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Thyssenkrupp sieht «Trendwende»

·Lesedauer: 3 Min.

Essen (dpa) - Der Industrie- und Stahlkonzern Thyssenkrupp hat die Talsohle durchschritten und das vergangene Geschäftsjahr mit einer deutlichen Verbesserung bei Umsatz und Ertrag abgeschlossen.

«Nach gut zwei Jahren intensiver Transformation können wir heute sagen: Die Trendwende ist erkennbar, es geht in die richtige Richtung bei Thyssenkrupp», sagte die Vorstandsvorsitzende Martina Merz in Essen. Trotzdem blieben vor allem wegen des Halbleitermangels und der Corona-Pandemie noch große Herausforderungen.

Große Hoffnungen setzt die 58-jährige Maschinenbau-Ingenieurin auf eine «grüne Transformation» des Konzerns. «Allein mit unseren Ansätzen für eine grüne Stahlproduktion können wir einen erheblichen Beitrag zur Verringerung klimaschädlicher Emissionen leisten.» Bei den Themen erneuerbare Energieerzeugung, Elektromobilität oder klimaneutral hergestellter Wasserstoff sei man sehr gut aufgestellt, betonte sie. So sei Thyssenkrupp etwa Weltmarktführer bei Großwälzlagern, die in Windkraftanlagen zum Einsatz kommen.

Auch bei Wasserstoff spiele man eine wichtige Rolle. Merz rechnet für nachhaltig erzeugten Wasserstoff in den nächsten Jahren mit einem großen Wachstumsmarkt. Mit Technologien für Wasserelektrolyse und Herstellung von «grünen» Chemikalien verfüge Thyssenkrupp über sehr gute Voraussetzungen, vom erwarteten Boom zu profitieren. Es gebe nur wenige Anbieter weltweit, die schon heute Wasserstoff in großem Maßstab produzieren könnten.

Merz kündigte in diesem Zusammenhang an, das Joint Venture Uhde Chlorine Engineers (UCE) im kommenden Frühjahr an die Börse bringen zu wollen. Das Technologieunternehmen ist auf den Bau von großen Elektrolyse-Anlagen spezialisiert, etwa zur Wasserstoff-Gewinnung aus Wasser mit Hilfe Erneuerbarer Energien. «In jedem Falle» wolle Thyssenkrupp aber die Mehrheit am Geschäft behalten, betonte sie. Derzeit hält das Unternehmen zwei Drittel der Anteile. Partnerunternehmen ist das italienische Unternehmen De Nora.

«Das Land Nordrhein-Westfalen darf sich glücklich schätzen, einen der führenden Hersteller von Wasserelektrolyse im Land zu haben», sagte Merz. Es gebe keine Absicht, den Firmensitz aus Dortmund zu verlegen.

Im Geschäftsjahr 2020/21, das Ende September endete, hatte die allgemeine Markterholung mit wieder gestiegener Nachfrage für steigende Umsätze und Verbesserungen in allen Segmenten gesorgt. Der bereinigte operative Gewinn (Ebit) lag bei knapp 800 Millionen Euro nach einem Minus von fast 1,8 Milliarden Euro im coronabedingt schwachen Vorjahr. Unterm Strich stand ein Minus von 19 Millionen Euro - nach einem Verlust von 5,5 Milliarden Euro im Vorjahr. Eine Dividende soll es zum dritten Mal in Folge nicht geben. Der Umsatz verbesserte sich 20/21 um 18 Prozent auf 34,0 Milliarden Euro.

Im laufenden Geschäftsjahr 2021/22 rechnet das Traditionsunternehmen mit einem Jahresüberschuss von mindestens einer Milliarde Euro. Dies wäre der höchste Überschuss seit dem Geschäftsjahr 2007/08. Es sei das Ziel, wieder eine Dividende auszahlen zu können, sagte Merz. Zuletzt hatte Thyssenkrupp im Geschäftsjahr 2017/18 15 Cent Dividende je Aktie gezahlt. Der Umsatz soll im mittleren einstelligen Prozentbereich wachsen.

Das Unternehmen äußerte sich auch zum Stellenabbau. «Von den angekündigten mehr als 12.000 Stellen bis zum Geschäftsjahr 2023/2024 hat Thyssenkrupp in den vergangenen zwei Geschäftsjahren rund 7800 Stellen sozialverträglich abgebaut», sagte Personalvorstand Oliver Burkhard. Ende September zählte das Unternehmen rund 101.000 Vollzeitstellen.

Anleger bewerteten die Nachrichten positiv. An der Börse lagen Thyssenkrupp-Aktien zeitweise über sechs Prozent über dem Vortageswert.

Zur Kenntnis genommen wurden die neuesten Unternehmensnachrichten auch von der nordrhein-westfälischen IG Metall. «Die Trendwende muss sich jetzt als nachhaltig beweisen. Es gilt, Thyssenkrupp jetzt so aufzustellen, dass auch bei einer schlechter werdenden Konjunktur das Unternehmen im stabilen Fahrwasser bleibt», sagte Bezirksleiter Knut Giesler.

Der Personalabbau ohne betriebsbedingte Kündigungen sei für die betroffenen Menschen eine gute Lösung. «Das wäre ohne unsere Beschäftigungssicherungsvereinbarungen so nicht möglich gewesen.» Dennoch bleibe: «Es sind Arbeitsplätze, die auch NRW fehlen.»

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