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Thyssen-Krupp streicht nach Milliardenverlust weitere 5000 Stellen

·Lesedauer: 4 Min.

Der Industriekonzern fährt einen Verlust von 5,5 Milliarden Euro ein und weitet nun den Sparkurs aus. Vorstandschefin Martina Merz kündigt harte Einschnitte an.

Vorstandschefin Martina Merz besucht ein Stahlwerk des Konzerns. (Foto: dpa)
Vorstandschefin Martina Merz besucht ein Stahlwerk des Konzerns. (Foto: dpa)

Nach einem von schweren Verlusten geprägten Geschäftsjahr will Thyssen-Krupp sein Sparprogramm verschärfen. Wie der Essener Industriekonzern am Donnerstag bei der Vorlage der Jahreszahlen mitteilte, sollen neben den bislang geplanten 6000 Stellen weitere 5000 in den kommenden drei Jahren gestrichen werden.

Mit der Verschärfung reagiert der Vorstand auf die Coronakrise, die vor allem die Stahlsparte und das Automobilgeschäft schwer getroffen hat. Ohne die Erlöse, die der Ruhrkonzern mit dem Verkauf seiner Aufzugsparte erzielte, schrieb Thyssen-Krupp im abgelaufenen Jahr 2019/20, das am 30. September endete, einen Jahresfehlbetrag von 5,5 Milliarden Euro nach Steuern. Die Anleger reagierten empfindlich und schickten die Aktie vorbörslich um bis zu sechs Prozent ins Minus.

“Schmerzhafte” Schritte stehen bevor

Vorstandschefin Martina Merz erklärte, die Pandemie sei eine Belastungsprobe für den Konzern. „Trotz des Gegenwinds haben wir beim Umbau der Gruppe wichtige Meilensteine erreicht“, so die Managerin. Allerdings sei das Unternehmen noch nicht da, wo es hinmüsse. Die Belegschaft stellte sie auf harte Einschnitte ein. „Die nächsten Schritte können schmerzhafter werden als die bisherigen. Wir werden sie dennoch gehen müssen.“

Den mit Abstand größten Ergebnisrückgang hatte die Stahlsparte zu verkraften, deren Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) von minus 123 Millionen Euro im Vorjahr auf minus 2,7 Milliarden Euro abgestürzt ist. Weitere Verluste hatte der Konzern im Automotive-Geschäft zu verzeichnen, das nach einem Verlust von 126 Millionen Euro im Vorjahr auf minus 1,2 Milliarden Euro zurückgefallen ist.

Einzig die Marinesparte hat im abgelaufenen Jahr ein positives Betriebsergebnis vorzuweisen, das allerdings mit rund 13 Millionen Euro bei Weitem nicht ausreicht, um die hohen Verluste auch in den anderen Sparten (Industriekomponenten: minus 29 Millionen Euro, Anlagenbau: minus 265 Millionen Euro, Werkstoffhandel: minus 733 Millionen Euro) auszugleichen.

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Erlös aus Elevator-Verkauf stabilisiert

Für Stabilität sorgt allerdings der Erlös aus dem Verkauf der Aufzugsparte, der mit 15 Milliarden Euro zu Buche schlägt. Unterm Strich weist der Gesamtkonzern so einen Nettogewinn von knapp 9,6 Milliarden Euro aus. Eine Dividende will der Konzern allerdings nicht zahlen, auch weil Vorstandschefin Merz auch im kommenden Jahr mit hohen Millionenverlusten kalkuliert.

Für die Bilanz wirkt der Verkauf allerdings wie ein Segen. Nachdem Thyssen-Krupp über Jahre mit einem hohen Schuldenberg zu kämpfen hatte, kann der Ruhrkonzern seine Verbindlichkeiten nun vollständig ausgleichen. So weist der Jahresbericht ein Netto-Finanzvermögen von mehr als fünf Milliarden Euro aus. Das Eigenkapital übersteigt mit rund 10,2 Milliarden Euro die verbleibenden Verpflichtungen.

Finanzvorstand Klaus Keysberg sagte, die Elevator-Transaktion habe den Grundstein für den Umbau des Unternehmens gelegt. „Zugleich konnten wir – wie angekündigt – die bisher üblichen Jahresendmaßnahmen beim Cash-Management auf ein normales Niveau herunterfahren und damit die Transparenz und die Kontinuität der Geschäftsentwicklung weiter verbessern.“

Wird auch die Stahlsparte verkauft?

Nach dem Verkauf seines profitabelsten Geschäfts will sich Thyssen-Krupp stärker als Unternehmensgruppe ausrichten, in der die einzelnen Töchter freier und eigenständiger arbeiten sollen als bislang. Dabei prüft der Vorstand verschiedene Optionen für zahlreiche Geschäfte, bei denen unklar ist, inwieweit sie im Konzern wettbewerbsfähig weitergeführt werden können.

Auch für die Stahlsparte führt der Konzern derzeit Verkaufsverhandlungen. Dabei hatte sich als einziger Interessent bislang der britische Rivale Liberty Steel gemeldet, der das Geschäft komplett übernehmen will. Im Frühjahr, so stellte der Konzern nun in Aussicht, solle eine Grundsatzentscheidung getroffen werden, was mit dem einstigen Kerngeschäft passiert.

Für das kommende Jahr rechnet Thyssen-Krupp zwar mit einer Erholung in den Geschäften, aber dennoch mit einem Verlust in dreistelliger Millionenhöhe. Der Kapitalfluss vor Verkäufen und Übernahmen werde bei etwa minus 1,5 Milliarden Euro liegen, nach minus 5,5 Milliarden Euro im abgelaufenen Geschäftsjahr 2019/20.

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