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Theodor Weimer? Logisch, aber…

Mit dem Chef der Deutschen Börse soll ein möglicher Nachfolger von Paul Achleitner Aufsichtsrat der Deutschen Bank werden. Wird er die Leitung des Gremiums wirklich übernehmen?

Börsenchef Theodor Weimer ist der wahrscheinliche Nachfolger von Paul Achleitner. Foto: dpa

Wenn in den vergangenen Monaten das Gespräch auf den wahrscheinlichsten Nachfolger Paul Achleitners an der Spitze des Aufsichtsrats der Deutschen Bank kam, fiel als erstes immer der Name von Börsenchef Theodor Weimer. Das war so logisch, dass seine Benennung als Kandidat für das Kontrollgremium jetzt schon fast überraschend kommt.

Weimer hat sich als Investmentbanker bei Goldman Sachs vor allem mit Banken beschäftigt, Weimer hat die HypoVereinsbank stabil durch die Finanzkrise manövriert, Weimer besitzt ausreichend Selbstbewusstsein, Durchsetzungskraft und Vernetzung in Politik und Unternehmenswelt um den schwierigen Posten auch persönlich auszufüllen. Zudem hat die Finanzkrise die Generation der deutschsprachigen Spitzenbanker im repräsentativen Alter derart ausgedünnt, dass kaum ein anderer Kandidat übrig bleibt, der deutsch spricht und sich in der komplexen Materie Investmentbanking ausreichend auskennt.

Allerdings wurden von in die Suche eingeweihter Seite immer wieder Argumente gegen Weimer vorgebracht. Das Wichtigste: Weimer ist gerne Chef des Dax-Konzerns Deutsche Börse – und das erst seit gut zwei Jahren. Zuvor hatte er die HypoVereinsbank zwar recht erfolgreich geführt, war dort aber dennoch im Lauf der Jahre mehr und mehr zum Empfänger von Befehlen aus der Unicredit-Zentrale in Mailand degradiert worden. Sein Job bestand zusehends in der Umsetzung neuer Sparvorgaben und wer den leidenschaftlichen Rennradfahrer in dieser Zeit traf, merkte, wie sehr das seinem Ego zusetzte. Als Carsten Kengeter wegen umstrittener Bonusvereinbarungen bei der Börse seinen Abschied nehmen musste, bot sich für Weimer noch einmal die Chance zum Ausbruch. Die hat er genutzt. Sein Vertrag wurde erst kürzlich bis 2024 verlängert.

Der Achleitners läuft aber erst 2022 aus. Und die Corporate Governance Vorgaben sehen vor, dass ein amtierender Konzernchef nicht parallel das Kontrollgremium eines anderen Konzerns leiten soll. Gerade bei der Deutschen Bank ist das in der Tat kein Nebenbei-Job, dass seine Aufgabe nicht unbedingt vergnügungssteuerpflichtig ist, hat der heftig angefeindete Achleitner selbst immer wieder betont. Würde Weimer tatsächlich als Chef der Börse zurücktreten, um sich die Aufgabe in den Zwillingstürmen anzutun? Sicher scheint das nicht.

Zumindest aber ist nun eine Lösung absehbar, die vorher fehlte. Der frühere PwC-Deutschlandchef Norbert Winkeljohann war das aus der Sicht großer Aktionäre nur bedingt. Zudem soll der Ende April schon an die Spitze des Aufsichtsrats von Bayer rücken. Dass er die Nachfolgeplanung in eigener Sache schleifen ließe, hatten Investoren Achleitner zuletzt immer wieder vorgeworfen. Nun kann er sie beruhigen. Das ist für ihn tatsächlich ein Erfolg – wenigstens einer.