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Trüber Ausblick in Autobranche verschreckt Schuldschein-Anleger

Jacqueline Poh

(Bloomberg) -- Schuldschein-Investoren werden skeptischer bezüglich derartiger Papiere aus der Autoindustrie. Hintergrund sind eine Rekordflut an Transaktionen, Besorgnis wegen schwächerer Absatzzahlen und Risiken aus dem Wechsel zu Elektroautos.

Mehr als die Hälfte der Schuldschein-Käufer plant, das Engagement im Autosektor zu reduzieren, ergab eine Umfrage von Bloomberg News unter 30 Top-Arrangeuren und Großinvestoren in der vergangenen Woche. Sie verlangen auch höhere Spreads, nachdem Continental AG, Porsche AG und ZF Friedrichshafen AG dazu beigetragen haben, die Schuldschein-Emissionen der Branche in diesem Jahr um 60% nach oben zu treiben.

Die “düsteren Aussichten“ des Automobilsektors schrecken die Anleger ab, sagt Paul Kuhn, Leiter Debt Capital Markets Origination bei der Bayerischen Landesbank, einem der drei führenden Arrangeure in dem Markt. Es gebe auch ein übermäßiges Exposure aufgrund des “starken Dealflows”.

Schuldschein-Käufer haben bereits erhebliche Abschläge hingenommen, um einige Teile aus einer vom Autozulieferer Leoni AG begebenen Emission zu verkaufen. Denn eine Konjunkturabschwächung drückt auf die Autonachfrage und die Kosten in der Branche steigen angesichts der Notwendigkeit, Elektrofahrzeuge zu entwickeln. Kleinere deutsche Unternehmen, die traditionell das Rückgrat des Schuldschein-Marktes bilden, könnten von der Umstellung auf Elektro-Antriebe besonders betroffen sein, da die gesamten Produktlinien einiger Zulieferer veraltet sein könnten.

Bedenken hinsichtlich der Auto-Papiere verliehen dem ansonsten erstarrten Sekundärmarkt für Schuldscheine Auftrieb. Im vergangenen Monat wurden Tranchen von rund einem Dutzend Branchenemissionen im Wert von etwa 100 Millionen Euro angeboten. Das spiegelt die Tendenz auf dem Anleihemarkt wider, beispielsweise die jüngste Unterperformance der Notes von Renault SA und Ford Motor Co.

Die Emissionen von Automobil-Schuldscheinen überschritten in diesem Jahr 5,3 Milliarden Euro oder rund 20 Prozent des gesamten Marktangebots, wie aus von Bloomberg zusammengestellten Daten hervorgeht. Dazu gehört auch eine 2,1 Milliarden Euro schwere Transaktion des Teileherstellers ZF, der zweitgrößte Schuldschein aller Zeiten. Dasselbe Unternehmen begab 2015 auch den seit jeher größten Schuldschein.

Die Schuldschein-Flut trug dazu bei, dass Emittenten aus dem Autosektor in diesem Jahr durchschnittlich 120 Basispunkte für fünfjährige Tranchen zahlen, verglichen mit 82 Basispunkten im Vorjahr, zeigen von Bloomberg zusammengestellte Daten. Das übertrifft einen Anstieg von etwa 30 Basispunkten bei den Durchschnittskosten für deutsche Emittenten.

Emittenten aus dem Autosektor versuchen das Überangebot abzuschwächen, indem sie ihren Geldgebern längere Zahlungsfristen einräumen. Einige Investoren der Blockbuster-Transaktion von ZF müssen erst im Januar, also mehr als drei Monate nach Abschluss der Transaktion, diese verrechnen. Der Schweizer Autohändler Emil Frey AG vermarktet eine Transaktion mit Valuta-Terminen im Januar und Juli.

Grüner werden

Die Autoindustrie versucht auch, die Investorenbasis zu verbreitern, indem sie auf die breitere Nachfrage nach nachhaltigen Anlagen abzielt. Porsche brachte im August einen grünen Schuldschein im Rekordvolumen von 1 Milliarde Euro an den Markt, der mehr als das Dreifache der vermarkteten Größe betrug.

“Die Zukunft ist grün, vor allem in der Autoindustrie mit Elektromobilität”, sagte Kuhn von der BayernLB.

Dennoch kann dies die Anleger kurzfristig kaum beruhigen angesichts der Erwartung, dass die globale Konjunkturabschwächung den Autoabsatz dämpfen wird. So prognostiziert S&P Global Ratings für die nächsten zwei Jahre kein Wachstum des weltweiten Branchenumsatzes.

Die Automobilproduktion gehört zu den Branchen, die unter der “lang erwarteten Abkühlung der Wirtschaft” leiden könnten, sagt Sebastian Zank, Executive Director bei Scope Ratings, die den Schuldscheinmarkt verfolgt.

Überschrift des Artikels im Original:Gloomy Auto Outlook Spurs Rush for Exit in German Debt Market

Kontakt Reporter: Jacqueline Poh in London jpoh39@bloomberg.net

Kontakt verantwortlicher Editor: Hannah Benjamin hbenjamin1@bloomberg.net, Neil Denslow

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