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Die Toniebox soll auch in den USA groß rauskommen

·Lesedauer: 3 Min.

Die gepolsterten Hörspielwürfel profitieren in der Pandemie vom Bedürfnis nach Unterhaltung daheim. In Krankenhäusern und Altenheimen kommen sie ebenfalls zum Einsatz.

Kinder wollen zu Hause beschäftigt werden – auf dieser Erkenntnis beruht das Geschäftsmodell von Marcus Stahl (53) und Patric Faßbender (50). Und diese These hat sich in der Coronazeit einmal mehr bewahrheitet. Dementsprechend zählen die Tonieboxen der beiden Düsseldorfer Gründer zu den Gewinnern der Krise. Tonieboxen sind digitale, gepolsterte Hörspielwürfel. Audioinhalte wie Musik oder Hörspiele werden aus dem Internet von Servern des Herstellers geladen und symbolisch über spezielle Spielfiguren – sogenannte Tonies – aktiviert.

„Wir liegen deutlich über dem, was wir als Jahresergebnis geplant hatten“, sagt Marcus Stahl. „Viele wollen noch mehr Nachschub für zu Hause.“ Die kinderleicht bedienbare Abspielbox wurde seit ihrer Erfindung 2013 etwa zwei Millionen Mal verkauft – für 2020 plant das Unternehmen mit einem Umsatz von 140 Millionen Euro.

Die Pandemie sorgte zwar für Schwierigkeiten bei den Lieferketten, das Produkt selbst bedient aber das gestiegene Bedürfnis nach menschlichen Stimmen in Zeiten physischer Distanz. „Manche Krankenhäuser und Altenheime haben sich Tonieboxen gekauft, um Hörspiele, aber auch die Stimmen von Familie und Freunden abspielen zu können“, erzählt Patric Faßbender. Wenn der Besuch wegen der Corona-Schutzmaßnahmen ausfallen muss, können die Tonieboxen immerhin den Eindruck menschlicher Anwesenheit vermitteln.

Sie haben einen großen Vorteil: Man kann sie desinfizieren. „Wir wollten damals ein robustes Material, das auch für kleine Kinder geeignet ist“, sagt Stahl über die Produktion der Tonieboxen. Schließlich entschieden sich die Gründer für einen Stoff, der auch bei Krankenliegen eingesetzt wird und dem Einsatz von Desinfektionsmitteln deswegen gewachsen ist. Ein unerwartetes Plus, das dem Unternehmen jetzt zugutekommt.

Seit Ende vergangener Woche gibt es die bunten Würfel auch in den USA zu kaufen – unter anderem mit Disney-Figuren von „Toy Story“, „Arielle, die Meerjungfrau“ und dem „König der Löwen“. Zudem ist eine Kooperation mit dem Entertainment-Konzern Warner in Planung. Auch in den USA scheint die Nachfrage groß zu sein: „Es ist sehr gut gelaufen, wenn man bedenkt, unter welchen Rahmenbedingungen wir gestartet sind“, so Stahl.

Anspruchsvoller französischer Markt

Neben den USA und Deutschland ist das Unternehmen bereits in Österreich, der Schweiz, Großbritannien und Irland vertreten. Bald soll ein neuer Markt folgen, der neue Herausforderungen mit sich bringt. „Wir planen, nächstes Jahr auch in Frankreich einzusteigen“, sagt Gründer Stahl. Nicht nur ein neues Land, sondern auch eine neue Sprache muss dann bedient werden.

Da es in Frankreich kaum existierende Audioproduktionen gibt, deren Lizenzen das Unternehmen erwerben könnte, muss es verstärkt eigene Inhalte produzieren. Dafür haben die beiden Gründer den Hörspielexperten Markus Langer dazugeholt, der in Hamburg für die Umsetzung zuständig ist.

Damit neue Inhalte nicht jedes Mal eine neue Figur benötigen, haben die Düsseldorfer mit ihrem Portal „meine tonies“ zusätzlich zu den physischen Boxen eine digitale Bibliothek für die Kunden geschaffen. Wer zum Beispiel den Elefanten Benjamin Blümchen als Abspielfigur kauft, kann ihn über das WLAN „weiterbilden“ und dieselbe Figur neue Geschichten erzählen lassen. Auch die App des Unternehmens soll dahin gehend weiter ausgebaut werden.

Einen eigenen kleinen Traum haben sich die Gründer mit ihrer neuen Reihe zu „Die drei ???“ erfüllt. Faßbender haben die Detektive von Anfang an fasziniert. „Ich bin mit der ersten Folge 1979 eingestiegen“, sagt der 50-Jährige, „seitdem haben mich die Geschichten nicht mehr losgelassen.“

Ohne die Hörspielreihe hätte es die Tonieboxen womöglich nie geben, gibt Faßbender zu. In einem Punkt sollten sich die Tonies allerdings lieber nicht an den drei Detektiven aus Rocky Beach orientieren: Obwohl die Geschichten in den USA spielen, waren die drei Fragezeichen dort nie erfolgreich. Bei den Tonieboxen soll es anders werden.