Deutsche Märkte geschlossen

Top-Europa-Banker von JPMorgan Chase erwarten Zunahme von M&A

Ruth David und Dinesh Nair
·Lesedauer: 3 Min.

(Bloomberg) -- Europäische Unternehmen sind trotz weiter schwelender Corona-Pandemie auf der Suche nach Übernahmezielen. Mit den Anzeichen konjunktureller Erholung und lebhaften Aktienmärkten wird wieder vermehrt über M&A-Deals beraten, wie die beiden Top-Investmentbanker von JPMorgan Chase & Co. für Europa berichten.

“Unternehmen in verschiedenen Sektoren schrecken nicht vor großen Transaktionen zurück und nutzen diese Zeit, um Deals zu machen, die sie sich schon lange angeschaut haben”, sagte Dorothee Blessing in einem Interview. Gemeinsam mit Conor Hillery bildet sie die Doppelspitze des JPMorgan-Investment-Bankings im Raum Europa, Naher Osten und Afrika.

“In vielen Fällen geht es mehr darum, in die Zukunft zu investieren als um defensive Maßnahmen”, so Blessing.

Mit der Pandemie ist das weltweite M&A-Volumen im Jahr 2020 zwar um 32% gefallen. In Bezug auf das zweite Halbjahr gibt es aber Anzeichen einer Erholung. Was die Ankündigung von Fusionen und Übernahmen betrifft, kam es unlängst zum geschäftigsten Wochenauftakt seit Ende November 2019 - angeführt vom japanischen Konglomerat SoftBank Group Corp. und dem US-Pharmakonzern Gilead Sciences Inc.

„Der strategische M&A-Dialog findet weiterhin statt und wir haben gesehen, dass trotz der Krise Geschäfte abgeschlossen wurden, im Telekommunikations- und Technologiebereich ebenso wie im Gesundheitssektor“, sagte Blessing. “Wenn sich die konjunkturellen Rahmenbedingungen verbessern, sollte das Vertrauen in den Entscheidungsgremien wachsen.”

Eine Branche, in der JPMorgan mehr Transaktionen prognostiziert, ist der europäische Bankensektor, für den schon lange eine Konsolidierung erwartet wird. Am Montag vergangener Woche wurde bekannt, dass der Verwaltungsratspräsident der UBS Group AG, Axel Weber, die Machbarkeit einer Mega-Fusion mit der Konkurrentin Credit Suisse Group AG prüft. Zudem werden von ihm die Deutsche Bank AG und BNP Paribas für ein mögliches Fusionsvorhaben in Betracht gezogen, wie Bloomberg aus unterrichteten Kreisen erfuhr. Die spanische CaixaBank SA gab am Freitag die Übernahme von Bankia SA bekannt. Damit entsteht im Kreditsektor des Landes eine neue Nummer eins.

“Viele Banken haben Probleme, profitabel zu sein, da sie mit zyklischem und strukturellem Gegenwind zu kämpfen haben”, sagte Hillery. “Wir beobachten eine veränderte Einstellung zu Fusionen und Übernahmen, die die Wahrscheinlichkeit einer Konsolidierung erhöht.”

“Bei Fusionen und Übernahmen geht es jetzt darum, in einem sehr herausfordernden Umfeld die Rentabilität zu verbessern”, sagte Hillery. “Es gibt eine Tendenz zur Diversifizierung in verschiedene Bereiche, die nicht an die Zinsen gebunden sind, sei es Wealth Management, Vermögensverwaltung, Versicherung oder Zahlungen.”

Einige dieser Deals passieren bereits. Schroders Plc gab am Freitag die Übernahme des Family Office Sandaire bekannt. Mit dem Deal will Großbritanniens größter eigenständiger Vermögensverwalter sein Geschäft mit den sehr wohlhabenden Kunden ausbauen.

Blessing und Hillery wurden im Rahmen einer Neuordnung der Investmentbanking-Führung von JPMorgan im Februar befördert, kurz bevor die Covid-19-Pandemie die Geschäfte weltweit abrupt zum Erliegen brachte und viele Unternehmen zur Finanzierung an den Kapitalmarkt zwang.

In jüngster Zeit ist mit wieder größerer Börsenstabilität auch eine Rückkehr der Börsengänge nach Europa zu beobachten. So bereiten der deutsche Wohnmobilhersteller Knaus Tabbert AG, der französische Cloud-Computing-Anbieter OVH Groupe SAS und die polnische E-Commerce-Gruppe Allegro IPOs vor. Die Aktienkurs von THG Holdings Ltd. stieg beim Londoner Debüt des Online-Shopping-Imperiums in der vergangenen Woche um bis zu 32%.

“Wir sehen eine Wiederbelebung der IPO-Aktivitäten mit sehr attraktiven Bewertungen für Emittenten”, sagte Hillery. “Wir gehen davon aus, dass in den kommenden Wochen immer mehr Unternehmen die Kapitalmärkte anzapfen werden, da der Markt derzeit besonders freundlich ist.”

JPMorgan ist in diesem Jahr laut Bloomberg-Daten im EMEA-Raum die aktivste Bank in Bezug auf die Ausgabe von Aktien, andere Emissionen mit Aktienbezug sowie Bezugsrechtsangebote. Unter anderem wirkte die Bank an den IPOs von THG und des Kaffee-Spezialisten JDE Peets BV mit.

Überschrift des Artikels im Original:JPMorgan’s Top Europe Bankers See Rising M&A as Crisis Wanes (2)

For more articles like this, please visit us at bloomberg.com

Subscribe now to stay ahead with the most trusted business news source.

©2020 Bloomberg L.P.