sei für Deutschland wichtig. Vergessen sollten Politik und Unternehmen aber nicht, dass China genauso abhängig von deutschem Knowhow sei, so Heid. „Denn in Bereichen wie Automotive, Maschinenbau, Robotik, Medizintechnik oder Smartphone-Entwicklung ist China sicher nicht führend und auch noch nicht auf dem gleichen Stand wie Deutschland oder die USA. Wenn man diese Karte stärker spielen würde, dann wären ganz andere Gespräche mit China möglich.“

Mehr zum Thema: Warum Deutschland im Irrglauben über Chinas technische Fähigkeiten ist, erklärt der in Shanghai tätige Rechtsanwalt Patrick Heid.