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Thyssen-Krupp bricht Gespräche mit Liberty über Verkauf der Stahlsparte ab

Knitterscheidt, Kevin
·Lesedauer: 4 Min.

Der Ruhrkonzern wird seine Stahltochter nicht an den britischen Konkurrenten verkaufen. Nun bleiben Thyssen-Krupp zwei Optionen.

Der Konzern wir sein Stahlgeschäft nicht an Liberty verkaufen. Foto: dpa
Der Konzern wir sein Stahlgeschäft nicht an Liberty verkaufen. Foto: dpa

Thyssen-Krupp hat die Gespräche über den Verkauf seiner Stahlsparte an Liberty Steel einseitig beendet. Wie der Essener Industriekonzern am Mittwochabend mitteilte, werde eine Veräußerung des Geschäfts an den britischen Konkurrenten nicht zustande kommen. Finanzchef Klaus Keysberg erklärte in der Mitteilung, die Vorstellungen über den Wert des Unternehmens und die Struktur der Transaktion „lagen am Ende doch weit auseinander“.

Schon vor einigen Tagen waren die Gespräche ins Stocken geraten, nachdem Liberty laut Finanzkreisen einen negativen Kaufpreis für die Stahlsparte angeboten hatte. Begründet wurde das von Seiten Libertys demnach mit den hohen finanziellen Belastungen durch den CO2-Ausstoß, die durch den Einkauf von Emissionsrechten ausgeglichen werden müssen. Liberty war der letzte verbleibende Bieter, nachdem zuvor mehrere Interessenten in dem Verkaufsprozess ausgeschieden waren.

Ursprünglich hatte der Aufsichtsrat am 12. März über die verschiedenen Optionen für die Weiterentwicklung der Sparte beraten wollen, zwei sind nach aktuellem Stand noch übrig. „Jetzt kommt es für uns darauf an, die Zukunftsfähigkeit unseres Stahlgeschäfts aus eigener Kraft sicherzustellen“, so Keysberg. Neben einem Verbleib im Konzern hatte Vorstandschefin den Aktionären bei der Hauptversammlung zuletzt auch einen möglichen Spin-Off, also eine Ausgliederung in Aussicht gestellt.

Thyssen-Krupp-Aktie rauscht ins Minus

So oder so müssen sich die Arbeitnehmer auf eine schmerzhafte Sparrunde einstellen. Auch wenn Thyssen-Krupp Steel es dank der wirtschaftlichen Erholung nach der Coronakrise zuletzt wieder in die schwarzen Zahlen geschafft hatte, bleibt die Lage angespannt. Der Anlagenpark muss modernisiert werden, zudem steht die gesamte Stahlindustrie wegen der Dekarbonisierung vor milliardenschweren Investitionen.

Der Aktienkurs von Thyssen-Krupp auf außerbörslichen Handelsplattformen lag nach der Mitteilung zeitweise bis zu rund 13 Prozent im Minus. Zum Handelsstart am Donnerstag betrug das Minus noch 6,2 Prozent.

Der Konzern wollte sich von der Sparte trennen, nachdem im vergangenen Jahr das profitable Aufzugsgeschäft für 17,2 Milliarden Euro verkauft worden war. Zuvor hatten die stabilen Gewinne von Thyssen-Krupp Elevator die zyklisch auftretenden Verluste im Stahlgeschäft auffangen können. Damit allerdings ist es nun vorbei – weshalb der Konzern nun verstärkt daran arbeiten muss, das Stahlgeschäft wettbewerbsfähig aufzustellen.

Der Vorstand der Stahlsparte arbeite nun daran, die im vergangenen Jahr beschlossene Strategie weiterzuentwickeln, hieß es in der Mitteilung. Erst in der vergangenen Woche hatte die Sparte neue Investitionen im dreistelligen Millionenbereich bekanntgegeben, um die bestehenden Probleme zu adressieren.

Dass es langfristig doch noch zu einer Änderung der Eigentümerstrukturen kommt, ist jedoch nicht ausgeschlossen. Bei der Handelsblatt-Tagung „Zukunft Stahl“ am Dienstagabend sagte Stahlchef Bernhard Osburg, Thyssen-Krupp werde sich keiner sinnvollen Konsolidierung verschließen.

Keine Querfinanzierung mehr

Wegen hoher Überkapazitäten und dem gleichzeitigen Investitionsbedarf durch den Klimawandel war die Stahlbranche zuletzt verstärkt in Bewegung geraten. Nicht nur Thyssen-Krupp und Liberty, auch der niederländisch-britische Stahlhersteller Tata Steel Europe und der schwedische Rivale SSAB hatten noch vor wenigen Wochen über einen Zusammenschluss verhandelt. Auch hier scheiterte der Deal letztlich an den hohen Belastungen durch die CO2-Emissionen.

Beide galten zeitweise auch als Interessenten für eine Fusion mit Thyssen-Krupp, ebenso wie der niedersächsische Stahlhersteller Salzgitter, der – im Gegensatz zu Liberty – als Favorit der IG Metall gehandelt wurde. Doch Salzgitter-Chef Heinz Jörg Fuhrmann lehnte ab und verwies darauf, dass eine Fusion mit Thyssen-Krupp die Lage der Niedersachsen nicht verbessern würde.

Zuletzt forderte die Gewerkschaft auch eine Staatsbeteiligung, um den kriselnden Ruhrkonzern zu stützen. Doch nach erfolglosen Gesprächen mit Bundes- und Landesregierung hatte der Konzernvorstand die Idee wieder verworfen. Nun ist Thyssen-Krupp wieder auf sich gestellt – hat dabei aber mehr Rückenwind als noch vor einigen Monaten.

Erst in der vergangenen Woche hatte der Ruhrkonzern seine Jahresprognose deutlich angehoben, nachdem die Autokonjunktur wieder spürbar angezogen hatte. Zwar ist das Unternehmen dank des Verkaufs der Aufzugssparte im Moment ausreichend liquide. Doch Vorstandschefin Merz hatte in der Vergangenheit mehrfach klargestellt, dass der Konzern mit seinen Gewinnbringern keine defizitären Geschäfte mehr querfinanzieren werde.