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Thomas Beattie nach Coming-Out: Fans wären das Problem

Ben Barthmann
Sports Editor

Der 31-jährige Ex-Fußball-Profi Thomas Beattie hat sein Coming-Out gewagt. Mit der DailyMail sprach er offen über seine Erfahrungen als schwuler Fußballer und erläuterte, warum wohl kaum jemand seinem Beispiel folgen wird.

Schwule Fußballer haben es noch immer schwer. (Symbolbild: Getty Images)

Beattie trieb lange eine dieser stillen Karrieren im Fußball vor sich her, die es zuhauf gibt. Lange als großes Talent bei Hull City in der Jugendabteilung aktiv, verpasste der heute 31-Jährige den Sprung in die Oberklasse des englischen Fußballs. Es folgte eine Odyssee durch kleine Ligen, die Beattie unter anderem nach Kanada und Singapur führte.

2016 beendete er nach einer schweren Kopfverletzung seine Karriere. Still und leise - so verlief die Laufbahn des Mittelfeldspielers. Natürlich war er ein Exot in den Ländern, in denen er spielte, in seiner Heimat aber krähte, so deutlich kann man das wohl durchaus sagen, kein Hahn nach seinen fußballerischen Qualitäten.

Das hat sich auch 2020 nicht geändert. Nun steht Beattie wegen eines ganz anderen Fakts in der Öffentlichkeit und erntet die Aufmerksamkeit, die er als aktiver Fußballer nie erhielt: Er ist offen homosexuell. Vor einigen Monaten entschied er sich zum Coming-Out gegenüber seiner Familie und seinen Freunden, vergangene Woche machte er seine sexuelle Präferenz auch im großen Stil “offiziell”.

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“Der Fußball ist schnelllebig...”

Mit der DailyMail sprach Beattie nun ausführlich über seine Erfahrungen. “Ich war nie auch nur nahe dran, es irgendjemandem zu sagen. Das hatte ein paar Gründe. Hauptsächlich aufgrund meines Widerwillens, mich selbst zu akzeptieren. Aber auch, weil sich beim Fußball alles auf das Spiel konzentriert und alles was deine Energie davon ablenkt ein Problem darstellen kann.”

Zweifel hätten ihn stets begleitet: “Selbst wenn ich mit mir im Reinen gewesen wäre, der Fußball ist schnelllebig - man weiß nie, wo man in einem Jahr hingeht.” Mit Blick auf seine eigene Karriere stellte er fest: “Es gibt Länder, wo es illegal ist und man würde sich plötzlich selbst limitieren.”

Ein Problem mit seinen Teamkollegen hätte er aber nie erwartet: “Die Kabine ist nicht das Problem, auch wenn das die Leute sagen. Man hört manchmal vielleicht ein homophobes Wort, aber das sind Wörter und keine Gefühle. Ganz ehrlich, heute sind die Menschen in der Kabine so divers, stammen aus allen Richtungen. In dieser Umgebung kann man einfach keine fundamental diskriminierende Person mehr sein.”

Es ist Zeit, etwas sehr persönliches zu teilen. Es wäre leichter, weiter zu schweigen, aber die echte Herausforderung ist es, offen zu sprechen und für mich ist es die Zeit, in Wahrheit zu leben, was mein Leben hoffentlich in irgendeiner Art positiv beeinflussen wird. Ich bin Bruder, Sohn, Freund und ich bin schwul. Es hat mich eine lange Zeit gebraucht, um zu akzeptieren wie ich bin und ich hoffe, dass es für die nächste Generation etwas einfacher ist. Danke an alle, die mich in diesem Prozess unterstützt haben und unterstützen werden. Ich schätze euch sehr.


Beattie: Fans eher das Problem als die Mitspieler

Das Problem sieht Beattie somit vielmehr in der Öffentlichkeit und in den Fans. Das machte er deutlich: “Die Gesellschaft spielt die größte Rolle dabei.” Selbst habe er bislang keine negativen Erfahrungen nach seinem Coming-Out machen müssen: “Hunderte von Athleten aus aller Welt haben den Kontakt gesucht.” Insgesamt seien die Reaktionen “positiv, vielleicht sogar ein bisschen verrückt” gewesen.

Der heute erfolgreiche Unternehmer würde aber, aus genannten Gründen, nicht uneingeschränkt zum Coming-Out raten. Zumal er sich selbst lange nicht verstand, was vor sich ging - und die Selbstfindung durch manche Praxis in der Mannschaft nicht einfacher wurde.

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Langer Weg bis zur Erkenntnis

Als er mit 16 Jahren seinen ersten Profivertrag unterschrieb, wurde er von mehreren Profis mit in einen lokalen Strip Club genommen: “Damals wusste ich noch nicht, dass ich schwul bin. Ich hatte es nicht verstanden. Aber ich habe mich sehr unwohl gefühlt.”

Auch in seiner 20er-Jahren hatte Beattie noch weibliche Lebenspartner, spürte aber stets, dass etwas nicht stimmte. Heute sieht er diese Situation auch als einen der Gründe an, warum er den Durchbruch in England nicht schaffte. “Ich musste raus aus dieser Lage”, erklärte er seine Entscheidung, sein Glück im Ausland zu suchen.

Sein Glück hat er nun gefunden. Vielen schwulen Fußballern wird aber noch immer vom Coming-Out abgeraten. Die Folgen sind, auch aufgrund mangelnder Beispiele, kaum absehbar.