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Thyssenkrupp kündigt Abbau von 3000 Stellen an

Firmensitz von Thyssenkrupp in Essen

Der angeschlagene Industriekonzern Thyssenkrupp will sein Stahlgeschäft durch den Abbau von 3000 Stellen sanieren. Betriebsbedingte Kündigungen sollen dabei vermieden werden, wie das Unternehmen und die Gewerkschaft IG Metall am Mittwoch erklärten. Die beiden Parteien einigten sich demnach auf einen bis Ende März 2026 laufenden Tarifvertrag. In der Corona-Krise, in der Thyssenkrupp flächendeckend Kurzarbeit ankündigte, soll außerdem ein Sofortpaket helfen.

Bis zu 2000 Stellen sollen der Einigung zufolge in den nächsten drei Jahren in der Stahlsparte abgebaut werden, weitere rund 1000 Stellen bis 2026. Damit ist der Bereich stärker von Kürzungen betroffen als bislang bekannt: Thyssenkrupp hatte die Stellenstreichungen hier zuvor auf 2000 beziffert, das sollte einem Drittel des gesamten Jobabbaus im Konzern entsprechen.

"Wir haben Probleme zu lange aufgeschoben und harte Entscheidungen gescheut", erklärte Vorstandsmitglied Klaus Keysberg. Die neuen Vereinbarungen "geben uns Handlungsspielraum, damit der Stahl langfristig wettbewerbsfähig bleiben kann."

Von den nun insgesamt etwa 3000 Streichungen im Stahlbereich entfallen nach Unternehmensangaben rund 1000 auf die Verwaltung, 1200 Stellen fallen im Zuge der "Optimierung des Produktionsnetzwerks" weg.

Die restlichen 800 Stellen betreffen demnach den Bereich Grobblech, für den Thyssenkrupp "keine Entwicklungsperspektive innerhalb der Unternehmensgruppe" sieht. Wie die IG Metall in einer Mitteilung an die Beschäftigten erklärte, soll die Grobblech-Produktion in Duisburg innerhalb eines Jahres möglichst verkauft oder andernfalls bis Ende 2021 geschlossen werden.

Parallel zum Stellenabbau sollen zusätzliche 800 Millionen Euro in das Stahlgeschäft investiert werden, wie Thyssenkrupp mitteilte. Der Konzern will seine profitable Aufzugssparte für gut 17 Milliarden Euro verkaufen, um andere Bereiche zu sanieren.

In der Corona-Krise werde Thyssenkrupp "an vielen Standorten in den nächsten Wochen in Kurzarbeit gehen müssen", kündigte Personalvorstand Oliver Burkhard an. Das Corona-Sofortpaket sieht für Betroffene eine Aufstockung des Kurzarbeitergeldes auf 80 Prozent vor. Zudem soll laut IG Metall eine tariflich vereinbarte Sonderzahlung von 1000 Euro im laufenden Jahr in fünf freie Tage umgewandelt werden.

Probleme im Stahlbereich spürte Thyssenkrupp aber schon lange vor der aktuellen Pandemie: "Neben einer deutlich abkühlenden Konjunktur und der Corona-Krise ist der Stahl seit vielen Jahren auch mit Überkapazitäten, stark schwankenden Rohstoffpreisen und einem hohen Importdruck konfrontiert", erklärte der Industriekonzern am Mittwoch weiter. Im vergangenen Geschäftsjahr hatte er einen Verlust von 304 Millionen Euro gemacht, rund fünf Mal so viel wie im Vorjahr.