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Tinnitus als Corona-Nachwirkung: 15 Prozent leiden nach der Erkrankung darunter

Marianne Guenot
·Lesedauer: 3 Min.

Es gibt zunehmend Hinweise darauf, dass Covid-19 mit einem unangenehmen und potenziell belastenden Klingeln in den Ohren in Verbindung steht. Der Zusammenhang zwischen dem Tinnitus und der psychischen Gesundheit der Betroffenen wurde erst kürzlich durch den Tod von Kent Taylor deutlich: Der 65-jährige US-amerikanische Gründer der Restaurantkette Texas Roadhouse nahm sich am 18. März nach einem "Kampf mit den Folgeerscheinungen von Covid-19, einschließlich schwerem Tinnitus" das Leben, so seine Familie.

Eine britische Hilfsorganisation meldete einen sprunghaften Anstieg der Anrufzahlen im Zusammenhang mit Tinnitus zwischen Mai und Dezember 2020, wie "The Guardian" berichtete. In diesen Monaten wurde ein Anstieg um 256 Prozent der üblichen Anruferzahlen verzeichnet.

Kürzlich wurde nun auch eine Ananylse in der Fachzeitschrift "International Journal of Audiology" veröffentlicht, für die Forschende 24 frühere Studien zum Zusammenhang zwischen Covid-19 und Tinnitus ausgewertet hatten. Demnach berichten im Schnitt 15 Prozent der Menschen, die an Covid-19 erkranken, danach von einem Tinnitus. 7,6 Prozent berichteten über Hörverlust und 7,2 Prozent über Schwindel, der ebenfalls auf die Ohren zurückzuführen ist.

Kevin Munro, Professor für Audiologie an der University of Manchester und Hauptautor der Studie, sagte, dass er innerhalb von 24 Stunden nach der Veröffentlichung der Studie etwa 100 E-Mails von dankbaren Patienten erhielt. Viele berichteten davon, dass ihre Ärzte ihre Beschwerden nicht ernst genommen habe.

Bislang ist nicht klar, ob der Zusammenhang kausal ist

"Wir warten noch auf eine endgültige Studie von höchster Verlässlichkeit, um diese Zahl zu bestätigen", schrieb Munro in einer E-Mail an Business Insider. Bislang sei nicht klar, ob der Zusammenhang zwischen Covid-19 und dem Tinnitus tatsächlich kausal ist. "Wir wissen aber, dass einige Viren das Ohr schädigen können, also ist dies auch bei SARS-CoV-2 möglich", sagte Munro. So wissen Forscher, dass auch Masern, Mumps und Meningitis Hörprobleme verursachen können.

Doch "Tinnitus ist oft noch störender, wenn wir ängstlich und gestresst sind und nicht gut schlafen", so Munro. Und all diese Faktoren treten während einer Pandemie verstärkt auf. Tinnitus wird oft als ein Klingeln in den Ohren beschrieben, kann aber auch wie ein Summen, Zischen oder Klicken wahrgenommen werden. Auf Twitter beschreibt ein User seinen "Post-Covid-Tinnitus" in einem Tweet als "Zikadeninvasion":

https://twitter.com/GermHunterMD/status/1381409691910107138

In Deutschland leiden 2,7 Millionen Menschen chronisch an Tinnitus, darunter 1,5 Millionen mittelgradig bis unerträglich. Bei rund zehn Millionen Menschen kommt es jährlich zum Tinnitus. Laut der Deutschen Tinnitus-Liga e.V. steigt zudem die Zahl der chronischen Erkrankungen um etwa 250.000 pro Jahr.

Der National Health Service in Großbritannien listet Tinnitus als häufige Folgeerscheinung auf sowohl bei Menschen, die an Covid-19 erkrankt sind, als auch bei denen, die sich bereits davon erholt haben. Die US Centers for Disease Control und die Weltgesundheitsorganisation WHO tun dies dagegen bisher nicht.

Eines der Probleme ist, dass es keinen diagnostischen Test für Tinnitus gibt, so Munro. In den meisten Fällen wird Tinnitus als "subjektiv" bezeichnet. Das bedeutet, dass nur der Patient das Geräusch hören kann, obwohl in einigen seltenen Fällen auch der Arzt den Tinnitus bei einer Untersuchung tatsächlich hören kann. "Bis wir einen diagnostischen Test haben, müssen sich Kliniker auf die Selbstauskunft in der Anamnese verlassen", so Munro.

Dieser Artikel wurde von Ilona Tomić aus dem Englischen übersetzt und editiert. Das Original lest ihr hier.